LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ 1980/2

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Finanzen

Betreff:
Gesellschafterzuschuss an die Universalmuseum Joanneum GmbH im Gesamtbetrag von € 480.000,-- für den Ankauf von Werken der Medienkunst von Richard Kriesche in drei gleich hohen Teilbeträgen in den Jahren 2013 bis 2015


zu:


  • 1980/1,
    Gesellschafterzuschuss an die Universalmuseum Joanneum GmbH im Gesamtbetrag von € 480.000,-- für den Ankauf von Werken der Medienkunst von Richard Kriesche in drei gleich hohen Teilbeträgen in den Jahren 2013 bis 2015 (Regierungsvorlage)


Der Ausschuss "Finanzen" hat in

seiner Sitzung

vom
25.06.2013
über
den oben angeführten Gegenstand
die Beratungen durchgeführt.

Begründung:
Die Landesmuseum Joanneum GmbH wurde mit Generalversammlungsbeschluss vom 26. November 2002 gegründet. Mit Generalversammlungsbeschluss vom 2. Dezember 2003 hat sich die Stadt Graz mit 15 % beteiligt. Die Gesellschaft wurde mit Generalversammlungsbeschluss vom 10. Juli 2009 in Universalmuseum Joanneum GmbH umbenannt.

Das Universalmuseum Joanneum ist die wichtigste wissenschaftlich-kulturelle Institution in der Steiermark. Das Universalmuseum Joanneum führt seiner Bestimmung gemäß steirische landeskundliche Sammlungen von allgemein wissenschaftlichem Charakter oder kulturellem Wert und weist durch Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen auf die wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen hin. Ziel sämtlicher Tätigkeiten des Universalmuseums Joanneum ist die schöpferische Begegnung seiner Benützerinnen und Benützer mit seinen Beständen und Erkenntnissen. Diese Aufgabengebiete des Universalmuseums Joanneum werden von Sammlungen betreut. Der Sammlungsbestand der Neuen Galerie umfasst heute künstlerische Strömungen wie Biedermeier, Realismus, Jugendstil und (regionale) Formen der klassischen Moderne, Positionen österreichischer und internationaler Malerei nach 1945 (u. a. aus den sog. "Trigon"-Ländern), Wiener Aktionismus, Medien- und Konzeptkunst etc., welche in unterschiedlichen Medien wie Malerei, Graphik, Plakatkunst, Plastik, Fotografie und Video mit einen Gesamtumfang von etwas mehr als 60.000 Einzelstücken vertreten sind. Die Neue Galerie (Museumsabteilung Moderne und zeitgenössische Kunst) sieht es als ihren Generationsvertrag und Kulturauftrag an, das Publikum mittels Ausstellungen und Symposien über den Stand der gegenwärtigen Kunstproduktion auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene zu informieren.

Seit den 1970er Jahren beschäftigen sich Museen und andere Institutionen im Rahmen der bildenden Kunst mit Ausdrucksmitteln, die über herkömmliche Medien wie Malerei oder Bildhauerei hinausgehen. Heute wird diese Auseinandersetzung zu einem guten Teil dem Feld der Medienkunst zugeordnet. Die Medienkunst setzt sich mit dem intensiven Wandel durch diverse neue Medien, vor allem mit Video und später auch Netzkunst, also vornehmlich im elektronischen Bereich, auseinander. Seit einigen Jahren beginnen sich diese strengen Bezeichnungen wieder aufzulösen und die Medien gegenseitig wieder zu durchdringen. Ein kunsthistorischer Blick kann sich dementsprechend umso objektiver auf die Anfänge dieser Neuerung in der Kunst richten:
Mit der Ausstellung 'Trigon '73 - audiovisuelle Botschaften' wurde von der Neuen Galerie Graz diese Auseinandersetzung früh aufgenommen und auf einem internationalem Niveau entsprechend reflektiert. Der lokale Hintergrund dafür waren die Aktivitäten der Künstlergruppe 'Pool' um Richard Kriesche, Horst Gerhard Haberl und Karl Neubacher, die sich seit den späten 1960er Jahren mit den neuen Medien und ihren Begleitphänomenen beschäftigte. In diese Zeit einer geradezu generellen Medieneuphorie fallen z.B. auch die bahnbrechenden Werbungen der Grazer Schuhfirma Humanic, die ebenso Haberl, Neubacher und Kriesche zu verantworten hatten und damit epochale Impulse setzen konnten.

Im Zuge der Ausstellungsserie 'Medien-Kunst-Sammeln', die vom Universalmuseum Joanneum in den Jahren 2012 und 2013 durchgeführt wurde, gelangten Werke diverser Künstler und Künstlerinnen aus dem Bereich der Medienkunst der letzten Jahre und Jahrzehnte zu einer intensiveren Aufarbeitung. Neben Arbeiten von Hartmut Skerbisch und Günther Plottegg oder der Steirischen Videoiniative, war darunter auch die gesamte Rekonstruktion einer wegweisenden Einzelausstellung Richard Kriesches in der Neuen Galerie von 1973. Dass diesem steirischen Künstler ein ganz besonderer Platz in der Auseinandersetzung mit Medien gebührt, war durchaus bekannt, wurde aber durch die Anstrengungen des Joanneum, die im Kunsthaus Graz bereits in der Personale Richard Kriesches von 2008/2009 fundiert begannen, ganz besonders deutlich.

Der Umstand, dass sich noch eine umfassende Werkgruppe von den Anfängen Kriesches Schaffens bis heute im Besitz des Künstlers befindet, war für das Universalmuseum Joanneum ausschlaggebend, um mit dem Künstler Gespräche aufzunehmen und eine konzise Auswahl daraus für den Bestand der Sammlung der Neuen Galerie zu erwerben. In einem Dialog von einem gesamten Jahr wurde so mit Richard Kriesche eine strenge Auswahl von 61 Werken(-serien), die die bedeutendsten Aspekte seines Schaffens repräsentieren und mit Sicherheit seine Hauptwerke darstellen, getroffen. Hinsichtlich der Preisangemessenheit dieses Ankaufes in der Höhe von € 375.000,-- durch das Universalmuseum Joanneum wurde ein Gutachten eingeholt. Der Sachverständige erstattete in diesem, dass es sich beim Angebot des Künstlers um ein durchaus angemessenes, sogar großzügiges handelt. Die Geschäftsführung der Universalmuseum Joanneum GmbH stimmt mit dem Gutachten überein und schätzt den Wert und die Bedeutung dieser Werkgruppe, die für die Sammlungen der Neuen Galerie von größter Wichtigkeit sein werden, ganz ähnlich ein.

Mit dieser Auswahl von 61 Werken(-serien) - die vom Universalmuseum Joanneum getroffen worden ist - ist es möglich, sowohl Kriesches Werk, wie auch bedeutende Entwicklungen der Kunst seit den späten 1960er Jahren auf höchstem internationalen Niveau darzustellen. Dadurch wird auch ein höchst bedeutendes, heimisches Kulturgut gesichert und für die Nachwelt bewahrt.
Um den Ankauf von Werken der Medienkunst von Richard Kriesche sowie die notwendige Bearbeitung und Sicherung zu ermöglichen, soll der Universalmuseum Joanneum GmbH ein Gesellschafterzuschuss im Gesamtbetrag von € 480.000,-- in drei gleich hohen Teilbeträgen im Zeitraum 2013-2015 gewährt werden. Zusätzlich zum Ankaufsbetrag in der Höhe von € 375.000,-- soll die Universalmuseum Joanneum GmbH im Zeitraum 2013-2015 in Summe € 105.000,-- für die Bearbeitungen und konservatorische Sicherung dieser Werke erhalten, sodass sie für weitere Generationen im musealen Kontext erhalten bleiben. Es ist auch geplant, eine entsprechende Publikation zu erstellen. In den Haushaltsjahren 2013, 2014 und 2015 soll je ein Teilbetrag in der Höhe von € 160.000,-- zur Auszahlung gelangen.


Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 6. Juni 2013.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Gesellschafterzuschuss an die Universalmuseum Joanneum GmbH im Gesamtbetrag von € 480.000,-- für den Ankauf von Werken der Medienkunst von Richard Kriesche in drei gleich hohen Teilbeträgen in den Jahren 2013 bis 2015 wird genehmigt.