LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2470/1

Dringliche Anfrage (§ 68 GeoLT)

eingebracht am 14.01.2014, 12:24:14


Landtagsabgeordnete(r): Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Sabine Jungwirth (Grüne), Lambert Schönleitner (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Regierungsmitglied(er): Michael Schickhofer

Betreff:
Steirische Modellregion für eine Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen

Dass Österreich in Summe recht viel Geld für Bildung ausgibt, ist bekannt. Gleichzeitig zeigen alle Untersuchungen der letzten Jahre, dass sich die Probleme im Bildungsbereich hartnäckig halten: In Österreich wird in sehr hohem Ausmaß der Bildungsstand der Eltern vererbt, Kinder aus bildungsferneren Schichten haben offensichtlich deutlich weniger Chancen, unabhängig von Intelligenz und Ambition. Ein Fünftel der PflichtschulabgängerInnen kann nicht sinnerfassend lesen, was sowohl die Chancen auf Beschäftigung massiv beeinträchtigt, aber auch die Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe. Die Entscheidung über die Schullaufbahn des Kindes, die mit der Anmeldung in einer AHS oder einer NMS mit dem 9. Lebensjahr des Kindes durch die Eltern fällt, ist viel zu früh, um die Interessen und Fähigkeiten der Kinder wirklich einschätzen zu können.

Die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen bietet die Möglichkeit, zu frühe Entscheidungen zu vermeiden, und damit allen Kindern mehr Chancen, ihren Voraussetzungen und Interessen entsprechend den Bildungs- und damit Lebensweg zu entscheiden.

Viele internationale Beispiele zeigen die Vorteile dieser Schulform. Der Landtag Steiermark hat auf Impuls der Grünen Landtagsfraktion im letzten Jahr Kontakt zur Gesamtschule Göttingen aufgenommen und diese Schule im Herbst 2013 mit einer Delegation der BildungssprecherInnen und dem zuständigen Landesrat besucht.

Die Gesamtschule Göttingen wurde als die beste Schule Deutschlands ausgezeichnet. Ihre Arbeit wird wissenschaftlich begleitet, unter anderem von Prof. Dr. Gerald Hüther, dem bekannten Hirnforscher und Experten für Lernen. Die Schule nimmt Kinder entsprechend der Zusammensetzung der Bevölkerung auf, was die Anzahl der Mädchen und Buben, der Kinder aus bildungsfernen Schichten und Akademikerfamilien, Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder mit Behinderung usw. betrifft. Es wird also keine Gruppe ausgegrenzt, auch keine bevorzugt. Das Schulmodell baut darauf auf, die Kinder sehr in ihrer Selbständigkeit und Eigenverantwortung zu unterstützen. Bestechend ist besonders die Teamstruktur in den Schulklassen, die den schwächeren SchülerInnen Unterstützung bietet und die Stärkeren fordert. Im Gegensatz zur oft ausgesprochenen Befürchtung erlangen in Göttingen sowohl die Kinder mit Gymnasialreife, als auch beeindruckende 30 bis 50% der Kinder mit Hauptschulreife das Abitur.

Die gesamte Delegation konnte sich in zahlreichen Gesprächen und im Schulalltag vom Funktionieren des Konzeptes überzeugen und nur gute Eindrücke und Materialen mitnehmen. Die gemeinsame Bearbeitung der Eindrücke und der Schlüsse, die wir daraus ziehen wollen, wird eine gute Basis für die Weiterarbeit schaffen.

Wir verfügen damit über beste Voraussetzungen, in der Steiermark eine Modellregion für die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen zu errichten und zu untersuchen, wie diese Form die Kinder der Steiermark auf ihrem Bildungs- und Lebensweg erfolgreicher unterstützen kann.

In den letzten Wochen hat die steirische ÖVP sich öffentlich für eine Modellregion für die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen in der Steiermark ausgesprochen. Nachdem auch die SPÖ als Partei die Einführung dieser Schulform vertritt, ist im Landtag Steiermark eine große Mehrheit von BefürworterInnen zumindest einer Modellregion gegeben. Einer parteiübergreifenden Initiative für die Schulentwicklung steht daher nichts mehr im Wege.

Werden Sie an die Bundesregierung herantreten, um die Genehmigung für eine Modellregion für eine Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen zu erlangen?


Unterschrift(en):
Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Sabine Jungwirth (Grüne), Lambert Schönleitner (Grüne)