LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2924/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 14.08.2014, 09:42:11


Landtagsabgeordnete(r): Hannes Amesbauer (FPÖ), Andrea Michaela Schartel (FPÖ), Peter Samt (FPÖ), Gunter Hadwiger (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung
Regierungsmitglied(er): Michael Schickhofer

Betreff:
JA zur frühestmöglichen Sprachförderung, NEIN zur Türkisch-Matura!

In Österreich sind gemäß dem Lehrplan der AHS-Oberstufe zwölf lebende Fremdsprachen im maturaführenden Sprachenkanon enthalten. Dabei handelt es sich um Weltsprachen (Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch), sogenannte "Nachbarsprachen" (Italienisch, Slowakisch, Tschechisch), verfassungsrechtlich geschützte Minderheitensprachen (Kroatisch, Slowenisch und Ungarisch) sowie Sprachen zu denen ein aus der Geschichte Österreichs historischer Konnex besteht (Polnisch und "Bosnisch-Kroatisch-Serbisch").

Im Sommer dieses Jahres ist vom Verein SOS-Mitmensch die Debatte über die Einführung eines Fremdsprachenmaturafaches Türkisch vom Zaun gebrochen worden. Grundlage hierfür bildete eine Umfrage unter 50 AHS-Schulleitern, der zufolge sich 36 für die Einführung von Türkisch als Maturafach aussprachen. Dass es sich bei dieser Befragung keineswegs um eine repräsentative Umfrage handelte, wird angesichts des Umstandes, dass es österreichweit 344 AHS-Standorte gibt mehr als deutlich. Darüber hinaus wurden über 530 maturaführende berufsbildende mittlere und höhere Schulen (HAK, HTL, HBLA, BAKIP etc.) in keiner Weise berücksichtigt, was die Intention der Umfragebetreiber in einem zweifelhaften Licht erstrahlen lässt.

Dass die Einführung von Türkisch als Maturafach tatsächlich positive Auswirkungen auf die Integration türkischstämmiger Schüler hätte, sehen Sprachexperten differenzierter als der Verein SOS-Mitmensch. Denn der Schlüssel zur erfolgreichen Integration liegt im Erlernen der deutschen Sprache. Für Kinder mit Migrationshintergrund ist die Sprache eine der größten Hürden in der Bildungskarriere. Unter Kindergartenkindern haben "nur" zehn Prozent der Kinder mit deutscher Muttersprache Förderbedarf, bei Kindern mit Migrationshintergrund sind es 59 Prozent. Gemäß Sprachwissenschaftern und Bildungsdidaktikern müssen die enormen Lernpotenziale im Kindergartenalter stärker ausgenützt werden, da laut wissenschaftlichen Untersuchungen die Lernfenster zum Erwerb der Sprache in diesem Alter am größten sind. Jedes Kind sollte bei Schuleintritt die Unterrichtssprache Deutsch so gut beherrschen, dass es dem Unterricht folgen kann und dadurch der erfolgreiche Wissenserwerb in allen anderen Fächern gewährleistet wird.

Laut einem Online-Bericht des ORF Vorarlberg bezweifelt auch der für Integration zuständige Bundesminister Sebastian Kurz, dass die Einführung von Türkisch als Maturafach in punkto Integration einen wirklichen Fortschritt bringen würde. Deutliche Ablehnung signalisierte auch die Vorarlberger Landesregierung:
"Wir haben hier eine klare Haltung, dass die Konzentration auf der Sprachförderung liegen muss. Und zwar, dass es uns in Hinkunft gelingen muss, dass die Kinder .... beim Schulstart so Deutsch können, dass sie dem Unterricht folgen können. Und deshalb ist es wichtig, dass wir hier einen Zahn zulegen", so Bildungslandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP). Auch der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner legte sich in dieser Frage klar fest: "Es gibt die volle Konzentration auf das Deutschlernen und die Förderung der Sprache. Dort liegt der eigentliche Schwerpunkt. Und ich habe auch nicht verschwiegen, dass ich das jetzt nicht für das richtige integrationspolitische Signal halte", so Wallner.

Als Hauptgrund für die Einführung einer Türkisch-Matura wird oftmals die wirtschaftliche Potenz der Türkei namhaft gemacht. Dieser Argumentationslinie folgend hätten schon längst Portugiesisch, Chinesisch, Japanisch, Hindi und Indonesisch als maturaführende Sprachen in den Fächerkanon aufgenommen werden müssen. Schließlich verfügen jene Länder, in denen diese Sprachen gesprochen werden, über ein weitaus höheres Bruttoinlandsprodukt (der Gradmesser für wirtschaftliche Entwicklung) als die Türkei. Türkisch ist weder eine Welt- noch europäische Kultursprache. Bereits jetzt beklagen Pädagogen, dass in den maturaführenden Haupt- und Pflichtgegenständen zu wenig Wochenstunden im Lehrplan vorgesehen sind. Deren Anzahl würde durch die Einführung von Türkisch als Fremdsprachenunterrichtsfach weiter sinken und dadurch einer Verwässerung bzw. Nivellierung der Matura Vorschub leisten.

Die Einführung von Türkisch als Maturafach ist historisch, wirtschaftlich sowie bildungs- und integrationspolitisch nicht zu rechtfertigen. Anstatt Türkisch als Maturafach einzuführen, sollte die Bundesregierung sämtliche Maßnahmen zum frühestmöglichen Erwerb der deutschen Sprache von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache setzen.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, sich bei der Bundesregierung dafür einzusetzen, dass,
1.) der frühestmögliche Erwerb der deutschen Sprache von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache forciert wird und
2.) Initiativen zur Aufnahme von Türkisch in den maturaführenden Fremdsprachenkanon abgelehnt werden.


Unterschrift(en):
Hannes Amesbauer (FPÖ), Andrea Michaela Schartel (FPÖ), Peter Samt (FPÖ), Gunter Hadwiger (FPÖ)