LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3205/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 19.12.2014, 11:28:51


Landtagsabgeordnete(r): Lambert Schönleitner (Grüne), Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Sabine Jungwirth (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Gerhard Kurzmann

Betreff:
Verkürzung der Dauer von Lebendtiertransporten

Der Transport von lebenden Tieren wird von Tierschutzorganisationen zu Recht regelmäßig lautstark kritisiert. In einem vom VCÖ gemeinsam mit dem WWF herausgegeben Factsheet wird erneut auf die problematischen Auswirkungen dieser Transportmethoden für Tiere und Umwelt hingewiesen.

In der EU werden jährlich mehr als 360 Millionen Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde lebend transportiert. Dazu kommen noch über eine Milliarde lebendes Geflügel. Die Umstände, unter denen es erlaubt ist, diese Tiere zu transportieren, sind qualvoll. Vor allem der Platzmangel und die lange Dauer der Transporte wiedersprechen jeglichen Tierschutzgedanken. Für Kälber bis zu 50 Kilogramm ist in den Transportern nur eine Mindestfläche von 0,4 Quadratmetern vorgeschrieben. Für eine ausgewachsene Kuh mit 550 bis 700 Kilogramm sind laut Gesetz lediglich 1,3 Quadratmeter beim Transport vorgesehen. Hinzu kommen der Lärm des Verkehrs, die schlechte Luft und mitunter die Hitze im Sommer. Während des Transports haben die Tiere kaum Zugang zu Wasser.

In der Europäischen Union sind internationale Lebendtiertransporte bei Rindern, Ziegen und Schafen mit einer maximalen Fahrtdauer von bis zu 30 Stunden generell erlaubt. Tiertransporte bis zu acht Stunden gelten als "Kurzstreckentransporte", für die keine Wasserversorgung vorgeschrieben ist. Tiere werden somit rechtlich mit Waren gleichgesetzt, die jedoch bei diesen langen Fahrten unter permanentem Stress stehen. Bremsmanöver können zudem zu Verletzungen führen.

Eine Reduzierung der Transportzeit zum Schlachthof auf maximal acht Stunden hätte große Wirkung und würde viel Tierleid verhindern. Außerdem brauchen die Tiere bei den Transporten mehr Platz und müssen mit ausreichend Wasser versorgt werden. Die Verpflichtung, den nächstgelegenen Schlachthof anzufahren, würde ebenfalls die regionale Wirtschaft stärken.

Europaweit sind es nur 13 große Schlachtbetriebe, die 38 Prozent der Schweine schlachten. Kleinere Schlachtbetriebe werden verdrängt, auch in Österreich. In Österreich gibt es rund 200 Schlachthöfe. Von den 14 Schlachthöfen mit sogenannter Marktrelevanz sind im Jahr 2013 fünf insolvent geworden.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, an die Bundesregierung heranzutreten, damit diese auf Bundesebene und europäischer Ebene folgende Maßnahmen in die Wege leitet:
1. die Maximaldauer von Lebendtiertransporten rechtlich auf acht Stunden  zu beschränken\;
2. die Bedingungen für die Tiere während der Transporte rechtlich zu verbessern (ausreichend Platz, ständige Versorgung mit Wasser, Belüftungsanlagen etc.)\;
3. zur Anfahrt des nächstgelegenen geeigneten Schlachthofs zu verpflichten\; und
4. die Rückverfolgbarkeit tierischer Produkte nicht nur bis zum Schalchthof sicherzustellen sondern bis zu ihrer Herkunft.


Unterschrift(en):
Lambert Schönleitner (Grüne), Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne), Sabine Jungwirth (Grüne)