LANDTAG STEIERMARK
XV. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3247/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 09.10.2009, 12:54:47


Landtagsabgeordnete(r): Heinz Gach (ÖVP), Peter Rieser (ÖVP), Barbara Riener (ÖVP), Franz Riebenbauer (ÖVP), Josef Ober (ÖVP), Franz Majcen (ÖVP), Karl Lackner (ÖVP), Walburga Beutl, Johann Bacher (ÖVP), Erwin Dirnberger (ÖVP), Christopher Drexler (ÖVP), Gerald Schöpfer (ÖVP), Anton Gangl (ÖVP), Erwin Gruber (ÖVP), Eduard Hamedl (ÖVP), Gregor Hammerl (ÖVP), Wolfgang Kasic (ÖVP), Odo Wöhry (ÖVP), Peter Tschernko (ÖVP), Josef Straßberger (ÖVP), Elisabeth Leitner (ÖVP), Manfred Kainz (ÖVP), Ernst Gödl (ÖVP), Bernhard Ederer (ÖVP)
Fraktion(en): ÖVP
Zuständiger Ausschuss: -
Regierungsmitglied(er): Elisabeth Grossmann, Siegfried Schrittwieser, Christian Buchmann

Betreff:
Der weiß-grüne Weg – Forcieren qualifizierter Teilzeitarbeit

Der weiß-grüne Weg der Steirischen Volkspartei hat zum Ziel, die Steiermark zur lebenswertesten und innovativsten Region Europas zu machen. Laut der Studie "Potenziale für qualifizierte Teilzeitarbeit in Österreich" von AMS, IV und WK im September 2008 gehen in Österreich rund 41% der erwerbstätigen Frauen und rund 8% der Männer einer Teilzeitbeschäftigung nach. Eine nähere Betrachtung des Bildungshintergrunds von Teilzeitbeschäftigten zeigt, dass den höchsten Anteil AHS- und BMS-Absolventen/-innen mit rund 36% bzw. rund 32% aufweisen. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten mit Pflichtschulabschluss beträgt rund 24%, gefolgt von BHS-Absolventen/-innen mit rund 22%. Die geringsten Teilzeitquoten weisen mit rund 21% Absolventen-/innen einer Universität oder Hochschule auf. Fast die Hälfte aller Frauen mit AHS-Matura ist teilzeitbeschäftigt, während der Anteil bei Frauen mit Hochschulabschluss nur bei 33% liegt. Teilzeitbeschäftigte Frauen sind vor allem in den niedrigen und mittleren Tätigkeitsfeldern zu finden, doch auch bei Männern gilt: Je höherwertiger die Tätigkeit, desto geringer die Teilzeitquote.

Von qualifizierter Teilzeitarbeit spricht man, wenn die ausgeübte Tätigkeit einen bestimmten Bildungsgrad erfordert, eine Beschäftigung von maximal 35 Stunden pro Woche vorliegt sowie die berufliche Position im Segment der mittleren oder höheren bzw. leitenden Tätigkeit liegt.

Teilzeitarbeit, die primär von Frauen ausgeübt wird, sollte nicht als Ersatz, sondern immer nur als Ergänzung zur Vollzeitbeschäftigung gesehen werden. Dennoch erwarten die meisten Unternehmen einen weiteren Anstieg in der Teilzeitarbeit, v.a. auch in Führungspositionen. Erfahrungen mit qualifizierter Teilzeitarbeit zeigen dabei, dass es sowohl für Unternehmer Vorteile (TeilzeitmitarbeiterInnen sind effektiver und motivierter) als auch für die TeilzeitmitarbeiterInnen (bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Work-Life-Balance, generell Flexibilität) bringt. TeilzeitmitarbeiterInnen sehen mitunter aber auch Benachteiligungen, z.B. in beruflichen Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten, in der betrieblichen Förderung, an der mangelnden eigenen Flexibilität. Sie sind auch mit spezifischen Herausforderungen wie erhöhtem Koordinationsaufwand oder mangelndem institutionellem Kinderbetreuungsangebot konfrontiert.

Die folgenden Trends sind für die künftige Entwicklung von qualifizierter Teilzeitarbeit entscheidend:

1. Neue Arbeitswelt
Durch technologische Entwicklungen, v.a. im Informations- und Kommunikationsbereich, besteht in der Arbeitswelt zunehmend Flexibilisierung von Ort und Zeit der Leistungserbringung. Dabei drängt der Nachweis bestimmter Leistungen die Arbeit nach Stunden zurück. Die damit verbundene Telearbeit würde bei verstärktem Einsatz enorme Wachstumspotenziale für die qualifizierte Teilzeitarbeit mit sich bringen.

2. Demografischer Wandel
Überalterung und die damit zu erwartende Erhöhung des Pensionsantrittsalters bringt Berufstätigkeit bis in das höhere Alter mit sich. Teilzeitarbeit bietet dabei gerade älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Chance, auch in späten Berufsjahren produktiv am Erwerbsleben teilzunehmen. Etwa könnte mit dem verstärkten Einsatz von Telearbeit ein zusätzlicher Arbeitsmarkt für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entwickelt werden.

3. Familie und Beruf (Work-Life-Balance)
Der Auf- und Ausbau von Telearbeitsplätzen, ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen, zeitlich flexiblere Kinderbetreuungseinrichtungen und eine familienfreundliche Arbeitsplatzgestaltung sind positive Einflussfaktoren für qualifizierte Teilzeitarbeit. Weiterbildungsmaßnahmen während der Babypause oder geringfügige Mitarbeit im Unternehmen werden oftmals erst durch qualifizierte Teilzeitarbeit ermöglicht.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, folgende Maßnahmen zu treffen:
  • Förderung bzw. Entwicklung von Informations- und Beratungsangeboten sowohl für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als auch für die Arbeitgeberbetriebe (speziell für kleine und mittlere Unternehmen), etwa zur Unterstützung bei der Entwicklung von Karriereplänen oder bei der Organisation von qualifizierter Teilzeitarbeit im Unternehmen, bei Planung der Babypause oder hinsichtlich der arbeitsrechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten,
  • Stärkere Bewusstseinsbildung durch das Kommunizieren von "best-practise-Beispielen" bzw. role models und Initiieren von Pilotprojekten,
  • Forcierung von Telearbeit, zB durch Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich multimedialer Informations- und Kommunikationstechnologien,
  • Schaffung eines flexibleren Kinderbetreuungsangebotes (v.a. hinsichtlich der Öffnungszeiten), etwa durch die Kombination von Kindergärten mit Tagesmüttern oder Kooperationen von betrieblichen mit kommunalen Kinderbetreuungseinrichtungen


Unterschrift(en):
Heinz Gach (ÖVP), Peter Rieser (ÖVP), Barbara Riener (ÖVP), Franz Riebenbauer (ÖVP), Josef Ober (ÖVP), Franz Majcen (ÖVP), Karl Lackner (ÖVP), Walburga Beutl, Johann Bacher (ÖVP), Erwin Dirnberger (ÖVP), Christopher Drexler (ÖVP), Gerald Schöpfer (ÖVP), Anton Gangl (ÖVP), Erwin Gruber (ÖVP), Eduard Hamedl (ÖVP), Gregor Hammerl (ÖVP), Wolfgang Kasic (ÖVP), Odo Wöhry (ÖVP), Peter Tschernko (ÖVP), Josef Straßberger (ÖVP), Elisabeth Leitner (ÖVP), Manfred Kainz (ÖVP), Ernst Gödl (ÖVP), Bernhard Ederer (ÖVP)