LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2283/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 25.10.2013, 08:54:50


Landtagsabgeordnete(r): Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Sabine Jungwirth (Grüne), Lambert Schönleitner (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Bildung
Regierungsmitglied(er): Michael Schickhofer

Betreff:
Kindergerechte Betreuung

Es kann nicht sein, dass durch Kontrollwahn und starre behördliche Vorgaben, die der Lebenswirklichkeit der Menschen nicht entsprechen, eine kindergerechte Betreuung gefährdet wird. Die Behörde sollte sich den Menschen anpassen, statt die Menschen den Bedürfnissen der Behörde.

In Kindergärten mit erweitertem Ganztagesbetrieb, die mit einem Gleitzeitmodell 10 bis 14 Stunden geöffnet sind, häufen sich die Kontrollen des Landes. So auch im Interkulturellen Kindergarten in Graz. Wie die Tageszeitung Der Standard berichtet, werden dem Kindergarten Mittel entzogen, wenn abends bei einer Kontrolle nicht alle angemeldeten Kinder zugegen sind. Es geht um rund 1500 Euro zusätzliche Förderung.
Ein weiteres Problem sei die Regelung, die Eltern während der Sommermonate aus der Sozialstaffelung (Förderung) des Landes fallen lässt, auch wenn ihnen diese zusteht, wenn sie nicht zu bestimmten Zeiten auf Urlaub fahren.

Wegen der starren Regelungen die "den Bedürfnissen von Kindern, Pädagogen und Eltern diametral entgegenstehen", wie Brigitte Oberzaucher aus dem Vorstand des Kindergartens erklärt, war man laut Der Standard auch schon im April dieses Jahres beim zuständigen Landesrat Schickhofer, der bisher nicht reagiert hat.

Auf Standard-Nachfrage im Büro Schickhofer wurde folgendes ausgeführt: "Das Kind muss in den Sommermonaten vier volle Betriebswochen, und zwar durchgehend, eingeschrieben sein, um die Förderung laut Sozialstaffel zu beziehen."
Und was die Kontrollen der Abholzeiten von Eltern mit flexiblen Arbeitszeiten angeht, sagte Schickhofers Sprecher: "Ein Kindergarten ist eine Bildungseinrichtung und da muss es auch Kontinuität geben. Außerdem sind manche Kinder frustriert, wenn andere früher geholt werden".
"Eine kindgerechte Betreuung, die Erfüllung des Anspruches, einen Kindergarten als frühkindliche Bildungseinrichtung zu verstehen", sei genau durch die Kontrollen und Einschnitte "nicht mehr gewährleistet", erklärt hingegen Oberzaucher.´Zudem gebe es ja viele Eltern mit verschiedenen Dienstzeiten. "Eine Kassiererin hat vielleicht einmal von sieben bis 15 Uhr Dienst, ein andermal beginnt sie später und muss bis abends arbeiten." Damit konfrontiert, erklärte Schickhofers Sprecher: "Aber es kann sein, dass ein Kindergarten Förderungen kassiert und die Kinder nicht mehr da sind, deswegen gibt es die Kontrollen. Das ist öffentliches Geld, das nicht missbräuchlich verwendet werden darf."

Deshalb habe der Kindergarten laut Der Standard dem Land alternative Modelle vorgeschlagen, "die Flexibilität zulassen und Missbrauch trotzdem ausschließen." Etwa, dass man ein Kind 50 Stunden im Monat anmeldet und diese Stunden nach Bedarf konsumiert. "Das haben wir Landesrat Schickhofer auch schriftlich vorgeschlagen, aber wir haben nie eine Antwort erhalten."

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, in Kindergärten mit erweitertem Ganztagesbetrieb in Hinkunft flexible Modelle (zB Stundenkontingente statt starre Besuchsregeln und flexiblere Anwesenheitszeiten im Sommer) zuzulassen, um den Bedürfnissen von Kindern und Eltern sowie pädagogischen Erfordernissen gerecht zu werden.


Unterschrift(en):
Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Sabine Jungwirth (Grüne), Lambert Schönleitner (Grüne)