LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2335/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 21.11.2013, 10:09:56


Landtagsabgeordnete(r): Werner Murgg (KPÖ), Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ)
Fraktion(en): KPÖ
Zuständiger Ausschuss: Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Siegfried Schrittwieser, Christopher Drexler (ÖVP)

Betreff:
Rehabilitationszentrum für Kinder in der Steiermark

Kinder brauchen nach Unfällen, aber auch nach schweren Operationen oder Erkrankungen wie etwa Krebs, eine spezielle Nachsorge. Oft bleiben Defizite, die mit Hilfe der entsprechenden Therapie behoben werden können. Die Familien müssen gestützt, die Kinder müssen professionell begleitet werden. Gerade auch nach einer Krebserkrankung haben die betroffenen Kinder ihre psychischen und physischen Reserven zum Großteil aufgebraucht und benötigen dringend Rehabilitation. Auch ist es nötig, für Kinder eine schulpädagogische Betreuung zu ermöglichen.
In ganz Österreich existiert aber kein einziges Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche! Seit Jahren fordern führende Kinderärzte erfolglos die Einrichtung eines Rehabilitationszentrums speziell für Kinder in der Steiermark, wie es sie in der Schweiz oder Deutschland längst gibt, in dem auch Angehörige mitbetreut werden. Stattdessen werden Kinder in Einrichtungen für ältere Menschen betreut, und selbst dort existieren österreichweit gerade 50 bis 70 Betten. Eine geordnete Rehabilitation für kardiologische, pulmologische, rheumatologische und stoffwechselbedingte Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen findet in Österreich nicht statt. Ebenso gibt es für die hämato-onkologische Rehabilitation keine pädiatrischen Rehabilitationsangebote. 
Daher müssen viele Betroffene ins benachbarte Deutschland fahren oder überhaupt auf die Reha verzichten. Laut Gesundheitsminister Stöger würden mindestens 343 Betten österreichweit in der Kinderrehabilitation benötigt, und zusätzlich noch mindestens 50 Angehörigenbetten.
Zudem gibt es immer wieder Probleme bei der Übernahme der Kosten. Wer und welche Körperschaft bzw. Versicherung die Kosten für die Rehabilitation eines kranken Kindes in Österreich übernimmt, ist oft unklar und für die Eltern mit einem bürokratischen Hürdenlauf verbunden. Die aufgeteilte Zuständigkeit führt dazu, dass Informationen über medizinische Maßnahmen, Akut- oder Langzeit-Rehabilitation meist nur in mühevoller, energieaufwändiger Kleinarbeit betroffener Eltern beschafft werden können. Für die erkrankten Kinder geht dabei wertvolle Zeit verloren.
Gemäß dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (§ 133 ASVG) haben Kinder nach Erkrankungen oder mit angeborenen Krankheiten keinen Rechtsanspruch auf Rehabilitation, da eine solche der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit dienen muss. Diese liegt bei Kindern nicht vor. Nach Unfällen, etwa bei Schülern und Lehrlingen, besteht jedoch gemäß § 189 ASVG (Unfallheilbehandlung) ein Anspruch auf Rehabilitation. Kompliziert wird es dadurch, dass aufgrund des fehlenden rechtlichen Anspruchs lediglich ein "Anspruch nach Ermessen" besteht. Die Situation könnte insofern verbessert werden, indem auch Kindern ein Rechtsanspruch auf Rehabilitation zugemessen würde.
Derzeit gibt es in der Steiermark im RZ Judendorf-Straßengel und in Bad Radkersburg Rehabilitationsstationen für Kinder und Jugendliche, allerdings nur für die Indikationsgruppen Neurologie und Orthopädie. Die Einrichtungen sind mit jeweils 25 Betten gegenwärtig mehr als ausgelastet. Eine wirklich umfassende rehabilitative Betreuung mit pädagogischer und psychologischer Begleitung gibt es österreichweit leider noch nicht.
Die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich grundlegend von der im Erwachsenenbereich. Neben der medizinischen Seite spielt auch die Entwicklung im Kontext von Familie und Umfeld eine wesentliche Rolle. Die betroffenen Kinder müssen sich auf die Bewältigung ihres Lebens einstellen und sich mit ihren Fähigkeiten ihrer gesundheitlichen Situation anpassen. Wir wünschen uns für die Kinder und Jugendlichen eine wirklich spezielle und umfassende Betreuung, wie dies in einzelnen Fachabteilungen und Einrichtungen, in denen man sich um sehr viel ältere Menschen mit gleichen Krankheitsbildern kümmert, nicht möglich ist. Dazu ist auf die besonderen Bedürfnisse und Besonderheiten der Zielgruppe einzugehen, wie etwa:
  • eine kinder- und jugendgerechte Rehabilitation und Nachbetreuung
  • besonders kinder- und jugendgerechte Bau- und Einrichtungsweise
  • professionelle und altersgerechte Kinderbetreuung durch entsprechend ausgebildete KindergartenpädagogInnen
  • alters- und schultypabhängig eine schulische Betreuung durch entsprechend ausgebildete Lehrkräfte
  • gesunde Ernährung unter Berücksichtigung der geschmacklichen Anforderungen von Kindern und Jugendlichen

Ein wichtiger Aspekt in der Nachsorge ist die altersgerechte Behandlung und Pflege unter Einbindung der Eltern. Während der mehrwöchigen Aufenthalte in einem Rehabilitationszentrum ist eine Begleitung der Kinder durch ihre Eltern oft notwendig, sinnvoll und erwünscht. Daher soll zusätzlich zur begleitenden Person im Zimmer des Patienten eine Beherbergungseinrichtung für die Angehörigen geboten werden um damit die Rahmenbedingungen für eine gemeinsame Rehabilitation zu optimieren. Ziel einer gemeinsamen Rehabilitation ist es, den Familienangehörigen die Möglichkeit zu geben, aus dem jeweiligen Krankheitsmuster, gemeinsam mit dem Betroffenen den Weg zur Genesung zu finden.

Da es solche bzw. eine solche Einrichtung aber in ganz Österreich nicht gibt, müssen viele Eltern nach Deutschland, z.B. nach Tannheim ausweichen. Deshalb nehmen nur 10 Prozent (!) der Kinder Rehabilitation in Anspruch. Der Großteil der Betroffenen bleibt aufgrund der Entfernung zu Hause - und zwar ohne kindergerechte Rehabilitation, für die es jedoch laut ExpertInnen der Kindermedizin genug Bedarf gäbe: Allein im nächsten Jahr brauchen demnach 1.100 Kinder eine fachgerechte Therapie nach einem Unfall oder einer schweren Krankheit.  
Minister Stöger hat erst kürzlich die Länder und Krankenkassen aufgefordert, endlich eine Lösung zu finden. Die LandesfinanzreferentInnen haben laut Medienberichten hingegen den Beschluss gefasst, für die Kinderrehabilitation finanziell nichts beitragen zu wollen, und damit den Status quo einzementiert.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,
  1. alle nötigen Maßnahmen zur Schaffung eines Rehabilitationszentrums für Kinder und Jugendliche in der Steiermark zu setzen und dem Landtag darüber Bericht zu erstatten, sowie
  2. sich beim Bund für eine eindeutige Regelung, Zuordnung und Durchsetzung des Rechtsanspruchs auf Rehabilitation für Kinder und Jugendliche einzusetzen.



Unterschrift(en):
Werner Murgg (KPÖ), Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ)