LANDTAG STEIERMARK
XV. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3213/1

Regierungsvorlage

eingebracht am 23.09.2009, 00:00:00


Geschäftszahl(en): A9-01.Be-7/2009-28
Zuständiger Ausschuss: -
Regierungsmitglied(er): Bettina Vollath

Betreff:
Projektdurchführung "63 Jahre danach" - "Mahnmal oder Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus" durch den Künstler Jochen Gerz\; Abwicklung und Realisierung durch das Institut im öffentlichen Raum Steiermark in der Landesmuseum Joanneum GmbH.

Das Jahr 2008 war auch ein Gedenkjahr im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus in Österreich.
Aus diesem Grund hat der Landtag Steiermark mit Landtagsbeschluss Nr. 938 vom 12. Februar 2008 nachstehenden Beschluss gefasst:
"Die Steiermärkische Landesregierung wird aufgefordert, im Zuge des Gedenkjahres 2008 im Bereich des Burggartens ein Mahnmal oder eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zu errichten." Abgeordnete aller Parteien haben diesen Antrag begrüßt und ausdrücklich eine über eine Gedenktafel hinausgehende Gestaltung empfohlen.
Im Grazer Burggarten befindet sich zwar ein Freiheitsdenkmal, das an den Abzug der letzten Besatzungstruppen im Jahr 1955 erinnert. Ein Hinweis auf die Opfer des Nationalsozialismus findet sich im Burggarten allerdings nicht, wie auch sonst kein vom Land Steiermark errichtetes Denkmal, welches an diese Opfer erinnert. Das ist insofern auffallend, als in dieser Zeit die Burg Sitz des Gauleiters und Landeshauptmanns Siegfried Uiberreither war, dessen besonders grausame Entscheidungen und Handlungen sowohl gegenüber der steirischen als auch der untersteirischen Bevölkerung in den Ergebnissen der Zeitgeschichte aufscheinen.

Mit Schreiben vom 25. Februar 2008 der Abteilungsgruppe Landesamtsdirektion, Stabstelle Präsidialangelegenheiten, wurde die Abteilung 9 - Kultur um federführende Bearbeitung dieses Antrages ersucht. Im Einvernehmen mit Herrn Landeshauptmann Mag. Franz Voves als für die Landesliegenschaften zuständiges Regierungsmitglied wurde Univ. Doz. Dr. Werner Fenz, Leiter des Institutes für Kunst im öffentlichen Raum, welches in der Landesmuseum Joanneum GmbH eingemietet ist, mit der Durchführung beauftragt.

Mit Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 2. Juni 2008, GZ: A9-01Be7-20/2008, wurde die Steiermärkische Landesregierung davon in Kenntnis gesetzt, dass die finanziellen Mittel für die Umsetzung des Landtagsbeschlusses aus dem Bereich Kunst im öffentlichen Raum zur Verfügung gestellt werden sollen und weiters, dass die Künstlerpersönlichkeit Jochen Gerz für diese Aufgabe gewonnen werden konnte. Der temporär in Irland lebende deutsche Künstler Jochen Gerz gilt weltweit als jener Künstler, der den Denkmalbegriff verändert und erweitert hat. Sein entscheidendes Anliegen ist es, auf unterschiedliche Art und Weise die Menschen, die am Denkmal vorbeikommen oder es gezielt aufsuchen, in den Erinnerungsprozess mit einzubinden. Die Mitglieder des Fachbeirates für bildende Kunst haben sich für diese Beauftragung ausgesprochen.

Mit Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 23. Oktober 2006, GZ: A9-24Ku153-6/2006, hat die Steiermärkische Landesregierung die administrative Abwicklung der "Förderung von Kunst im öffentlichen Raum" durch das in der Landesmuseum Joanneum GmbH situierte "Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark" beschlossen. Der Landesmuseum Joanneum GmbH wurde für die finanzielle Abwicklung solcher Projekte ein Jahreszuschuss in Höhe von € 1,0 Mio. p.a. bewilligt.

Für die Abwicklung und Realisierung des Projektes "63 Jahre danach" von Jochen Gerz wurde dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum mit Sitz in der Landesmuseum Joanneum GmbH mit Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 15. September 2008, GZ: A9-01Be/-23/2008, ein Gesamtbetrag in Höhe von max. € 180.000,-- bewilligt. Jochen Gerz zeigt in seinem Konzept, dass er einen komplexen Zugang sucht und dieses Projekt nicht an einem bestimmten Ort fokussieren, sondern vom Regierungssitz des Landes Steiermark ausgehend zumindest in die Landeshauptstadt hineintragen möchte. Der Fachbeirat hat dieses Projekt positiv beurteilt.

Die Realisierung dieses Projektes war von Oktober 2008 bis November 2009 geplant. Zur Einleitung in das und Beteiligung an dem Projekt wurden Regierungsmitglieder, Landtagsabgeordnete u. a. vom Institut im öffentlichen Raum in den Rittersaal zu einer ersten Projekt-Darstellung und Diskussion am 18. September 2008 eingeladen. Das persönliche Engagement und der Einsatz von Jochen Gerz ist auch daran abzulesen, dass er beinahe monatlich an zwölf Doppeltagen vor Ort die Umsetzung seines Projekts einleitete und überwachte.

In Entsprechung des Landtagsbeschlusses Nr. 938 vom 12. Februar 2008 wurde nach Vorausinformation an Herrn Landeshauptmann im Burgtor eine Inschrift mit dem Titel "ICH SIGFRIED UIBERREITHER LANDESHAUPTMANN" als Teil des öffentlichen Auftrages zur Erinnerung an die zentrale Rolle des Politikers, Landeshauptmann und NS-Gauleiter, Siegfried Uiberreither beim "Anschluss" und der Durchsetzung der Diktatur in der Steiermark angebracht. Das Bundesdenkmalamt, die Altstadt-Sachverständigenkommission sowie die Bau- und Anlagenbehörden haben zugestimmt. Dieses von der Künstlerpersönlichkeit Jochen Gerz umgesetzte Mahnmal wurde am 9. Dezember 2008 (vor dem Tag der Menschenrechte) der Öffentlichkeit übergeben.

Des Weiteren wurde bzw. wird das Projekt "63 Jahre danach" medial wie folgt fortgesetzt: Auf der Basis einer am 28. Oktober 2008 mit der Chefredaktion der Kleinen Zeitung vereinbarten Medienpartnerschaft wurden vom 29. Jänner bis 8. Juli 2009 in 24 Ausgaben der "Kleinen Zeitung" dem Leserpublikum von in der Steiermark tätigen AkademikerInnen und WissenschaftlerInnen 96 ausgesuchte Fotografien aus der NS-Zeit auf mehreren Halbseiten gezeigt. Mittels Voting durch die SteiererInnen stand Ende März 2009 eine fixierte Fotoreihe fest.

Ab diesem Zeitpunkt wurde jede und jeder einzelne Abgeordnete des Landtages Steiermark vom Künstler Jochen Gerz persönlich eingeladen, an diesem Kunstwerk zur Erinnerung an den Nationalsozialismus in der Steiermark mitzuwirken, indem sie gebeten wurden, einen eigenen kurzen und persönlichen Text zu den 48 verbliebenen Fotografien zu verfassen. In weiterer Folge wurden diese Fotos mit den verfassten Texten in drei Ausgaben der "Kleinen Zeitung" veröffentlicht, und wieder wurden die LeserInnen aufgefordert, 24 Bilder- und Textpaare auszusuchen, die in der Steiermark als Zeichen der Erinnerung im öffentlichen Raum aufgestellt werden. Auch die Entscheidung des Standortes traf die Leserschaft der "Kleinen Zeitung". Sie schlug die Orte vor und begründete sie. Sie wählte unter den Vorschlägen die 24 öffentlichen Standorte von "63 Jahre danach" aus. Die Ergebnisse wurden in weiteren Ausgaben der Tageszeitung veröffentlicht, zuletzt am 8. Juli 2009.

Folgende Standorte wurden in Graz ausgewählt: Augarten, Bischofsplatz, Eisernes Tor, Freiheitsplatz, Geidorfplatz, Hauptbahnhof, Hauptplatz, Herrengasse, Wirtschaftskammer, Wahlzentrale/Burg, Karmeliterplatz und Tummelplatz.

Die Standorte außerhalb der Landeshauptstadt sind in Haus im Ennstal, St. Ilgen, Gleisdorf, Köflach, Neumarkt, Wagna, Leoben, Untertal/Rohrmoos, Rein, Bad Mitterndorf, Selzthal und Feldbach.

Die Verhandlungen über die Standorte wurden (bis auf Neumarkt) mit den zuständigen Behörden positiv abgeschlossen (Stand 15. September 2009). Die Text-Bild-Objekte werden in der Folge installiert.


Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 21. September 2009.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Umsetzung des Landtagsbeschlusses Nr. 938 vom 12. Februar 2008 betreffend das Projekt "63 Jahre danach" - "Mahnmal oder Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus" wird zustimmend zur Kenntnis genommen.