LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ 124/6

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Wissenschaft

Betreff:
Abschaffung der KSG und Umwidmung der Mittel für das Kunst- und Kulturschaffen in der Steiermark


zu:


  • 124/1, Abschaffung der KSG und Umwidmung der Mittel für das Kunst- und Kulturschaffen in der Steiermark (Selbstständiger Antrag)


Der Ausschuss "Wissenschaft" hat in seiner Sitzung vom 07.12.2010 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Begründung:
Die Kulturservicegesellschaft (KSG) wird nicht gebraucht. Sie ist für sich selbst da und verfügt über die Hälfte der Mittel, die dem gesamten autonomen Kunst- und Kulturschaffen in der Steiermark zukommen.

Die Kunst- und Kulturschaffenden in der Steiermark erleben die KSG durchwegs negativ. Die KSG bietet - im Gegensatz zur offiziellen Behauptung - kein Service. Bei direkten Anfragen von Kulturschaffenden und/oder InteressentInnen werden diese ohne Antworten oder Hilfestellungen wieder weggeschickt, und Anfragen werden nicht beantwortet. Es scheint, dass die KSG über keine einschlägigen relevanten Informtionen verfügt und  sich keinen Zugang zu Wissen über das Kunst- und Kulturleben erarbeitet hat.

Die KSG arbeitet nicht im kulturellen Feld, sondern nur am Schreibtisch und verfügt deshalb über keine Anbindung an die ProtagonistInnen der Kultur. Folglich agiert sie top-down und entwirft Produkte, die niemand braucht (z.b. Kulturnavi und KünstlerInnenkategorien).

Die KSG denkt nicht für den Sektor Kultur, sonden nur an die Repräsentation der KSG als Selbsterhaltungsstrategie. Bei der Online-Präsentation steht folglich die KSG selbst im Mittelpunkt, nicht die KünstlerInnen und Kulturschaffenden.
Die Online-Features sind entbehrlich, weil sie nicht repräsentativ sind, sondern nur lückenhafte Befüllungen von Überschriften.

Die KSG erhebt keinen Bedarf des Sektors. Den Bedarf könnten die Kunst- und Kulturinitiativen selbst auch viel besser abdecken, wenn sie die Finanzen dafür hätten.

Die KSG hat ohne Zugang zu bestehenden Formaten das Rad neu erfunden, das mit viel geringeren Mitteln schon längst entwickelt war. Aber anstatt sich mit bestehenden Formaten im Sektor, die Services bieten, zu vernetzen und Synergien zu bilden, negierte die KSG Bestehendes und vermarktete sich selbst als eine Institution, die Inhalte und Themen erfunden hätte und beanspruchte die Themenführerschaft (z.B. Frauenplattform, Fortbildung, Rechtsberatung). Die KSG setzt sich auf Themen und Inhalte von Kulturschaffenden drauf und gibt sie als ihre eigenen aus. Damit tritt die KSG bzw. das Land Steiermark in eine absurde Konkurrenzsituation zu den KulturprotagonistInnen, obwohl das mit Sicherheit keine öffentliche Aufgabe darstellt.

Bei ihren eigenen Veranstaltungen behandelt die KSG die beteiligten KünstlerInnen und Kulturschaffenden von oben herab und chaotisch. Es gibt keine Informationen, keine Honorare, keine Wertschätzung und schlechte kurzfristige Terminisierungen. Das Chaos der Informationszurückhaltung und Kurzfristigkeit hat System. Die KSG arbeitet inhaltlich vage und schwammig, erwartet von den beteiligten  KünstlerInnen und Kulturschaffenden die Befüllung ihrer Vermarktungshüllen. Sie
sieht sich selbstgerecht als Ermöglicherin, ohne das etwas ermöglicht wird und macht bedenkliche Veranstaltungen, die keine gute Reputation bringen (siehe "kultura").

Da die KSG vornehmlich an der Repräsentation ihrer selbst arbeitet - was man allein schon an der Webpräsentation sieht - , fließt viel Geld in die Selbstdarstellung. Die Inhalte diverser Veranstaltungen sind der KSG nicht wichtig, auch die KünstlerInnen und Kulturschaffenden nicht.

Es bietet sich folgendes Gesamtbild:

Services, die die KSG bietet, sind nicht leistbar (z.B. verbilligte Ankünderflächen für Plakate. Das können sich fast ausschließlich nur die staatlichen Institutionen leisten).

Services, die die KSG bietet, werden anderswo schon besser abgedeckt, weil sie bedarfsorientiert, vernetzt und leistbar sind (z.B: Fortbildungsprogramme, Beratung, Rechtsberatung).

Veranstaltungen der KSG sind entbehrlich, weil sie inhaltlich bedenklich sind (z.B. kultura, Galerie Kontemporär), viel Geld für den Erhalt der Infrastruktur kosten und in erster Linie der Repräsentation der KSG selber und/oder des Kulturressorts des Landes dienen (z.B. Kultur macht Mensch).

Die Kunst- und Kulturschaffenden in der Steiermark finden es bedenklich, dass sich das Kulturressort letztlich eine 2 Mio. Euro teure Öffentlichkeitsarbeit für sich selber leistet, die aus dem Kulturbudget bezahlt wird.

Die Kunst- und Kulturschaffenden des Landes finden es ebenso bedenklich, dass Dritte unter dem Deckmantel des "Kulturservices" Gelder aus dem Kulturbudget  erhalten, die weder die Öffentlichkeit braucht noch den Kulturschaffenden dient (7 Tage der Kleinen Zeitung).

Fraglich ist auch, warum die Ateliers im Rondo, die früher von der Kulturabteilung verwaltet, nun an die KSG ausgelagert wurden. Offensichtlich sollten neue Betägigungsfelder gefunden werden, um die KSG als Institution künstlich zu legitimieren.

Nicht zuletzt sei angemerkt, dass auch der Landeskulturbeirat in einer Resolution die Abschaffung der KSG gefordert hat.

Durch die Abschaffung der KSG stehen dem Kulturressort jährlich 2 Mio. Euro mehr zur Verfügung. Diese Mittel sollen direkt in die Basis- und Projektfinanzierung für das unabhängige Kunst- und Kulturschaffen in der Steiermark zur Verfügung stehen. Das Land selbst kann durch die Auflösung der KSG Personal- und Infrastrukturkosten einsparen.


Bei der Abstimmung am 7. Dezember 2010 wurde der gegenständliche Antrag mehrheitlich abgelehnt.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Wissenschaft zum Antrag, Einl.Zahl 124/1, der Abgeordneten Ing.in Sabine Jungwirth, Ingrid Lechner-Sonnek und Lambert Schönleitner betreffend Abschaffung der KSG und Umwidmung der Mittel für das Kunst- und Kulturschaffen in der Steiermark wird zur Kenntnis genommen.