LANDTAG STEIERMARK
XV. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1300/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 24.05.2007, 16:49:30


Landtagsabgeordnete(r): Johann Bacher (ÖVP), Anne Marie Wicher (ÖVP), Gregor Hammerl (ÖVP)
Fraktion(en): ÖVP
Zuständiger Ausschuss: -
Regierungsmitglied(er): Helmut Hirt, Kurt Flecker

Betreff:
Apallisches Syndrom

Das Apallische Syndrom (Wachkoma) wird durch eine schwere Schädigung des Großhirns meistens aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas oder Sauerstoffmangels in Folge eines Kreislaufstillstandes hervorgerufen. Aber auch ein Schlaganfall, Meningitis/Enzephalitis, Hirntumore oder neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Parkinson-Syndrome) können zu einem apallischen Syndrom führen.
Beim Apallischen Syndrom kommt es zu einem funktionellen Ausfall größerer Teile oder der gesamten Großhirnfunktion, während Funktionen von Zwischenhirn, Hirnstamm und Rückenmark erhalten bleiben. Dadurch werden die Betroffenen wach, haben aber kein Bewusstsein und nur sehr begrenzte Möglichkeiten der Kommunikation mit ihrer Umwelt.

In der Steiermark liegt die Inzidenz bei etwa 10-12 Patienten pro Jahr, die Prävalenz beträgt zwischen 5 und 10 Patienten pro Jahr. Folglich ist davon auszugehen, dass ein Bedarf von 20 bis 25 Betten steiermarkweit gegeben ist und die Einrichtung dieser Anzahl an Phase F Betten ausreichend wäre. Die Patienten werden anfangs meist auf einer Intensivstation behandelt, weil sie in dieser Zeit häufig komatös sind, künstlich beatmet und ernährt werden müssen. Danach kommt es im Regelfall zu einer Stabilisierung der körperlichen Funktionen und die Patienten können nach einer Übergangszeit von einigen Wochen, wenn sie nicht mehr künstlich beatmet werden müssen, die Intensivstation verlassen. Schließlich kann es entweder zu einer mehr oder weniger guten Erholung der Hirnfunktionen kommen oder sich das Bild eines sogenannten "permanent vegetative state" entwickeln. Dabei sind die Betroffenen tagsüber oft wach, öffnen die Augen ohne etwas anzusehen und haben teilweise bestimmte Bewegungsmuster.  
Die normalerweise für Erkrankungen des Zentralnervensystems bemessene Zeitspanne zur Rehabilitation (Phase B und C) von ca. 3-6 Monaten reicht bei Wachkomapatienten aufgrund des komplexen Schädigungsmusters oft nicht aus. Ab diesem Zeitpunkt müssen die Kosten für die weitere Betreuung vom Patienten bzw. deren Angehörigen selbst getragen werden. Da für eine spezialisierte Versorgung das Pflegegeld aber bei weitem nicht ausreicht, werden viele dieser Patienten in Pflegeheimen und nicht in dafür spezialisierten Wachkomastationen betreut.

Durch spezielle medizinische, therapeutische und pflegerische Arbeit mit Wachkomapatienten der Phase F kann jedoch auch in der Langzeitbetreuung eine nachhaltige Verbesserung erzielt werden. Der Aufwand für eine solche Betreuung ist zumindest dem der Phasen B und C ebenbürtig, die Kosten dafür müssen aber vom Patienten bzw. den Angehörigen selbst getragen werden. Außerdem ist durch eine spezielle und auf den jeweiligen Betroffenen abgestimmte Betreuung auch die Behandlung von sekundären Schädigungen und Komplikationen möglich und oft kein ansonsten notwendiger stationärer Aufenthalt im Akut-Krankenhaus (zumeist auf der Intensivstation) erforderlich. Durch Abwägung der entstehenden Kosten ist ersichtlich, dass der Aufwand bei der Finanzierung von speziellen Wachkoma-Stationen ökonomisch gesehen geringer ist, als dies bei der Betreuung im Akutbereich der Fall wäre.

Für Menschen im Wachkoma bzw. deren Angehörige wäre es unbedingt notwendig, die Kosten auf ein erträgliches Maß zu reduzieren damit zum ohnehin schweren Schicksal nicht auch noch finanzielle Sorgen hinzukommen.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,
  1. im Zuge der Struktur- und Angebotsplanung spezialisierte Wachkomastationen zur optimalen Betreuung von Patienten mit apallischem Syndrom einzurichten bzw. vorzusehen\;
  2. den Bedarf an notwendigen Rehab-Betten für Wachkoma-Patienten zu erheben und dafür Sorge zu tragen, dass in einem zukünftigen Rehab-Plan eine dementsprechende Anzahl an Betten (insb. für die Phase F-Patienten) zur Verfügung steht\;
  3. die Finanzierung von spezialisierten Wachkomastationen im Rahmen der Gesundheitsplattform abzuwickeln\;
  4. an die Bundesregierung heranzutreten, damit für Menschen mit Apallischem Syndrom bzw. deren Angehörige eine Lösung gefunden wird, um die finanzielle Belastungen in erträglichem Maß zu gestalten.


Unterschrift(en):
Johann Bacher (ÖVP), Anne Marie Wicher (ÖVP), Gregor Hammerl (ÖVP)