LANDTAG STEIERMARK
XV. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1309/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 05.06.2007, 09:20:50


Landtagsabgeordnete(r): Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Edith Zitz (Grüne), Peter Hagenauer (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: -
Regierungsmitglied(er): Bettina Vollath

Betreff:
Aus- und Weiterbildung im Bereich der "Politischen Bildung"

Die politische Bildung in Österreich hat ihren konzeptionellen Ursprung in der Vermittlung eines traditionellen Politikverständnisses, wie zum Beispiel die Staatsbürgerschaftskunde. Idealtypisch fokussiert die politische Bildung heute aber mittels persönlicher, individueller Erfahrungen praktische Zugänge, die sich dafür eignen, das Zusammenleben in der Gemeinschaft zu fördern. Hierbei geht es in erster Linie um zwischenmenschliche Beziehungen, um die Entwicklung und Festigung individueller und kollektiver Identitäten und um die Vermittlung von Rahmenbedingungen für ein friedliches Zusammenleben von Menschen. Demgemäß ist es eines der wichtigsten Ziele der politischen Bildung, die Förderung einer aktiven BürgerInnenkultur der Demokratie, des Friedens und der Menschenrechte.

In einer Zeit aber, die - wie Zygmunt Bauman konstatiert - vom "Verlust des Politischen" geprägt ist, wird es zunehmend wichtiger, dass die politischen AkteurInnen gegen das daraus resultierende Demokratiedefizit aktiv werden. Somit wird eine adäquate demokratiepolitische Bildung auf allen Ebenen, aber besonders im Bereich der Schulen, zu einer zentralen Herausforderung für das Demokratieverständnis von Kindern und Jugendlichen und damit für eine aktiv gelebte Demokratie in der Zukunft. Umso wichtiger ist es daher, dass die Jugendlichen von heute in allen Schultypen durch eine adäquate politische Bildung dazu befähigt werden, am demokratischen Prozess zu partizipieren.

Politische Bildung darf nicht nur mit Parteienkunde, Institutionen- und Personenkunde identifiziert werden, sondern muss die uns nachfolgenden Generationen auf die sich verändernden Rahmenbedingungen unserer Welt(wirtschaft) vorbereiten und ihnen auch die Kompetenz verleihen, kritisch mit diesen globalen, politischen Entwicklungen umzugehen. Natürlich muss eine adäquate politische Bildung immer wieder über die Inhalte ihres Gegenstandes auch selbstkritisch reflektieren. Demokratiepolitische Bildung soll nicht zuletzt auch über diesen Reflexionsprozess zu neuen, verbesserten und innovativen Formen demokratischen Zusammenlebens inspirieren. Ziel der politischen Bildung ist es aber, an der Sozialisation bzw. Erziehung junger Menschen teilzuhaben, die sich für eine solidarische, friedliche Gesellschaft, in der allen Individuen Chancengleichheit garantiert wird, einsetzen. Verantwortungsbewusstsein, sozialer Zusammenhalt, nachhaltige Entwicklung, Befähigung zur Erweiterung von Problemlösungskompetenzen, etc. sind auf der Ebene der politischen Bildung als Ziele anzustreben. Aus diesen Gründen erscheint es dringend notwendig, die Aus- und Weiterbildung von VermittlerInnen der politischen Bildung verbessernd voranzutreiben. Zum Beispiel besteht die konkrete Anregung, die Ausbildung von GeschichteprofessorInnen in den Allgemein Höherbildenden Schulen im Zuge ihrer Ausbildung zur adäquaten Kompetenzausstattung für den Unterricht des Lehrfachs  "Geschichte und Politische Bildung" durch einen entsprechenden Studienplan, der auch vorbereitende Pflichtlehrveranstaltungen aus dem Bereich der "Politischen Bildung" beinhalten sollte, anzupassen. Auch wäre es anzudenken, dass das Lehrfach "Politische Bildung" als eigenständiges Fach in den Lehrplänen fixiert wird. Im Bereich der Pflichtschulen wäre eine entsprechende LehrerInnenausbildung im Bereich der "Politische Bildung" auf der Pädagogischen Akademie notwendig. Vor diesem Hintergrund, dass es bislang keine adäquate LehrerInnenausbildung gibt, ist es umso wichtiger, die Weiterbildungsangebote von LehrerInnen und ProfessorInnen zu erweitern. Denn eine bestmögliche Aus- und Weiterbildung im Bereich der politischen Bildung ist unentbehrlich, um BildungsexpertInnen dazu zu befähigen, sich eingehend mit den Prozessen und Praktiken der demokratiepolitischen Bildung zu beschäftigen. Darüber hinaus stellt die (demokratie)politische Bildung auch die traditionelle Rolle der Lehrkräfte gewissermaßen in Frage: Denn die anzustrebende Entwicklung von der "Wissensvermittlung" hin zur aktiven "Lernbegleitung" erfordert im Bereich der "Politischen Bildung" dezidiert neue Ausbildungsmodelle. Dieser Zugang erfordert es, für die LehrerInnen und ProfessorInnen, sowie für die AusbildnerInnen ein größtmögliches Angebot für ihre Aus- und Weiterbildung bereitzustellen. Insofern ist es an der Zeit, dass LehrerInnen für die Realisierung des Unterrichtsprinzips Politische Bildung, wie im Grundsatzerlass des Bildungsministeriums formuliert, für den Unterricht der "Politischen Bildung" umfassend aus- und weitergebildet werden.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, an die Bundesregierung mit der Forderung heranzutreten, adäquate Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten von Lehrenden aller Schultypen und Schulstufen im Bereich der "Politischen Bildung" sicherzustellen, um das im Grundsatzerlass des Bildungsministeriums formulierte Unterrichtsprinzip "Politische Bildung in Schulen" bestmöglich realisieren zu können.


Unterschrift(en):
Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Edith Zitz (Grüne), Peter Hagenauer (Grüne)