LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2093/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 20.12.2017, 11:02:20


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Umwelt
Regierungsmitglied(er): Landesrat Anton Lang, Landesrat Johann Seitinger

Betreff:
Das große Insektensterben und seine Folgen

Das renommierte Wissenschaftsjournal PLOS ONE veröffentlichte im Oktober 2017 die Studie „More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas“, welche erstmals den Insektenschwund in Deutschland bestätigt: Leise und fast unbemerkt verschwinden immer mehr Fluginsekten aus unserer Welt. Sie sind aber für das Ökosystem überlebensnotwendig, als Blütenbestäuber, als Nährstofflieferant für Böden und als Nahrungsquelle für andere Tiere. Die Daten, die in den vergangenen 27 Jahren in verschiedenen Schutzgebieten in Deutschland gesammelt wurden, zeigen einen dramatischen Verlust von 77 Prozent der Fluginsekten in der Vegetationsperiode von April bis Oktober. Für die Sommerperiode wurde sogar ein Rückgang von 82 Prozent ermittelt. Die Ursachen sind bekannt: Pestizide, Dünger, Monokulturen, Flächenversiegelung, Lichtverschmutzung. Das Umweltbundesamt und andere ExpertInnen geht davon aus, dass diese Ergebnisse auch auf Österreich umlegbar sind.

Wir wissen noch zuwenig über das Insektensterben, aber genug, um sofort zu handeln. Es müssen rasch Maßnahmen ergriffen werden, um das Risiko einer weiteren Verschlechterung zu minimieren. Wir können nicht viele Jahre darauf warten, bis weitere wissenschaftliche Studien Detailergebnisse zeigen. Auch hier gilt das Vorsorgeprinzip, daher müssen die Pestizide in der Landwirtschaft drastisch reduziert und im privaten Gartenbau verboten werden. Auch eine Reduzierung des Düngermitteleinsatzes und das Problem der immer weiter zurückgehenden Lebensräume muss diskutiert werden.

In der Stellungnahme zum Grünen Antrag „Pestizide verringern – Bienen schützen“, Einl.Zahl 1639/1 äußert sich auch die Umweltabteilung des Landes Steiermark sehr kritisch:

„Wissenschaftlich als erwiesen gilt, dass das Anlegen landwirtschaftlicher Monokulturen sowie der Einsatz von Pestiziden einerseits das Verhalten der Wildbienen (Orientierungslosigkeit) und andererseits den Lebensraum dieser Arten verändern. Dies führt unweigerlich zum Rückgang der betroffenen Arten. Das ist unter anderem umso bedenklicher, als viele Pflanzenarten bei der Bestäubung auf Wildbienen angewiesen sind und dadurch auch auf die Biodiversität Einfluss nehmen. Der verhältnismäßig hohe Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft hat zur Folge, dass die Tiere insofern belastet sind, als die Nachkommenschaft zurückgeht und das Geschlechterverhältnis dieser Art verändert wird (es kommen überwiegend männliche Tiere nach).

Um den Rückgang der Wildbienen stoppen zu können, bedarf es daher aus naturschutzfachlicher Sicht eines Umdenkens bzw. einer Änderung in der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung durch Reduktion bzw. Verzicht der Pestizide. In der heute teilweise intensiv genutzten Kulturlandschaft sind blühende Wiesen, Gewässerstreifen und Wegränder als letzte Lebensräume für die Wildbienen von großer Bedeutung. Erfreulich in diesem Zusammenhang ist, dass insbesondere im Rahmen des Vertragsnaturschutzes ein allgemeiner Pestizidverzicht von Landwirten akzeptiert wird und in diesem Zusammenhang auch ein verstärktes Bewusstsein für eine biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung festzustellen ist.“


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierungwird aufgefordert,

1.  in Zusammenarbeit mit den anderen Bundesländern und dem Bund ein langfristig angelegtes Insektenmonitoring zu etablieren,

2. dafür Sorge zu tragen, dass sich der Pestizideintrag durch Maßnahmen wie eine verstärkte Förderung der ökologischen Landwirtschaft oder die Verbesserung durch eine unabhängige Beratung kontinuierlich reduziert,

3. den Abschlussbericht des Bund-Bundesländer-Kooperationsprojektes „Zukunft Biene“ dem Landtag nach seinem Erscheinen unverzüglich vorzulegen und darüber zu beraten, sowie

4. das von der Umweltabteilung des Landes Steiermark (Stellungnahme der Landesregierung, EinlZahl 1741/3 ) vorgeschlagene bewusstseinsbildende Projekt für KleingartennutzerInnen unverzüglich umzusetzen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne)