LANDTAG STEIERMARK
XV. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3843/1

Regierungsvorlage

eingebracht am 15.06.2010, 00:00:00


Geschäftszahl(en): A3-A1.70-475/2010-8; A3 - 02.L-3/2010-126
Zuständiger Ausschuss: -
Regierungsmitglied(er): Elisabeth Grossmann

Betreff:
Beschluss des Landtages Steiermark Nr. 1956 vom 18. Mai 2010 betreffend kolportierte Missstände an der FH Joanneum GmbH

Zum Beschluss des Landtages Steiermark wird wie folgt Stellung genommen:

Die 1995 gegründete und im Mehrheitseigentum des Landes Steiermark stehende FH JOANNEUM Gesellschaft mbH ist mit ihren 36 Studiengängen in den vier Fachbereichen "Information, Design &\; Technologien", "Leben, Bauen, Umwelt", "Internationale Wirtschaft" und "Gesundheitswissenschaften", ca. 3.500 Studierenden an drei Standorten, über 500 MitarbeiterInnen und ca. 600 externen Lehrenden pro Jahr eine der führenden Fachhochschulen Österreichs. Wie in anderen Unternehmen dieser Größe können natürlich auch hier Konfliktsituationen auftreten. Der angesprochene gegenständliche Fall über "kolportierte Missstände" (aus datenschutzrechtlichen Gründen werden keine Namen genannt) kann allerdings keinesfalls exemplarisch für das gesamte Haus gesehen werden. Intensive Netzwerke zu Partnerunternehmen sowie die Mobilität von Studierenden und Lehrenden im Austausch mit Partnerhochschulen sichern die internationale Qualität der Ausbildung, ein gutes Arbeitsklima und damit verbunden zufriedene MitarbeiterInnen und Studierende sind der Grundsatz und die Richtschnur des Hauses FH JOANNEUM.

Die angesprochenen Aufnahmeverfahren an der FH JOANNEUM Gesellschaft mbH sind hausintern in einem eigenen "Handbuch Aufnahmeverfahren" geregelt. Die in den Medien angeführten Aufnahmegespräche sind Teil des Aufnahmeverfahrens und werden in zwei- bis dreiköpfigen Kommissionen geführt, denen auch eine externe Psychologin angehört. Ein Protokoll, welches die Nachvollziehbarkeit des Aufnahmegesprächs im Sinne eines wesentlichen Qualitätskriteriums garantiert, wird nach dem Gespräch von Mitgliedern der Aufnahmekommission unterzeichnet.

Beim Aufnahmeverfahren am Studiengang JUK werden mehrere Kriterien gewichtet, summiert und so die Reihenfolge der aufzunehmenden BewerberInnen ermittelt. Bis zum Jahr 2008 bestand das Aufnahmeverfahren aus folgenden 4 Teilen:
  • Eine Mappe mit Textproben, die von den BewerberInnen Zuhause erstellt wurde,
  • einem schriftlichen Reihungstest,
  • Klausurarbeiten zu den Berufsfeldern und
  • einem persönlichen Aufnahmegespräch.

Um das Aufnahmeverfahren noch transparenter zu machen, wurde dieses 2009 dahingehend geändert, dass die BewerberInnen die Mappen mit den Textproben nicht mehr von Zuhause mitbringen, sondern an der FH JOANNEUM Gesellschaft mbH unter Beaufsichtigung erstellen müssen. Die offizielle Einreichung des geänderten Aufnahmeverfahrens beim Fachhochschulrat als Akkreditierungsbehörde erfolgte ordnungsgemäß am 18.11.2008: Seit 2009 wird daher diese neue und verbesserte Form des Aufnahmeverfahrens am Studiengang JUK eingesetzt.

Die Qualität der Lehre ist ein besonderes Anliegen der FH JOANNEUM und sichert nachhaltig die Reputation des Hauses. Da die Qualität der Lehre auch mit der Zufriedenheit der Studierenden und der MitarbeiterInnen zusammenhängt und diese am Studiengang JUK aufgrund einer schwierigen Personalkonstellation über einen längeren Zeitraum nicht im Gleichgewicht war - was auch von den Medien immer wieder kolportiert wurde - haben seitens der Geschäftsführung zahlreiche Vermittlungsgespräche mit MitarbeiterInnen und Studierenden am Studiengang JUK - unter Einbindung von Betriebsräten, des Rektors, der Vizerektorin, der Studiengangsleitung sowie dem Leiter der Personalabteilung stattgefunden.

Die Einleitung eines Mediationsverfahrens wurde dabei als eine wesentliche Chance zur Verbesserung des Klimas am Studiengang gesehen, konnte als Konfliktlösungsinstrument allerdings nicht nachhaltig erfolgreich eingesetzt werden. Unter dem Gesichtspunkt einer laufenden Qualitätsverbesserung und auf der Basis vorliegender negativer Evaluierungen der Lehre und fehlender Teamfähigkeit - wie im angesprochenen Fall - entschied die Geschäftsführung in ihrer operativen Verantwortung für das Unternehmen, sich von MitarbeiterInnen zu trennen. In Hinkunft wird bei der Auswahl neuer MitarbeiterInnen durch die Hearingkommission und den Personalausschuss noch verstärkt auf soziale Kompetenzen und die fachlichen und didaktischen Qualifikationen geachtet werden.

Eine inhaltliche und organisatorische Weiterentwicklung der Internen Revision sowie der angesprochene Revisionsbericht wurden in einem Ausschuss des Aufsichtsrates der FH JOANNEUM Gesellschaft mbH evaluiert. Der Aufsichtsrat regte eine Umstrukturierung  der Internen Revision dahingehend an, dass diese von den Personal- und Rechtsagenden des Hauses entkoppelt werden sollte. Hinsichtlich des Revisionsberichtes wurde seitens des Ausschusses des Aufsichtsrates festgehalten, dass Adaptierungserfordernisse im Aufnahmeverfahren, die aufgrund der Revision der Jahre 2005 bis 2008 festgestellt wurden, ohnedies seitens des Studienganges bereits Ende 2008 mit Wirkung für das Aufnahmejahr 2009 beantragt, genehmigt und umgesetzt waren.


Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 14. Juni 2010.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht der Steiermärkischen Landesregierung zum Beschluss des Landtages Steiermark Nr. 1956 vom 18. Mai 2010 betreffend kolportierte Missstände an der FH JOANNEUM GmbH wird zur Kenntnis genommen.