LANDTAG STEIERMARK
XV. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 956/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 19.12.2006, 10:20:21


Landtagsabgeordnete(r): Christopher Drexler (ÖVP), Peter Hagenauer (Grüne), Edith Zitz (Grüne), Renate Pacher (KPÖ), Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ)
Fraktion(en): ÖVP, Grüne, KPÖ
Zuständiger Ausschuss: -
Regierungsmitglied(er): Kurt Flecker

Betreff:
Gehälter unter der Armutsgrenze für Angestellte im Landesmuseum Joanneum

Ab 1. Jänner führt das Landesmuseum Joanneum eine neue Gehaltsstufe unter der Armutsgrenze von 830 Euro netto ein.  Die ca. 270 Vigilantinnen und Vigilanten müssen bei sonstiger Beendigung des Arbeitsverhältnisses Dienstverträge unterschreiben, wonach ihr Stundenlohn für Aufsichtsdienste ab 1. Jänner 2007 unglaubliche 5,20 Euro brutto beträgt.

Es ist eine Schande, dass ein Arbeitgeber im Bereich des Landes Steiermark Gehälter unter der Armutsgrenze bezahlt. Die niedrigste Gehaltsstufe für Angestellte im Landesmuseuum Joanneum GmbH beträgt derzeit für eine Vollzeitbeschäftigung 1.276,39 Euro. Sie gilt für Hausarbeiten, Botendienste, Reinigungsarbeit sowie Hilfskräfte. Angestellte für einfache Hilfstätigkeiten ohne Kontakt zu BesucherInnen, ohne wissenschaftliche Vorbildung und ohne die Verpflichtung zur Vertiefung ihres Wissens erhalten somit umgerechnet 7,60 Euro pro Stunde. Es ist ein Mindestmaß an Gerechtigkeit, VigilantInnen wenigstens in der Höhe der bisher niedersten Gehaltsstufe zu entlohnen.

Das Joanneum schreibt vor, VigilantInnen in Hinkunft mit einem Beschäftigungsverhältnis von maximal 75% zu übernehmen. Daraus resultiert ein künftiges monatliches Bruttogehalt von 655,20. Bei 50%iger Beschäftigung beträgt das monatliche Bruttogehalt 436,80 Euro. Selbst bei einem 100%igen Beschäftigungsausmaß bleibt das Nettogehalt unter der Armutsgrenze von 830 Euro, da die Abzüge mindestens 18% betragen. Für dieses beschämend niedrige Gehalt gilt eine Kernarbeitszeit zwischen 6 und 22 Uhr, die Verpflichtung zu Mehrarbeit bei Bedarf (Bereitschaftsdienstsystem) und die Möglichkeit vorübergehender Versetzungen in der Steiermark (Stainz, Trautenfels, Flavia Solva), wobei die Anreisezeit zum Dienstort nicht als Arbeitszeit eingerechnet wird.

Die Geschäftsführung des Joanneum (Zuständigkeitsbereich von Direktor Dr. Wolfgang Muchitsch) hat sich trotz monatelanger Verhandlungen nicht bereit gefunden, für eine menschenwürdige Entlohnung Sorge zu tragen. Im Gegenteil wird Druck auf die MitarbeiterInnen ausgeübt, diese skandalösen Verträge zu unterfertigen, denn wer diese Bedingungen nicht akzeptiert, wird nicht mehr beschäftigt.

Das Landesmuseum Joanneum bezahlt nachweislich die geringsten Entgelte in Österreich für Aufsichtsdienste. Als Beispiel sei das Landesmuseum Kärnten mit 8 €/h für NichtakademikerInnen und 12 € für AkademikerInnen angeführt, oder das MAK Wien mit einem monatlichen Verdienst von 1.100 €. 

Doch nicht nur für Aufsichtsdienste, auch für Führungen zahlt das Joanneum weniger als jede andere Kultureinrichtung in Österreich, nämlich zwischen 7 € und 14 € pro geleisteter Führungseinheit. So beträgt die Entlohnung für eine fremdsprachige Führung durch eine Schausammlung unglaubliche 10 €. Im Kunsthistorischen Museum Wien beträgt der Führungszuschlag zwischen 29 € und 65 €, im MAK Wien zwischen 40 € und 80 €, im Belvedere 40 €, im Lentos zwischen 30 € und 65 €, im Landesmuseum Niederösterreich zwischen 37 € und 74 €. Nirgendwo sonst wird nur annähernd wenig bezahlt, sodass wenigstens das Durchschnittsmindestnivau von 30 Euro pro geleisteter Führungseinheit bezahlt werden soll.

Schlimm steht es auch um die Entlohnung für kreative Arbeit in der Kulturvermittlung. Österreichweit ist es selbstverständlich, dass kreative Vermittlungsarbeit auch bezahlt wird. Einzig das Landesmuseum Joanneum steht auf dem Standpunkt, dass bei von VigilantInnen erarbeiteten Workshops oder Sonderführungen keine Vorbereitungszeit abgegolten wird. Zumindest 50 € pro Erarbeitung eines Workshops oder einer Sonderführung sollen in Zukunft geleistet werden.

Das Land Steiermark darf es nicht hinnehmen oder tolerieren, dass in seinem eigenen Einflussbereich unmenschliche Gehälter oder Arbeitsbedingungen vorherrschen. Die Dienstverträge der Joanneum GmbH für VigilantInnen müssen dringend geändert werden, da es sozialpolitisch und kulturpolitisch unannehmbar ist, dass Menschen, die in der Kunst- und Kulturvermittlung arbeiten, von dieser Arbeit nicht leben können.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, in ihrem Einflussbereich keine Beschäftigungsverhältnisse mit einer Entlohnung unter der Armutsgrenze zu dulden und erforderlichenfalls entsprechende Budgetmittel vorzusehen, damit die landeseigene Joanneum GmbH rückwirkend ab 1.1.2007 
  • den Stundenlohn für Aufsichtsdienste zumindest auf das Niveau für Hilfskräfte (7,60 Euro/h) anhebt,
  • pro geleisteter Führungseinheit zumindest 30 Euro (durchschnittliche Untergrenze österreichischer Museen) Entgelt leistet, und
  • die Erarbeitung von Workshops und Sonderführungen mit jeweils 50 Euro honoriert.


Unterschrift(en):
Christopher Drexler (ÖVP), Peter Hagenauer (Grüne), Edith Zitz (Grüne), Renate Pacher (KPÖ), Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ)