LANDTAG STEIERMARK
XV. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2908/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 06.05.2009, 13:43:34


Landtagsabgeordnete(r): Lambert Schönleitner (Grüne), Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Edith Zitz (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: -
Regierungsmitglied(er): Johann Seitinger

Betreff:
Pestizidwirkstoff Clothianidin im Maisanbau

Beim Maisanbau wird in Österreich auch heuer wieder jenes gefährliche Saatgut eingesetzt, das mit dem Pestizidwirkstoff Clothianidin "gebeizt" wird. Dieses Pestizid verursachte 2008 ein massenhaftes Bienensterben in Deutschland, wo
während der Maisaussat 11.500 Bienenvölker vergiftet wurden. Massenhafte Bienenverluste traten auch in Slowenien und Italien auf. Nachdem auch in Österreich Vergiftungserscheinungen an über 2.500 Bienenvölkern beobachtet wurden, forderten ImkervertreterInnen und die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 ein Verbot derartiger Pestizide zur Saatgutbehandlung. In Deutschland, Slowenien und Italien wurden tatsächlich Verbote zum Schutz der Bienen erlassen, während in Österreich weiterhin mit Clothianidin gebeiztes Maissaatgut ausgebracht wird.
Bei der Saatgutbeize wird Clothianidin direkt auf das Maiskorn aufgetragen, um die Maispflanzen vor Insekten wie der Fritfliege oder dem Maiswurzelbohrer zu schützen. Clothianidin wirkt als Nervengift. Es blockiert die Acetylcholinrezeptoren im Zentralen Nervensystem und kann daher auch Vögeln und Säugetieren gefährlich werden. Für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten dürfte neben dem giftigen Beizstaub, der bei der Aussaat freigesetzt wird, nach neuesten
Erkenntnissen auch die Maisjungpflanze noch wochenlang eine Giftquelle darstellen. Trotzdem fehlt im amtlichen Zulassungsregister der AGES ein Hinweis auf die Bienengefährlichkeit von mit Clothianidin gebeiztem Saatgut.

Dabei gibt es eine einfache und wirksame Alternative zum Einsatz von bienengefährlichen Ackergiften: die altbewährte Fruchtfolgewirtschaft. Schädlinge wie der Maiswurzelbohrer werden erst durch Monokulturen zum Problem. Das Unterbrechen des monotonen Maisanbaus durch eine Fruchtfolge - wie dies etwa in der Schweiz seit Jahren erfolgreich praktiziert wird - hindert den Maiswurzelbohrer in seiner Entwicklung und löst das Problem auf natürliche Weise. Außerdem wird so das Grundwasser geschont und das Landschaftsbild verbessert. Im Bio-Landbau ist die Saatgutbehandlung mit Insektiziden verboten und auf Grund der praktizierten Fruchtfolge auch gar nicht notwendig.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, an die Bundesregierung mit folgenden Forderungen heranzutreten:
  • Clothianidin-gebeiztes Saatgut sowie sämtliche Saatgutbeizmittel aus der Gruppe der Neonicotinoide zu verbieten
  • eine verpflichtende Fruchtfolgewirtschaft vorzuschreiben
  • eine Informationskampagne in der Landwirtschaft zu starten
  • eine finanzielle Unterstützung bei der Umstellung auf Fruchtfolgewirtschaft vorzusehen.


Unterschrift(en):
Lambert Schönleitner (Grüne), Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Edith Zitz (Grüne)