LANDTAG STEIERMARK
XVI. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ 3255/3

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Landwirtschaft

Betreff:
Der grüne Weg - 50%ige Fruchtfolge beim Maisanbau


zu:


  • 3255/1, Der grüne Weg - 50%ige Fruchtfolge beim Maisanbau (Selbstständiger Antrag)

Der Ausschuss "Landwirtschaft" hat in seinen Sitzungen vom 03.02.2015 und 05.05.2015 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Zum Antrag der Abgeordneten Lambert Schönleitner, Ing. Sabine Jungwirth und Ingrid Lechner-Sonnek liegt seitens der Steiermärkischen Landesregierung folgende Stellungnahme vor:

"Mit Beschluss des Ausschusses für Agrarpolitik (Land- und Forstwirtschaft) vom 03.02.2015 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 3255/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

In der Sitzung des Ausschusses für Agrarpolitik (Land- und Forstwirtschaft) am 03.02.2015 wurde der Beschluss gefasst, die Landesregierung um Stellungnahme gemäß § 30 Abs. 1 GeoLT zum Selbständigen Antrag (§ 21 GeoLT) der Grünen mit der Einl.Zahl 3255/1 betreffend  "Der grüne Weg - 50%ige Fruchtfolge beim Maisanbau" zu ersuchen.
Mit diesem Antrag soll die Landesregierung aufgefordert werden
1.    in der Verordnung zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers wie in anderen Staaten eine fünfzigprozentige Fruchtfolge vorzusehen,
2.    bei diesen Umstellungsmaßnahmen Bäuerinnen und Bauern finanziell und in der Beratung aktiv zu unterstützen, und
3.    die Forschung bezüglich Alternativkulturen zum Maisanbau und bei der Bekämpfung des Maiswurzelbohrers zu intensivieren.

Dazu wird wie folgt Stellung genommen:
Grundsätzliche Informationen:
Die Wirksamkeit der im Jahr 2012 eingeführten Fruchtfolgeregelung mit dreimal Mais in vier aufeinanderfolgenden Jahren zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers (MWB) kann erst in ihrem 4. Jahr, das ist das Jahr 2015 beurteilt und behördlich kontrolliert werden.
Die Maisanbaufläche war im Jahr 2014 um rund 10.000 ha geringer als in den Jahren davor. Hauptgrund dafür war die geltende Fruchtfolgeregelung. Die im Jahr 2014 frei werdenden Flächen wurden im Wesentlichen mit Getreide und Körnerhirse bestellt. Es ist zu erwarten, dass aufgrund des bisher relativ hohen Maisanteils in der Fruchtfolge  im Jahr 2015 eine weitere Reduktion der Maisfläche erfolgt und auf rund 1/3 der Maisanbauflächen des Jahres 2014  kein Mais angebaut wird.
Die starke Zunahme der MWB-Population sowie der teilweise massiven Schäden im steirischen Maisanbau im Jahr 2014 hängen insbesondere auch mit dem Wegfall wirksamer Bekämpfungsmöglichkeiten infolge des ab dem Anbau 2014 wirksamen Verbots neonicotinoider Wirkstoffe (Pflanzenschutzmittel: Poncho, Wirkstoff: Clothianidin) zusammen.

Die Eiablage des MWB erfolgt auch in Alternativkulturen wie Ölkürbis, Soja und Hirse, weil sich der MWB in diesen Kulturen von deren Pollen und frischem Grün ernährt. Wirtschaftliche Schäden in diesen Kulturen sind nicht bisher bekannt. Durch die Eiablage in diesen Kulturen ist bei Maisanbau im folgenden Jahr aber trotz Fruchtfolge ein - gegenüber Mais auf Mais allerdings deutlich verringerter -  Larvenschlupf möglich.
Schäden im Gemüsebau gibt es durch Blattfraß (wie z.B. bei Chinakohl, Salat)  bzw. bei der Vermarktung (Unverkäuflichkeit durch Käfer auf und im Salat). Im Grazer Feld beträgt der Maisanteil lediglich ca. 1/3 der Ackerfläche und trotzdem gibt es hier Schäden im Gemüse.
Fruchtfolge alleine reicht daher nicht aus, um die MWB-Population ausreichend einzudämmen. Eine Strategie muss auch wirksame Pflanzenschutzmittel und andere Methoden gegen Larven und Käfer (von biologischen bis chemischen Maßnahmen wie z.B. Nematoden, Granulate und Beizwirkstoffe gegen Larven bis zu Insektiziden, Pheromonen usw. gegen Käfer) umfassen. Unbestritten ist aber, dass sich ein geringerer Maisanteil in der Fruchtfolge positiv auf die Eindämmung der MWB-Population auswirkt.
Neben der positiven Wirkung einer Verringerung des Maisanteils zur MWB-Bekämpfung sind aber auch die wirtschaftlichen Auswirkungen eines geringeren Maisanbaus sowohl für den Einzelbetrieb, als auch für die Landwirtschaft  (Wirtschaft) insgesamt zu beachten:
Gerade für die große Zahl flächenschwacher landwirtschaftlicher Betriebe in der Steiermark, die meist in der Veredelung tätig sind, ist ein möglichst hoher Maisanteil wichtig, um weiterhin existieren zu können. Ein verringerter Maisanteil in der Fruchtfolge bedeutet für die Betriebe einen starken Wertschöpfungsverlust und verringert die Futterbasis für Veredelungsbetriebe, da Alternativkulturen vergleichsweise geringere Erträge bringen (Mais durchschnittlich 12 t/ha, Körnerhirse durchschnittlich 8 t/ha, Getreide durchschnittlich 7 t/ha).
Ein geringerer Maisanbau erfordert die Einführung  alternativer Kulturen mit Anpassungen in Anbau und Kulturführung, aber auch eine Umstellung der Veredelungsbetriebe auf einen reduzierten Maisanteil in der Fütterung. Weiters sind erhebliche Investitionen in die erforderlichen Adaptierungen in die Ernte-, Trocknungs-, Lagerungs- und Futtermischtechnik notwendig, die zusätzliche Kosten verursachen.

Zu den Beschlusspunkten des  Antrags:
Zu Punkt 1. Vorsehen einer fünfzigprozentigen Fruchtfolge:
Nach der am 13. März 2015 in Kraft getretenen Stmk. Maiswurzelbohrerverordnung 2015 gilt  bis einschließlich Anbau 2016 eine Fruchtfolgeregelung mit max. dreimal Mais in vier aufeinanderfolgenden Jahren und darf ab dem Jahr 2017 max. zweimal Mais in Folge angebaut werden. Für die Beurteilung dieser Fruchtfolge sind allerdings die in den Jahren 2015 und 2016 angebauten Kulturen zu berücksichtigen. D.h. wird auf einer Fläche in den Jahren 2015 und 2016 Mais angebaut, darf bereits im Jahr 2017 auf dieser Fläche kein Mais angebaut werden. Die Steiermark ist damit in Österreich das Bundesland mit der strengsten Regelung.
Die Reduzierung des Maisanteils in der Fruchtfolge ab 2016 von 75 auf 66 % wirkt sich positiv auf die Bekämpfung des  MWB aus, ermöglicht es aber den Landwirten, in den Jahren 2015 und 2016 die ackerbaulichen Anpassungen an die Alternativkulturen, die Futterumstellungen und die notwendigen betrieblichen Investitionen und Adaptierungen durchzuführen.
Zu Punkt 2. Umstellungsmaßnahmen finanziell und mit Beratung zu unterstützen:
Betriebliche Umstellungsmaßnahmen können im Rahmen der "Sonderrichtlinie des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) zur Umsetzung von Projektmaßnahmen im Rahmen des Österreichischen Programms für ländliche Entwicklung 2014 -20120" in der Maßnahme "4.1.1 - Investitionen in die landwirtschaftliche Erzeugung" unterstützt werden.
Die Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft Steiermark führt eine intensive Beratungstätigkeit durch. Die Abteilung Pflanzenbau hat zum Beispiel im Jahr 2014 mehr als 60 einschlägige Veranstaltungen über das LFI angeboten. Die Ackerbauberatungspakete umfassten und umfassen Flurbegehungen und Theorieeinheiten zur Kultivierung von Getreide und alternativen Kulturen. In der Beratung wurden im letzten Jahr und werden auch heuer zusätzliche Veranstaltungen zu Themen des Anbaus von Alternativkulturen aufgenommen.
Ebenso ist und wird die Fütterungsberatung  verstärkt auf die notwendige Umstellung der Futterrationen durch den teilweisen Ersatz von Mais durch Alternativkulturen (z.B. Körnerhirse) ausgerichtet.

Zu Punkt 3. Forschung zu Alternativkulturen und zur MWB-Bekämpfung:
1.    Das Versuchswesen der Landwirtschaftskammer Steiermark sowie das Versuchsreferat der steirischen Landwirtschaftsschulen befassen sich bereits seit Jahren mit Alternativkulturen zu Mais. Mit dem verstärkten Auftreten des Maiswurzelbohrers wurden diese Versuchsarbeiten nochmals intensiviert.
2.    Ebenso wurden und werden umfangreiche Versuche zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers mit Wirksamkeitsvergleichen von derzeit zur Verfügung stehenden sowie vor der Markteinführung stehenden chemischen und biologischen Präparaten, von unterschiedlichen Anbauterminen sowie von verschiedenen Sorten durchgeführt.
3.    Forschungsarbeiten wurden und werden u.a. im Rahmen der Bund-Bundesländer-Kooperation oder von EU-Projekten durchgeführt:

Beispiele:
·       BBK-Forschungsprojekt Nr. 100929 "Eindämmung und Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers", Laufzeit 2013-2014, Inhalte: Populationsdynamik, Wirtspflanzeneignung, Bekämpfungsschwellen, Bodenbearbeitung
·       EU-Projekt INBIOSOIL (2012-2015), Inhalt: Prüfung entomopathogener Pilze zur Larvenbekämpfung."

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Agrarpolitik zum Antrag, Einl.Zahl 3255/1, der Abgeordneten Lambert Schönleitner, Ing. Sabine Jungwirth und Ingrid Lechner-Sonnek betreffend Der grüne Weg - 50%ige Fruchtfolge beim Maisanbau wird zur Kenntnis genommen.