LANDTAG STEIERMARK
XV. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ 547/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Bildung

Betreff:
Schulmodell Eisenerz "Matura plus Berufsausbildung" in das Regelschulwesen aufnehmen.


zu:


EZ/OZ 547/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Bildung

Betreff:
Schulmodell Eisenerz "Matura plus Berufsausbildung" in das Regelschulwesen aufnehmen


zu:


  • 547/1, Schulmodell Eisenerz "Matura plus Berufsausbildung" in das Regelschulwesen aufnehmen (Selbstständiger Antrag)

Der Ausschuss für Bildung hat in seinen Sitzungen vom 13.06.2006 und 10.10.2006 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Zum Antrag der SPÖ betreffend Schulmodell Eisenerz "Matura plus Berufsausbildung" in das Regelschulwesen aufnehmen liegt seitens der Landesregierung eine Stellungnahme vor, die Folgendes zum Inhalt hat:

Durch die in jahrelanger Teamarbeit aller Beteiligten ausgefeilten und in die Praxis eingeführten Kooperationsmodelle wurden die örtlichen Bildungseinrichtungen in erheblichem Maße aufgewertet. Eisenerz hat sich in den letzten Jahren erfolgreich als Schulstadt positioniert. 
Dieser Rolle muss durch ständige Innovationen im Bildungsbereich Rechnung getragen werden. Nur so kann Eisenerz seinem Ruf gerecht werden bzw. ihn noch weiter ausbauen.
Telekommunikation und die mit den neuen Technologien verbundenen Chancen speziell für den ländlichen Raum werden in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Jedoch müssen die Techniken von der örtlichen Bevölkerung, allen voran der Jugend, erlernt und angewendet werden.
Hierbei kommt den Bildungsträgern ein verantwortungsvoller Part zu. Weiterentwicklungen sind aber nur möglich, wenn eine stabile Basis geschaffen wird, die bestehende Modelle absichert und Raum für neue Errungenschaften geben.
Ein ausgeklügeltes Bildungssystem sowie die Erprobung und Implementierung neuer Modelle ist nicht nur für die Entwicklung der Gesellschaft vor Ort von Bedeutung. Die Wirkungen reichen über lokale Grenzen hinaus. So profitieren auf regionaler Ebene unter anderem das Schülerpotential, der Arbeitsmarkt, die Privatwirtschaft und Initiativen aller Art von dem Schulungsangebot in Eisenerz.
Regionalentwicklung ist das vorrangige Thema, das besonders im obersteirischen Raum das zukünftige Geschehen prägen und über die weitere Entvölkerung oder aber ein Wiedererwachen der Region entscheiden wird. Das Bildungsangebot, das unmittelbar in dieser durch Krisen geschüttelten Gegend vorhanden sein muss, wird auch in Zukunft einen bedeutenden Beitrag zum Wiedererstarken der Region leisten.
 
In Eisenerz werden Ausbildungsmodelle, die in ihrer Form einzigartig und richtungweisend für das österreichische Bildungswesen sind, entwickelt und umgesetzt.
 
Das Angebot der JEB GmbH hält sogar dem internationalen Vergleich statt. Im Rahmen des vom EU - Projekt "@mi - after mining" veranstalteten Städtepartnerschaftstreffens fand im Juni 1998 unter anderem eine Diskussionsgruppe zum Thema Bildung in Schweden, Finnland und Österreich statt. Die Delegationen der beiden Partnerländer zeigten sich vor allem von den Schulungsmodellen der JEB GmbH besonders angetan. So wurde von den Finnen im Mai 1999 eine Bildungsreise von Schuldirektoren, Professoren und Unternehmern nach Eisenerz organisiert. Im Rahmen von Präsentationen und Diskussionen wurde vor allem das Schulmodell Eisenerz und das NAZ vorgestellt, sowie Pläne für zukünftige Projekte geschmiedet. Gleich darauf, im Juni 1999, kam eine finnische Austauschschülerin nach Eisenerz. Sie besuchte das örtliche Bundesoberstufenrealgymnasium und nahm als Nachwuchs Leistungssportlerin im Langlauf an den Trainingseinheiten des NAZ teil. Sowohl die Eisenerzer als auch die Finnen konnten so vom gegenseitigen Know How - Austausch profitieren.
 
Bedeutung und Auswirkungen für die Region Eisenerz.
 
Eine innovative und engagierte Bildungsinstitution, die zusammen mit ihrem Team, den Schülerinnen und Schülern, den Partnern aus Politik, Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Sport und Kultur, sowie der Bevölkerung neue Konzepte entwirft und umsetzt, ist unabdingbar mit der regionalen Entwicklung ihres Umfeldes verbunden. Innovationen, neue Ausbildungsmethoden und -systeme, die Vorbereitung der zukünftigen Arbeitnehmer/Innen wie auch Arbeitgeber/Innen auf neue Herausforderungen sind essentielle sozial- und wirtschaftspolitische Aufgaben, die es zu erfüllen gilt.
Besonders in einer Region wie Eisenerz, die über Jahrhunderte monostrukturell vom Bergbau dominiert wurde, ist die wirtschaftliche Umstrukturierung eine der größten Herausforderungen der Gegenwart geworden. Der Wandel muss von der örtlichen Bevölkerung getragen und in die Realität umgesetzt werden. Dazu bedarf es der nötigen Koordinations- und Bildungsaufgaben, die allen voran von der JEB GmbH zu erfüllen sind.
Besonders wichtig ist die Arbeit mit den Jugendlichen, die in Zukunft die Gestalter und Verwalter der Region sein werden. Das Schulmodell Eisenerz und das NAZ, sowie die zahlreichen zusätzlichen Tätigkeiten der JEB GmbH leisten einen besonders wichtigen Beitrag, um die Jugend in professioneller Art und Weise auf ihre zukünftige verantwortungsvolle Position vorzubereiten. Nur wenn der eingeschlagene Weg weiter beschritten wird, können die bereits spürbaren und so dringend notwendigen Impulse ausgeweitet werden und schlussendlich der Region wieder zu einer neuen Blüte verhelfen.

Mit Schlagworten zusammengefasst, bedeutet das Schulmodell Eisenerz "HAK oder BORG Matura plus eine Lehrberufsausbildung". Diese Form der Ausbildung ist einzigartig in ganz Österreich. Sie ermöglicht es Schülerinnen und Schülern des örtlichen Bundesoberstufenrealgymnasiums (BORG), der Handelsakademie (HAK), sowie der Polytechnischen Schule (PTS), zusätzlich zum traditionellen Unterricht eine technische Berufsausbildung zu absolvieren.

Die technische Berufsausbildung beginnt mit einer einjährigen Berufsorientierung in den Lehrberufen Kommunikationstechniker (Elektronische Datenverarbeitung und Telekommunikation), Mechatroniker und Tischler. Dieser berufsbildende Unterricht wird während des regulären Schuljahres für alle oben genannten Schultypen einmal wöchentlich von der JEB GmbH durchgeführt.
Nach erfolgreicher Absolvierung des jeweiligen Schuljahres wird ein dreiwöchiges berufspezifisches Fachpraktikum an der JEB GmbH durchgeführt. Weiters beinhaltet der Ausbildungsplan das dritte und vierte Fachpraktikum berufsspezifisch in kooperationsbereiten Unternehmen durchzuführen.

Die einjährige technische Berufsorientierung beinhaltet 165 Unterrichtseinheiten.
Einmal pro Woche werden die Schülerinnen und Schüler in den Lehrwerkstätten und Laboratorien der JEB GmbH in folgenden Fächern unterrichtet:
- Kommunikationstechnik inkl. Elektronik,
- EDV-Technik,
- Metalltechnik inkl. CNC,
- Elektrotechnik,
- Holztechnik,
- Technisches Zeichnen inkl. CAD.

Nach dem Ende des ersten Jahres ist eine Fachbereichsentscheidung für einen der drei angebotenen Lehrberufe zu treffen.

Für folgende Berufe können sich die Schülerinnen und Schüler entscheiden:
- Kommunikationstechniker/in (EDV und Telekommunikation)
- Mechatroniker/in
- Tischler/in

In den nachfolgenden Jahren werden die Schülerinnen und Schüler fachspezifisch in folgenden Gegenständen unterrichtet:
- Kommunikationstechnik inkl. Elektronik,
- EDV-Technik,
- Elektrotechnik,
- Schweißtechnik,
- Technisches Zeichnen,
- Holztechnik,
- Zerspanungstechnik,
- Metalltechnik,
- CNC - Technik,
- CAD - Technik,
- Steuerungstechnik.

Diese fachspezifische Ausbildung beinhaltet 165 Unterrichtseinheiten in den weiteren Schuljahren und 150 Unterrichtseinheiten im Maturajahrgang.
Im Anschluss an die Matura ist eine intensive Ausbildungsphase für die Dauer von 8 bis 10 Wochen zur Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung (LAP) zu absolvieren.
Durch die Unterrichtseinheiten in der Berufsorientierung und im Fachbereich kombiniert mit den Fachpraktiken und der Intensivvorbereitung ist dem Schüler / der Schülerin die Möglichkeit gegeben noch im gleichen Kalenderjahr (Oktober des Jahres) die Lehrabschlussprüfung (LAP) in dem jeweiligen Beruf abzulegen.
Für die Schülerinnen und Schüler der Polytechnischen Schule (PTS) beinhaltet das Schulmodell Eisenerz eine intensive technische Berufsorientierung und die Berufsgrundausbildung in den Fachbereichen Metall-, Elektro- und Holzberufe.
Derzeit werden rund 150 Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Schulmodells Eisenerz ausgebildet.

Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, zusätzlich zu ihrer klassischen allgemeinen Ausbildung die reale Arbeitswelt kennen zu lernen und in weiterer Folge nicht nur die Matura, sondern auch die Lehrabschlussprüfung in dem von ihnen gewählten Berufszweig abzulegen.
Zum Unterschied zu einer Zusatzausbildung im IT-Bereich, wird bei einer Ausbildung in der JEB GmbH. ein Beruf erlernt, welcher mit der Lehrabschlussprüfung endet. Jeder Absolvent der HAK bzw. des BORG erhält zusätzlich zur Matura eine fundierte Berufsausbildung.
Die Kombination von allgemeinem, wirtschaftlichem und technischem Wissen kann zu Recht als ideale Voraussetzung für das nachfolgende Berufsleben angesehen werden. Sie wird von den späteren Arbeitgebern sehr geschätzt. Allzu oft wird von Seiten der Wirtschaft die Kritik laut, dass im herkömmlichen Ausbildungssystem der Realitätsbezug fehle. Genau diesem Kritikpunkt wird im Schulmodell Eisenerz Rechnung getragen. Die bereits erzielten schulischen und beruflichen Erfolge bestätigen den eingeschlagenen Weg.

Die Finanzierung des Schulmodells Eisenerz erfolgte vom Schuljahr 1998/99 bis zum Schuljahr 2002/03 vom Landesschulrat für Steiermark (Lehrerpersonal), AMS, Wirtschaftsressort, Sozialressort, Gemeinderessort und der Stadtgemeinde Eisenerz. 
Da das AMS im Schuljahr 2003/04 von der Finanzierung Abstand genommen hat, gibt es seither damit immer wieder Probleme, wobei das Schuljahr 2005/06 ausfinanziert ist. Die Finanzierung für die nächsten Schuljahre ist noch nicht gesichert (siehe Beilage).

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Bildung, Schule, Kinderbetreuung, Wissenschaft, Forschung und Kultur zum Antrag, Einl.Zahl 547/1, der Abgeordneten Kaufmann und Prattes, betreffend Schulmodell Eisenerz "Matura plus Berufsausbildung" in das Regelschulwesen aufnehmen, wird zur Kenntnis genommen.