LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 8

EZ/OZ 3618/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Wirtschaft

Betreff:
Bekenntnis des Landtags zu zukünftigen Landesausstellungen

 

zu:
EZ 3618/1, Bekenntnis des Landtags zu zukünftigen Landesausstellungen (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Wirtschaft" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 12.11.2019 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

 

Mit Beschluss des Ausschusses für Wirtschaft vom 08.10.2019 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht, eine Stellungnahme zum Selbstständigen Antrag von Abgeordneten betreffend Bekenntnis des Landtages zu zukünftigen Landesausstellungen, Einl.Zahl 3618/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

Das Projekt STEIERMARK SCHAU war unter dem Arbeitstitel „Steiermark-Expo“ Teil des Regierungsprogramms, mit dessen Konzeption und Umsetzung die Universalmuseum Joanneum GmbH beauftragt wurde. Das von der Universalmuseum Joanneum GmbH entwickelte Konzept der STEIERMARK SCHAU sieht sich als zeitgemäße Weiterentwicklung der seinerzeitigen Landesausstellungen und nicht im Widerspruch dazu.

Die STEIERMARK SCHAU 2021 widmet sich in ihrer ersten Auflage dem Werden und Wandel der Steiermark, damit zentralen Fragen der Vergangenheit und Gegenwart des Landes und möglichen Visionen für die Zukunft. Dabei geht man grundsätzlich davon aus, dass sich Geschichte, Gegenwart und Zukunft nicht voneinander trennen lassen. Alles ist jetzt! Wie die Gegenwart von der Vergangenheit nicht zu lösen ist, prägen wir bereits heute das Morgen. Umgesetzt wird dieser Blick zurück, in das Land und in die Zukunft in vier Teilprojekten, die im Museum für Geschichte, einem nomadischen Ausstellungspavillon, in den neuen Schausammlungen des Volkskundemuseums sowie im Kunsthaus Graz aufbereitet werden. Im Gegensatz zu früheren Landesausstellungen, die meist nur einen Ausstellungsort im Fokus hatten, wird mit der STEIERMARK SCHAU 2021 die gesamte Steiermark bespielt.

Im Zentrum der STEIERMARK SCHAU steht ein Ausstellungspavillon, der über den Zeitraum von sechs Monaten in vier bis fünf steirischen Regionen Station machen wird. Es sollen dabei möglichst verschiedene Facetten der Landesgeschichte erzählt werden. Darüber hinaus ist der „Pavillon“ geeignet, auch ein „bilaterales“ Wander-Format zu begründen, das Kooperationen über nationale und internationale Grenzen hinweg möglich machen soll. Der Inhalt des Pavillons speist sich wesentlich aus filmischen bzw. filmisch aufbereiteten Materialien aus den Sammlungen des Joanneums. Darüber hinaus wird der Pavillon von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums für Geschichte begleitet, die gezielt die Kooperation mit der Kunst- und Kulturszene an den jeweiligen Aufenthaltsorten suchen. Während der gesamten Laufzeit kommen die Ergebnisse dieser Recherchen – Objekte, Tondokumente, filmische Interviews etc. – nach Graz zurück und gehen in die Sammlungen bzw. Programme des Museums für Geschichte sowie des Volkskundemuseums ein. Zeitgleich zeigt das Kunsthaus Graz eine Auswahl an Artefakten, die bereits in den Filmen auftauchen und sich mit utopischen Gesellschaftskonzepten befassen.

 

Der Pavillon

Grundlage des einfach auf- und abzubauenden Pavillons ist eine multimediale Szenografie, die einen immersiven Erfahrungsraum zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Steiermark in zukunftsweisender Technologie herstellt. Ergebnis soll eine Publikumsausstellung sein, die sich einer Vermittlungsmethodik bedient, welche komplexere Themenstränge in multimedialer Form verständlich, sinnlich, emotional und mit intellektuellem Anspruch zu einem Erlebnis macht.

 

Ein Blick ins Land

Begleitet wird der Pavillon von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Joanneums, die in zweifacher Weise aktiv werden: Erstens führen die Joanneums-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter Geschichtswanderungen und Exkursionen durch, die eine Vertiefung der Ausstellung im Museum für Geschichte („Ein Blick zurück“) darstellen und interessierte Laien, Schulgruppen, Einheimische wie Gäste von auswärts dort hinführen, wo sich Geschichte zugetragen hat. Zweitens werden im Rahmen von Workshops regionale Themen aufbereitet, Interviews geführt und Materialsammlungen angelegt, die (im Sinne des Gedächtnisses des Landes) für die Sammlungen des Joanneums gesichert und gegebenenfalls direkt in die zeitgleich in Graz laufenden Ausstellungen integriert werden können.

Ein Blick ins Land wird auch in Graz genommen. Wenn es um dessen Gegenwart geht, kommt dem Volkskundemuseum die zentrale Rolle zu, zu zeigen, was die Steiermark heute ausmacht. Die Ausstellung im Volkskundemuseum wird zeitgleich mit dem ersten Auftritt des Pavillons eröffnet und mit seiner Tour laufend um Geschichten, Objekte, Bilder, Zeuginnen-/Zeugenberichte etc. bereichert. Insgesamt wird die STEIERMARK SCHAU zum Instrument einer Neuprofilierung des Volkskundemuseums, dessen Heimatsaal auch barrierefrei erschlossen und zur Entwicklung eines Kulturzentrums in der Paulustorgasse beitragen wird.

 

Ein Blick zurück

Während der Ausstellungspavillon durch die Steiermark zieht, geht das Museum für Geschichte in der Sackstraße der Frage nach, woher wir kommen. Mit Blick auf ausgewählte Momente der Landesgeschichte, in Form möglichst prägnanter Zeitschnitte wird skizziert, wie sich die Steiermark seit den frühen Anfängen räumlich, sprachlich, sozial und politisch verändert hat. Basis der Erzählung sind neben den musealen Sammlungen des Landes historische Landesbeschreibungen und frühe Statistiken. Im Mittelpunkt der Erzählungen stehen die Menschen und die Frage, wie sie ihr Leben zu unterschiedlichen Zeiten gemeistert und gestaltet haben.

 

Kunsthaus Graz

Während der Pavillon in den Regionen auf die steirische Gegenwart trifft, wird im Joanneum bzw. in Graz der Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorne gerichtet: Das Kunsthaus Graz wagt einen utopischen Ausblick auf die Steiermark im Jahr 2050. Science-Fiction, utopische und fantastische Literatur und Bilder bilden das Rückgrat der transdisziplinären Ausstellung, die globale und lokale Trends verschränkt. Es geht um ein multiperspektivisches und assoziatives Erzählen vom und Spekulieren über das Leben in der Steiermark im Jahr 2050. Dabei wird auch ein Blick „zurück in die Zukunft“ geworfen, auf inzwischen historisch gewordene Zukunftsvorstellungen vergangener Jahrzehnte. Auf diese Weise verschränken sich – ganz dem Thema Zukunft gewidmet – historische und gegenwärtige Zukunftskonzeptionen.

Das im Selbstständigen Antrag genannte Budget von EUR 2.658.100,-- umfasst die Vorbereitungskosten der STEIERMARK SCHAU in den Jahren 2019 und 2020. Das Gesamtbudget der STEIERMARK SCHAU 2021 ist mit insgesamt EUR 8.960.200,-- veranschlagt. Dabei ist festzuhalten, dass dieses Budget auch die nachhaltige Sanierung und barrierefreie Erschließung des Heimatsaal-Traktes sowie eine neue Dauerausstellung im Volkskundemuseum beinhaltet. Ebenso werden nachhaltige Maßnahmen gesetzt, die darauf abzielen die Kulturschaffenden in der Steiermark zu unterstützen und sichtbar zu machen. Eine Finanzierung „auf Kosten der freien Szene“ ist nicht gegeben und wird auch ausdrücklich abgelehnt. Die Universalmuseum Joanneum GmbH hat vielmehr den Auftrag, die freie Szene bei der STEIERMARK SCHAU im Rahmen der Möglichkeiten einzubinden.

Abschließend wird nochmals festgehalten, dass das von der Universalmuseum Joanneum GmbH entwickelte Konzept der STEIERMARK SCHAU als zeitgemäße Weiterentwicklung der seinerzeitigen Landesausstellungen zu verstehen ist und keinesfalls im Widerspruch dazu steht.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Wirtschaft zum Antrag, EZ 3618/1, "Bekenntnis des Landtags zu zukünftigen Landesausstellungen", der Abgeordneten der FPÖ wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
Zweite Landtagspräsidentin Manuela Khom