LANDTAG STEIERMARK
XV. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3350/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 17.11.2009, 10:19:41


Landtagsabgeordnete(r): Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Lambert Schönleitner (Grüne), Edith Zitz (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: -
Regierungsmitglied(er): Bettina Vollath
Beilagen: Ambulanzkonzept 2006, Ambulanzbericht 2004, Ambulanz-Einreichkonzept 2002

Betreff:
Ambulante sozialpsychiatrische Versorgung

In der Steiermark wird der Aufbau einer ambulanten sozialpsychiatrischen Versorgung immer dringender. Dafür gibt es bereits erfolgreiche Vorbilder, auf deren Erfahrungen zurückgegriffen werden kann.

In Oberösterreich gibt es seit 2003 eine entsprechende Einrichtung (siehe Beilage). Um der fehlenden fachärztlichen Betreuung entgegen zu wirken, wurde vorerst ein psychiatrischer Konsiliardienst eingerichtet, der im Laufe der Zeit  den zunehmenden Bedarf jedoch nicht mehr abdecken konnte. Daher wurde der Beschluss gefasst, das medizinische Angebot auszubauen und den Bedürfnissen der KlientInnen entsprechend zu konzipieren. Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen kam nur die Einrichtung einer nicht bettenführenden Krankenanstalt in der Betriebsform eines Selbständigen Ambulatoriums in Frage. Dies ermöglichte es, eine eigenständige medizinische Einrichtung zu betreiben, die über die nötigen Handlungsbefugnisse (z.B. Ausstellung von Rezepten und Überweisungen, ärztlichen Zeugnissen) verfügt.  Die Ambulanz wurde als integrativer Bestandteil des PSZ-Linz/Urfahr konzipiert und auch räumlich dort angesiedelt. Im März 2003 wurde die Ambulanz offiziell eröffnet. Das Team der Ambulanz arbeitet interdisziplinär und setzt sich aus verschiedenen Fachkräften mit mehrjähriger praktischer Berufserfahrung im stationären und extramuralen psychosozialen Feld zusammen (FachärztInnen für Psychiatrie, gehobener Krankenpflegefachdienst, PsychotherapeutInnen). Die Ambulanz wird aus Strukturmitteln des  oberösterreichischen Krankenanstaltenfonds finanziert. Eine Regelfinanzierung wird angestrebt, die Verantwortlichen Körperschaften (Oö. Gesundheitsplattform und  OÖGKK) verhandeln noch darüber. Für die KlientInnen ist die Inanspruchnahme der Dienstleistungen der Ambulanz derzeit unentgeltlich und ohne Krankenschein möglich.

Ziel einer sozialpsychiatrischen Ambulanz ist es, eine bedarfs- und bedürfnisgerechte sozialpsychiatrische Behandlung und Betreuung anzubieten. Im Feld der bereits bestehenden psychiatrischen Einrichtungen ist eine sozialpsychiatrische Ambulanz neben dem Angebot stationärer Einrichtungen und dem niedergelassener FachärztInnen angesiedelt. Die Angebote einer sozialpsychiatrischen Ambulanz zielen auf die Behandlung, Betreuung und Unterstützung sozial benachteiligter Personen ab. Die Erfahrungen in Oberösterreich zeigen, dass es sich bei den KlientenInnen oft um Personen handelt, die aus anderweitigen Betreuungsverhältnissen leicht herausfallen.
Gerade um diesen Personenkreis erreichen zu können, ist der niederschwellige
Zugang besonders wichtig. Die Niederschwelligkeit wird erreicht durch den kostenlosen und unbürokratischen Zugang sowie der Freiwilligkeit der Behandlung.
Für diese KlientenInnen ist das Angebot niedergelassener DienstanbieterInnen oft nicht ausreichend, eine stationäre Behandlung jedoch nicht erforderlich.

Somit stellt das Aufgabengebiet einer sozialpsychiatrischen Ambulanz ein eigenes Arbeitsfeld dar, das in den bisher etablierten Diensten noch nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Menschen mit längerdauernden psychischen Problemen und wiederkehrenden Krisen leiden oft unter der Zerteilung des Betreuungs- und Behandlungsangebots. Um eine aussichtsreiche Betreuung und Behandlung psychischer Störungen zu gewährleisten, ist die Einbindung fachmedizinischer Leistungen als komplementäres Angebot in die psychosoziale Versorgung erforderlich. Durch die Vernetzung und Kooperation aller helfenden Beteiligten, ist es möglich, die Wechselwirkung zwischen biologischen, psychischen, biographischen und  sozialen Faktoren zu berücksichtigen und eine ganzheitliche, integrative Sicht- und Behandlungsweise durchzuführen. Die mit diesem Konzept mögliche kontinuierliche Betreuung und rechtzeitige Interventionen in Krisen dienen dazu, Krankenhausaufenthalte zu vermindern.

In Oberösterreich wird die integrative Vernetzung der Ambulanz mit den weiteren Dienstanbietern des PSZ als sehr effizient eingeschätzt, da vielfältige Handlungsmöglichkeiten und eine breite Palette von kreativen Interventionskonzepten zur Verfügung stehen. Die Zusammenschau verschiedenster Informationen ergibt eine umfassendere Darstellung der Problematik und ermöglicht eine zielführendere Handlungsplanung.

Die ambulante sozialpsychiatrische Versorgung in Oberösterreich deckt sich am ehesten mit sozialpsychiatrischen Konzepten unter besonderer Berücksichtigung von Konzepten zu Recovery und Resilenz. Dabei geht es um ein Verständnis psychischer Krankheit im sozialen und ökologischen Kontext, ergänzt durch psychologische und biologische Konzepte, mit entsprechendem Einfluss auf Diagnostik und Therapie sowie Organisation der psychiatrischen Krankenversorgung. Dabei geht es auch um ethische und sozialpolitische Aspekte mit der Bemühung um gesellschaftliche Gleichstellung und Gleichbehandlung psychisch kranker Personen mit körperlich kranken Personen. Regional schränkt sich die Zuständigkeit der Ambulanz auf Linz-Urfahr und den Bezirken Urfahr-Umgebung und Eferding ein. Eine überregionale Zuständigkeit besteht für KlientInnen, die das Krisenzimmer in Anspruch nehmen, beschränkt sich aber auf den Zeitraum des Aufenthaltes im Krisenzimmer. In geringem Umfang und in begründeten Fällen können, bei funktionierender Kooperation, auch Klientinnen von anderen psychosozialen Einrichtungen in der Ambulanz betreut werden. Als Dienstleistungen werden psychiatrische Untersuchungen, ergänzende körperliche Untersuchungen, ein komplementärmedizinisches Angebot, fachärztliche Beratung, psychotherapeutische und psychiatrische Behandlung, tagesklinische Gruppentherapie, psychosoziale Betreuung, Krisenbegleitung, sowie die Beratung von Angehörigen.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, anhand der oberösterreichischen Erfahrungen ein Modell für eine ambulante sozialpsychiatrische Versorgung in der Steiermark zu erarbeiten und umzusetzen.


Unterschrift(en):
Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Lambert Schönleitner (Grüne), Edith Zitz (Grüne)