LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1842/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 01.08.2017, 12:52:24


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Infrastruktur
Regierungsmitglied(er): Landesrat Anton Lang, Landeshauptmann-Stv. Mag. Michael Schickhofer

Betreff:
Sicherstellung ausreichender Flächen für die Fernwärmeversorgung in Graz

Im völkerrechtlich verbindlichen Weltklimaabkommen von Paris hat sich die Staatengemeinschaft zu einer Begrenzung der Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius und Anstrengungen, um eine Begrenzung auf 1,5 Grad zu erreichen, verpflichtet. Dafür sollen die globalen Treibhausgasemissionen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Netto-Null betragen. Für Industriestaaten bedeutet dies eine vollständige Dekarbonisierung aller Sektoren bis zum Jahr 2050. Je früher der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieressourcen eingeleitet wird, desto kosteneffizienter wird diese Umstellung vonstatten gehen und desto größer sind die wirtschaftlichen Vorteile.

Im Rahmen der Veranstaltung „Grazer Energiegespräche“ im Juni 2017 wurde die Vision einer flächendeckenden Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung für Graz präsentiert. Dabei wurde von den ExpertInnen betont, dass es keine Energiewende ohne eine Wärmewende geben kann und das Fernwämenetz dabei ein wichtiger Bestandteil ist. Die Fernwärme deckt in Graz 50% des Heizbedarfs ab. In Zukunft wird es nicht nur einen Lieferanten geben, sondern ca. 20 sogenannte Einspeiser in das Fernwärmenetz. Ziele sind dabei keine Verschlechterung der CO2-Bilanz, keine Verschlechterung bei den Emissionen, die Berücksichtigung der Immissionssituation im Grazer Stadtgebiet, keine Erhöhung der Kosten in Relation zu anderen Beheizungsformen sowie die Sicherstellung von Versorgungssicherheit und –qualität.

Bis 2050 soll die Wärmeversorgung mit 100% Erneuerbarer Wärme durchgeführt werden. Derzeit wird mit der Abwärmenutzung aus dem Papier- und Zellstoffwerk Sappi 25% der Fernwärme auf Basis Erneuerbarer Energie bereitgestellt. Sobald das Projekt Big Solar fertig gestellt ist und die Abwärme der Kläranlage Gössendorf genutzt werden kann, werden 50% der Fernwärme als Erneuerbare Energie zur Verfügung stehen. Es braucht aber weitere große Anstrengungen, um die 100% Erneuerbare Wärme zu erreichen. Diese reichen von Effizienzsteigerungen im derzeitigen System über die Nutzung von weiteren industriellen Abwärmequellen, Nutzung des regional verfügbaren Biomassepotenzials für Nachheizung und Spitzenlast, bis hin zu weiteren Solareinspeisungen. Die besonderen Herausforderungen sind dabei die Bedarfsspitze im Winter, die Volatilität vieler Erneuerbarer Energien, die Emissionssituation in Graz (Feinstaub, NOx) sowie die Flächenverfügbarkeit insbesondere auch betreffend die Speichermöglichkeiten.

Das Projekt „Big Solar“ etwa benötigt für die Solarflächen ca. 500.000 m2, der dazugehörige Erdspeicher 1.800.000 m3. Für 500.000 m2 ist eine Grundfläche von rund 70 bis 80 ha (rund 100 Fußballfelder) notwendig. Solch eine freie Fläche in einem dichten Siedlungsgebiet zu finden ist nicht möglich, aber es gibt derzeit noch gut geeignete Flächen im Umland der Stadt. Damit diese Ansätze und damit die Dekarbonisierung der Fernwärme realisierbar bleiben, ist es nötig, dass für den Großraum Graz mit raumplanerischen Maßnahmen Flächen gesichert werden.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. in Zusammenarbeit mit der Stadt Graz und den Umlandgemeinden ökonomisch und ökologisch geeignete Flächen für eine potentielle Wärmeerzeugung zu erheben,

2. über das vorhandene Potential dem Landtag zu berichten, und

3. eine Teiländerung der Verordnung über das regionale Entwicklungsprogramm für die Planungsregion Steirischer Zentralraum in die Wege zu leiten.


Unterschrift(en):
LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne)