LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ 1254/2

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Gesundheit

Betreff:
Gesundheitsförderungsstrategie Steiermark


zu:


  • 1254/1, Gesundheitsförderungsstrategie Steiermark (Regierungsvorlage)
Der Ausschuss "Gesundheit" hat in seiner Sitzung vom 12.06.2012 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Begründung:
Bezug nehmend auf den Regierungsbeschluss FA8A-18Ge2/2007-1 vom 9. Juli 2007 und den Landtagsbeschluss Nr. 754, aus der 25. Sitzung der XV. Gesetzgebungsperiode vom 18. September 2007, beide betreffend Gesundheitsziele Steiermark - und in Erwägung der nachstehenden Gründe

  • Appell der Ottawa Charta zur Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorga­nisation zur Neuorientierung der Gesundheitsdienste und zur Entwicklung in Richtung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik\;
  • Aufforderung der LandesgesundheitsreferentInnenkonferenz, Prävention und Ge­sundheitsförderung im Österreichischen Gesundheitssystem auszubauen und von einer reinen Reparaturmedizin Abstand zu nehmen ("Vorschläge zur Reform des österreichischen Gesundheitswesens")\;
  • Bedarf, Gesundheitsförderung auch als gesellschaftspolitisches Konzept nachhaltig strukturell zu verankern sowie die zugehörigen Interventionen sektorenübergreifend systematisch aufeinander abzustimmen und zu steuern, um Synergien zu nutzen und Doppelgleisigkeiten oder einander aufhebende Initiativen zu vermeiden\;
  • Notwendigkeit, die gezielte Zusammenarbeit aller Politik- und Gesellschaftsbereiche für die Gesundheit der Bevölkerung zu unterstützen und insbesondere auch hinsichtlich der Finanzierung von Maßnahmen zu koordinieren\;

hat das Gesundheitsressort die Fachabteilung 8B - Gesundheitswesen (Sanitätsdirektion) damit beauftragt, eine Gesundheitsförderungsstrategie für das Land Steiermark zu entwickeln.

Das hiermit vorgelegte Dokument beschreibt eine politische Strategie, welche von der Verantwortung der Politik für die Schaffung gesundheitsförderlicher Rahmenbe­dingungen in der Steiermark ausgeht und dementsprechend die Frage "Was erhält Menschen gesund?" - künftig in den Mittelpunkt gesamthafter Überlegungen zum Thema Gesundheit stellt. Im Sinne eines Masterplans legt die Gesundheitsförde­rungsstrategie Steiermark den grundlegenden Handlungsrahmen für die künftige sektorenübergreifende, systematische und koordinierte Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft der Steiermark dar, um Gesundheitsförderung in der Steiermark sowohl besser bekannt und verständlich zu machen als auch nachhaltig strukturell zu verankern und dadurch in der Folge die gesundheitliche Lebensqualität für alle BewohnerInnen der Steiermark zu steigern.

Da die Gesundheit der Bevölkerung - im Sinne des vollständigen körperlichen, geis­tigen und sozialen Wohlbefindens, welches über das Freisein von Krankheit hinaus­geht - von vielen Faktoren beeinflusst wird, die in den Zuständigkeitsbereich ver­schiedener politischer Ressorts fallen, gilt es dabei, Gesundheitsförderung nunmehr auch in der Steiermark im Sinne der Definition der Weltgesundheitsorganisation gemeinsam als einen Prozess zu gestalten, um allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen.

Die Inhalte der Gesundheitsförderungsstrategie Steiermark sind zwischen April 2011 und Ende März 2012 im Rahmen eines beteiligungsorientierten, moderierten Pro­zesses, welcher durch externe Moderatorinnen, die auch als Projektmangement­team fungiert haben, unterstützt worden ist, in Zusammenarbeit mit fachkundigen Vertre­terInnen aus den Bereichen Praxis, Wissenschaft und Verwaltung/Politik erarbeitet worden. Sie bauen auf den Gesundheitszielen Steiermark auf und nehmen Bezug auf einschlägige international anerkannte Grundsatzdokumente, den aktuellen Stand des Wissens sowie die bisherigen Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Verständnis von und dem Umgang mit Gesundheitsförderung in der Steiermark und Österreich.

Die Gesundheitsförderungsstrategie Steiermark setzt sich grundsätzlich aus folgen­den Bestandteilen zusammen, die im beiliegenden Dokument im Detail dargestellt sind:

4 Visionen:
  • Die steirische Landespolitik schafft zur nachhaltigen Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung in der Steiermark Rahmenbedingungen, die es allen Kindern, Frauen und Männern ermöglichen, gesundheitsförderlich zu leben.
  • Gesundheit als Querschnittsthema
  • Gesundheitsförderung als gesellschaftspolitischer Ansatz
  • Nachhaltige strukturelle Verankerung von Gesundheitsförderung

3 Wirkungsbereiche:
  • Politik- und Politikbereiche
  • Lebenswelten und Lebensphasen
  • Zivilgesellschaft

5 Handlungsfelder mit insgesamt 6 Zielen und 27 Maßnahmen:
  • Gesundheitsförderliche Gesamtpolitik
  • Gesundheitspolitische Konzepte
  • Forschung und Entwicklung
  • Angewandte Gesundheitsförderung
  • Gesundheitsförderliches Krankenversorgungssystem


13 Grundsätze:

a) 6 Werte:
  • Chancengleichheit
  • Design For All
  • Empowerment (Befähigung)
  • Ganzheitlichkeit
  • Nachhaltigkeit
  • Solidarität

b) 7 methodische Zugänge:
  • auf Erprobtem bzw. gesichertem Wissen aufbauen
  • auf Stärken aufbauen
  • Betroffene zu Beteiligten machen (Partizipation)
  • eine bevölkerungsbezogene Sichtweise anwenden
  • niederschwellige bzw. aufsuchende Zugänge anstreben
  • zielgruppenspezifisches Vorgehen

Die Gesundheitsförderungsstrategie Steiermark
  • setzt auf die Stärken der Menschen und die Grenzen überschreitende gemein­same Arbeit an der gesundheitsförderlichen Gestaltung des Zusammenlebens. Dabei gilt es insbesondere auf bereits bestehenden Erfahrungen, Erkenntnissen, Ergebnissen, Know-How, Ressourcen, Prozessen, Strukturen, Konzepten etc. in den Institutionen der Steiermark aufzubauen\;
  • nimmt auf verschiedene wichtige Grundsatzdokumente Bezug bzw. fühlt sich deren Inhalten verpflichtet. Dies sind insbesondere:
-        Ottawa Charta für Gesundheitsförderung (WHO 1986)
-        Health in all Policies (finnische EU-Präsidentschaft 2006)
-        Gesundheitsziele Steiermark (Steiermark 2007)
-        Charta des Zusammenlebens in Vielfalt (Steiermark 2011)\;
  • gibt einen Überblick darüber, welche Schwerpunkte das Land Steiermark bei der Gesundheitsförderung in den genannten drei Wirkungsbereichen in den nächsten 5 Jahren setzen wird:
-        Kapazitätsaus- und aufbau für Gesundheitsförderung (strategische Führung, strategische Partnerschaften, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung, Ressourcenbereitstellung) zur Stärkung der Umsetzungs-, Weitergabe- und Problemlösungsfähigkeit in den Institutionen der Steiermark
-        Rahmenbedingungen anpassen/schaffen
-        Koordination/Steuerung und Kooperation\;
  • richtet sich an die Politik und Verwaltung aller Ebenen (Land, Bezirk, Gemeinde) sowie die (Regel-)Institutionen der Steiermark\;
  • wird im Auftrag der Landesregierung/des Gesundheitsressorts umgesetzt. Die Vorbereitung bzw. Koordination der erforderlichen Schritte erfolgt durch eine sektorenübergreifend zusammengesetzte Organisationseinheit im Amt der Steiermärkischen Landesregierung, welche inhaltlich durch je eine Arbeitsgruppe zu den Lebenswelten "Betrieb", "Gemeinde" und "Schule (Bildungseinrichtung)" unterstützt wird\;
  • hat einen langfristigen, zyklischen Ablaufplan mit folgendem Muster:
-        1. Umsetzungsperiode 2012 - 2016
-        Evaluation
-        Anpassung der Strategie
-        nächste Umsetzungsperiode und so fort\;
  • erfordert von den Institutionen der Steiermark,
-        die Folgen des eigenen Planens und Handelns für die Gesundheit im Arbeitsalltag zu bedenken und eigene Strategien, Pläne, Programme, Maßnahmen gesundheits­förderlich zu gestalten,
-        eine strategiekonforme gesundheitsförderliche Arbeitsweise der Institution sicher­zustellen und
-        dafür zu sorgen, dass MitarbeiterInnen die dafür erforderlichen Kenntnisse haben (Vorkenntnisse bzw. Schulungen, Erfahrungsaustausch und institu­tionsinterner sowie sektorenübergreifender Diskurs)\;
  • beschäftigt sich nicht mit der strukturellen Reorganisation des Krankenversor­gungs­systems (Finanzierung, Standorte, Bettenanzahl, technische Ausstattung etc.) in der Steiermark oder in Österreich und hat nicht die Absicht, isolierte verhal­tensorientierte Projekte der Gesundheitsförderung und Prävention zu initiieren oder die steirische Bevölkerung einfach nur zur Änderung ihres gesundheitsbezo­genen Verhaltens aufzufordern.

Die ausführliche Version der Gesundheitsförderungsstrategie Steiermark wird im Internet als PDF unter folgenden Adressen zur Verfügung gestellt:
www.gesundheit.steiermark.at  und www.sanitaetsdirektion.steiermark.at



Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 10. Mai 2012.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Landtag Steiermark bekennt sich zur "Gesundheitsförderungsstrategie Steiermark" und wird in seinem Zuständigkeitsbereich an deren Umsetzung mitwirken.