LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ 710/6

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Gemeinden

Betreff:
Erhalt der Römersiedlung Flavia Solva in der jetzigen Form


zu:


  • 710/1, Erhalt der Römersiedlung Flavia Solva in der jetzigen Form (Selbstständiger Antrag)


Der Ausschuss "Gemeinden" hat in seinen Sitzungen vom 20.09.2011 und 10.01.2012 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Gemeinden vom 20.09.2011 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 710/1, abzugeben.
 
Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:
 
In der Landtagsausschuss-Sitzung für Gemeinden am 20.9.2011 wurde der Beschluss gefasst, die Steiermärkische Landesregierung möge eine Stellungnahme zum Selbstständigen Antrag betreffend "Erhalt der Römersiedlung Flavia Solva in der jetzigen Form" vom 9.9.2011, Einl.Zahl 710/1 abgeben. Der Selbstständige Antrag lautet: "Die Steiermärkische Landesregierung wird aufgefordert, sich für den Erhalt des Römermuseums Flavia Solva in der jetzigen Form einzusetzen sowie die hierzu nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen."
 
In Folge wurde seitens der Abteilung 9 - Kultur - von der Landesamtsdirektion mit der federführenden Bearbeitung beauftragt - die Fachabteilung 7A Gemeinden und Wahlen um Stellungnahme ersucht. Die Abteilung 9 - Kultur hat aufgrund der fachlichen Zuständigkeit eine Stellungnahme der Universalmuseum Joanneum GmbH angefordert.

Folgende Stellungnahmen wurden abgegeben:

Fachabteilung 7A - Gemeinden und Wahlen
 
"Da der Geschäftsbereich der Fachabteilung 7A im Wesentlichen die Aufsicht sowie Aufsichtsmaßnahmen gegenüber Gemeinden und deren Organe umfasst und Äußerungen der ha. Fachabteilung zu kulturellen Themen bisher nicht erfolgt sind, wurde vor Erstattung dieser Stellungnahme mit der betroffenen Marktgemeinde Kontakt aufgenommen und ihre Sicht der Dinge angefragt. Daraufhin erhielt die Fachabteilung 7A eine vom Bürgermeister der Marktgemeinde Wagna gezeichnete Presseinformation vom 10.10.2011, die auszugsweise folgenden Inhalt hat:
 
"In einer von Kulturlandesrat Christian Buchmann initiierten Klausur mit Vertreterinnen und Vertretern der Marktgemeinde Wagna, des Bundesdenkmalamtes und des Universalmuseums Joanneum wurde heute eine Einigung hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise in Flavia Solva erzielt.
 
Für die künftige Gestaltung des Freibereiches wird bis zum Frühjahr 2012 ein Ideenwettbewerb durchgeführt sowie von archäologischer Seite geprüft, welche Teile der freiliegenden Ruinenlandschaft mit vertretbarem Aufwand langfristig saniert werden können. Der bestehende Museumspavillon wird ebenso bis zum Frühjahr 2012 zu einer umgehbaren Vitrine umgestaltet und danach vermehrt als bisher den Besucherinnen und Besuchern ganzjährig und ohne Eintrittsgebühren anhand von Objekten und medialen Installationen die historische Bedeutung von Flavia Solva vermitteln. Zusätzlich werden insbesondere für Schulen auch weiterhin vor Ort Führungen gegen Voranmeldungen angeboten."
Die Fachabteilung 7A steht einem Fortbestand des Römermuseums Flavia Solva in jeder Form positiv gegenüber und begrüßt daher die in der Presseinformation angekündigte Einigung zwischen dem Vertreter des Landes und der betroffenen Marktgemeinde unter Einbindung des Bundesdenkmalamtes und des Universalmuseums Joanneum. Dem von der betroffenen Marktgemeinde übermittelten Vorlageschreiben ist weiters zu entnehmen, dass sich die Marktgemeinde Wagna "sehr über das Ergebnis der Tagung freut", weshalb die FA7A - auch wenn im zitierten Schreiben davon keine Rede ist - von einer ausreichenden Zurverfügungstellung der dafür erforderlichen (Landes-)Mittel ausgeht. Der Erhalt des Römermuseums Flavia Solva mit der in der Presseinformation angekündigten Ausgestaltung wird daher von der FA7A ohne Einschränkung positiv beurteilt."

Universalmuseum Joanneum GmbH
 
"In der medialen Berichterstattung der letzten Wochen über die archäologische Stätte Flavia Solva überlagerten sich zwei Themenbereiche: die zukünftige Nutzung des Römermuseums und das Problemfeld der freigelegten römerzeitlichen Grundmauern.
Vom Universalmuseum Joanneum wurde gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt und Vertretern der Marktgemeinde Wagna folgender Maßnahmenkatalog zur zukünftigen Nutzung der archäologischen Stätte Flavia Solva mit dem Römermuseum und der Freilichtanlage ausgearbeitet.

Römermuseum
 
Das 2004 errichtete Römermuseum Flavia Solva wurde bislang von Mai bis Oktober (Mittwoch bis Sonntag) mit Personaleinsatz vor Ort geführt. Nach Beendigung der Saison wurden die Objekte ausgeräumt und wurde das Museum über den Winter geschlossen.
Aus budgetären Gründen ist es nicht mehr möglich, das Römermuseum in dieser Form weiterzuführen. Das Gebäude wird deshalb bis zur Saison 2012 zu einer von außen umgehbaren Vitrine umgebaut. In dieser großräumigen Schauvitrine werden den Besucherinnen und Besuchern in attraktiver Aufbereitung ganzjährig und bei freiem Eintritt die Kulturgeschichte und Archäologie Flavia Solvas gezeigt.
Im Zentrum der Ausstellung werden die wichtigsten Funde aus Flavia Solva stehen, die vom Universalmuseum Joanneum im Verlauf einer mehr als 100-jährigen Ausgrabungstätigkeit geborgen wurden. Bei der Präsentation werden neben klassischen Formen der Vermittlung auch neue Medien eingesetzt. Von der Abteilung Archäologie &\; Münzkabinett des Universalmuseums Joanneum wird zurzeit ein Ausstellungskonzept erarbeitet.

Die sichtbaren Mauerreste
 
Das freigelegte Ruinengelände von Flavia Solva umfasst eine Fläche von
ca. 1200 m². Dies ist nur ein Bruchteil der gesamten Stadtanlage, die ca. 40 ha einnimmt.
Der Erhaltungszustand der Mauerreste, die in den 1980er-Jahren freigelegt und konservatorisch behandelt wurden, ist sehr bedenklich. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um den fortschreitenden Verfall der Ruinen aufzuhalten.
Den Gesamtbestand des frei stehenden Mauerwerks zu sanieren, wäre kostenintensiv
(€ 400.000,00 bis € 600.000,00) und aufwendig, weil die Maßnahmen zusätzlich zur Sanierung der Mauerkronen und der Mauern von Grund auf unbedingt auch die Drainagierung des Geländes einschließlich der Errichtung von Versickerungsschächten und Entsorgungsleitungen sowie umfangreiche begleitende archäologische Untersuchungen umfassen müssen.
Die Kosten für das Verfüllen der antiken Mauerreste mit Erdreich belaufen sich im Gegensatz dazu auf einen Betrag von € 14.000,00. Der Vorteil der Verfüllung liegt in der Konservierung des Originalbestandes, die antiken Mauern sind aber nicht mehr sichtbar.
Weil frei stehende Mauern Authentizität vermitteln, soll ein Teil der Grundmauern saniert werden und sichtbar bleiben. Der andere Teil des bislang frei liegenden Mauerwerks wird verfüllt. Die Bereiche, die verfüllt werden, und die Abschnitte, die saniert werden und sichtbar bleiben,  werden vom Universalmuseum Joanneum festgelegt. Kriterien für die Festlegung der Bereiche sind der Erhaltungszustand der Mauern und ihre Attraktivität für die Vermittlung.
Die Konservierungs- und Sanierungsmaßnahmen werden schrittweise gesetzt. Im Frühjahr 2012 wird eine Proberestaurierung an einem Teilbereich durchgeführt, der frei sichtbar bleiben soll.

Archäologiepark Flavia Solva
 
Hinausgehend über diese Maßnahmen zur Neugestaltung des Römermuseums und zur Konservierung der derzeit sichtbaren Mauerreste wird das Konzept eines Archäologieparks Flavia Solva erarbeitet, der einen Eindruck von der Gesamtausdehnung der antiken Stadt vermitteln soll.
Dieser Archäologiepark soll sich nicht auf die bislang freistehenden Mauern der Insula XXII-Ost und das Museumsgebäude beschränken, sondern die gesamte Liegenschaft umfassen, die in den 1980er-Jahren vom Land Steiermark unter Mithilfe des Bundes angekauft wurde.
Um möglichst zahlreiche und interessante  Vorschläge zur Gestaltung des Archäologieparks Flavia Solva zu erhalten, wird bis zum Frühjahr 2012 ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben.

Kostenschätzung
 
Eine Grobkostenschätzung geht davon aus, dass in die Umgestaltung des Römermuseums Mittel in Höhe von € 80.000,00 investiert werden müssen.
Zu den konservatorisch-restauratorischen Maßnahmen an den Mauerresten wird derzeit ein Kostenplan erarbeitet."


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Gemeinden zum Antrag, Einl.Zahl 710/1, der Abgeordneten Amesbauer, Dipl.-Ing. Deutschmann, Dipl.-Ing. Hadwiger, Kogler, Mag. Dr. Mayer, MBL und Samt, betreffend  Erhalt der Römersiedlung Flavia Solva in der jetzigen Form, wird zur Kenntnis genommen.