LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3351/1

Regierungsvorlage

eingebracht am 23.05.2019, 14:24:29


Geschäftszahl(en): ABT12-6822/2019-10
Zuständiger Ausschuss: Wirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrätin MMag. Barbara Eibinger-Miedl
Beilagen: Wirtschaftsbericht 2018

Betreff:
Wirtschaftsbericht 2018

Gesetzliche Grundlage

Gemäß § 9 Abs. 5 des Steiermärkischen Wirtschaftsförderungsgesetzes ist vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung jährlich der Steirische Wirtschaftsbericht zu erstellen. Dieser ist bis spätestens 30. April des jeweiligen Folgejahres dem Beirat zur Begutachtung vorzulegen. Nach Begutachtung durch den Beirat ist der Bericht vom zuständigen Mitglied der Landesregierung mit der Empfehlung des Beirates der Landesregierung vorzulegen und von dieser dem Landtag Steiermark zur Kenntnis zu bringen.

Der gegenständliche Wirtschaftsbericht 2018 wurde nach termingerechter Aussendung durch die Abteilung 12, Referat Wirtschaft und Innovation, als Geschäftsstelle des Wirtschaftsförderungsbeirates, von den Beiratsmitgliedern im Umlaufwege einstimmig positiv begutachtet.

Wirtschaftsbericht 2018 – Aufbau

Der Wirtschaftsbericht 2018 ermöglicht einen umfassenden Einblick in die Hauptbereiche „Wirtschaft und Beschäftigung“ sowie „Wirtschaftsförderung in der Steiermark“ und enthält wie in den Wirtschaftsberichten der letzten Jahre eine ausführliche Darstellung über die Beteiligungen der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. im Jahr 2018. Die Indikatoren des Wirtschaftsradars bieten einen mehrjährigen Überblick der wirtschafts-, struktur- und beschäftigungspolitischen Entwicklungen und sind nach den fünf Kernstrategien der „Wirtschaftsstrategie Steiermark 2025 – Wachstum durch Innovation“ aufgegliedert. Diverse Grafiken und ein ausführlicher Tabellenteil ergänzen die Ausführungen.

Das Kapitel „Wirtschaft und Beschäftigung“ berichtet über wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen auf internationaler und nationaler Ebene sowie die internationale konjunkturelle Entwicklung des Jahres 2018 und richtet den Fokus sodann auf Österreich und insbesondere die Steiermark. Zentrale Themenfelder bilden die demografische Entwicklung in der Steiermark, Wanderungsbewegungen, Migration, die Beschäftigungslage, Lehrlingsausbildung, Einkommenssituation am Arbeits- und Wohnort, Arbeitslosigkeit in der Steiermark, Unternehmensgründungen und die internationale Wirtschaftsverflechtung der Steiermark sowie der Bereich Technologie und Innovation. Dabei ist hervorzuheben, dass die Steiermark eine F&E-Quote von 5,12 % (verfügbare Datenbasis 2015) erreicht hat und damit den ersten Platz im Bundesländerranking einnimmt und damit auch in Europa im absoluten Spitzenfeld liegt.

Das Kapitel „Wirtschaftsförderung in der Steiermark“ informiert über die Förderungen für die steirischen Unternehmen sowohl von Seiten des Bundes (Austria Wirtschaftsservice GmbH und Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) als auch der Steirischen Wirtschafts­förderungsgesellschaft mbH. (SFG), wobei die Förderungsmaßnahmen der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft anhand der fünf Kernstrategien dargestellt werden. Dabei wird auch über den Breitbandausbau in der Steiermark und über das EU-Programm „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung Österreich 2014-2020“ informiert.

Das Wirtschaftsradar informiert über die kontinuierliche Entwicklung wesentlicher Wirtschaftsdaten (z. B. F&E-Ausgaben, Exportquote und Exportumsätze, Bruttoregionalprodukt, Bruttowertschöpfung etc.) und die Programmindikatoren des Jahres 2018 geben Einblick in Zielerreichungsgrößen innerhalb der einzelnen Kernstrategien.

Die Beteiligungen der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH. des Jahres 2018 sind in übersichtlicher Weise zusammenfassend dargestellt und bieten Informationen über die verschiedenen Tätigkeitsfelder.

Die wesentlichsten Kernaussagen für 2018

Internationale Konjunktur global und in Europa

Die Weltwirtschaft, die mit hohem Elan in das Jahr 2018 startete, verlor in der zweiten Jahreshälfte 2018 merklich an Schwung und auch der Start ins Jahr 2019 blieb vorerst ohne große Impulse. Während das Wirtschaftswachstum in den USA, angetrieben durch kräftige Fiskalimpulse, stark blieb, verlor die Konjunktur im Euroraum und in Japan an Fahrt. Auch die Schwellenländer verzeichneten geringere Dynamiken. Der Welthandel büßte über das Jahr bis zum Jahresende seinen Schwung ein. Die aktuellen Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom April 2019 im World Economic Outlook (WEO) für das reale Weltwirtschaftswachstum für das abgelaufene Jahr 2018 betragen +3,6 % nach +3,8 % für 2017. Der Zuwachs für 2018 in der EU-28 lag bei +2,1 % und im Euroraum bei +1,8 %. Alle Staaten der EU-28 konnten in den Jahren 2017 und 2018 Wachstumsgewinne verzeichnen. Irland führt mit einem Wachstum von +6,8 % im Jahr 2018 das Ranking der EU-28 an, gefolgt von Malta mit +6,2 %, Polen mit +5,1 % und Ungarn mit +4,8 % sowie einer Reihe von süd- und südosteuropäischen Staaten. Am anderen Ende des Rankings befinden sich Italien mit +1,0 %, das Vereinigte Königreich und Belgien mit je +1,4 % sowie Frankreich und Deutschland mit jeweils einem BIP-Wachstum von +1,5 %. Die Wachstumsaussichten für 2019 und 2020 werden zunehmend weniger dynamisch eingeschätzt. Die Unsicherheit im Zuge des Brexits belastet nicht nur Großbritanniens eigene Wirtschaft, sondern auch die der Handelspartner. Die USA, gestützt durch die gute Inlandsnachfrage und die expansive Wirtschaftspolitik, werden mit +2,9 % für 2018 ein deutlich gesteigertes Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorjahr (+2,2 %) ausweisen können. Im Jahr 2018 realisierten vor allem die Schwellenländer China (+6,6 %) und Indien (+7,1 %) hohe Zuwächse. Auch Russland (+2,3 %) und Brasilien (+1,1 %) konnten den eingeschlagenen Wachstumspfad beibehalten.

Konjunkturelle Entwicklung in Österreich

Trotz erster Zeichen eines Abschwungs Mitte des Jahres 2018 konnte Österreich im Jahr 2018 das höchste Wirtschaftswachstum (+2,7 %) seit vielen Jahren einfahren. Das Wachstum lag erneut über jenen der EU-19 (+1,8 %) und EU-28 (+1,9 %). Beinahe alle Wirtschaftsbereiche konnten teils hohe Zuwächse bezüglich der realen Bruttowertschöpfung lukrieren. Insbesondere die Energie- und Wasserversorgung (+7,8 %), das Verkehrswesen (+5,5 %) und das Aggregat Bergbau und Herstellung von Waren (+4,8 %) zeigten im abgelaufenen Jahr deutlich überdurchschnittliche Entwicklungen. Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsproduktes stand ein reales Wachstum der privaten Konsumausgaben von +1,2 %. Die Bruttoinvestitionen wurden um +3,0 % ausgeweitet. Die Exporte (+4,4 %) überstiegen die Importe (+2,8 %) – jeweils Waren- und Dienstleistungen –, sodass der Außenhandelssaldo abermals positiv zur Wirtschaftsentwicklung beitrug.

Die unselbstständige Aktivbeschäftigung konnte um weitere +2,5 % ausgedehnt werden, die Zahl der als arbeitslos vorgemerkten Personen sank um ‑8,2 % gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnungsmethode sank um ‑0,8 %-Punkte auf 7,7 %. Nach Eurostatdefinition ergab sich ein Rückgang von ‑0,6 %-Punkten auf 4,9 %.

Mit einem Gesamtwert der österreichischen Warenexporte im Jahr 2018 von € 150,0 Mrd. (+5,7 %) wurde laut vorläufigen Ergebnissen von STATISTIK AUSTRIA ein neuer Rekordwert erzielt. Die Warenimporte legten um +5,5 % auf € 155,7 Mrd. zu. Wie im Jahr davor trugen auch 2018 alle Regionen zum Warenexportwachstum bei.

Konjunkturelle Entwicklung in der Steiermark

  • Konjunktur

Auch 2018 konnten alle Bundesländer laut Konjunkturerhebung der STATISTIK AUSTRIA wieder Zuwächse beim Wert der abgesetzten Produktion erzielen. Die Steiermark konnte eine Erhöhung der abgesetzten Produktion von +10,8 % realisieren (2017: +7,5 %) und belegte damit den dritten Rang unter den Bundesländern und lag auch über dem Durchschnitt Österreichs von +8,5 %. Die gesamte steirische Entwicklung der Produktionstätigkeit (+10,8 %) wurde von einem Zuwachs des Bereiches Bergbau und Herstellung von Waren (B/C) von +11,1 % (höchster Zuwachs aller Bundesländer) auf € 32,7 Mrd., einem Zuwachs im Bereich der Energie- und Wasserversorgung (D/E) von +12,1 % auf € 3,1 Mrd. und einer Produktionsausweitung im Bereich Bauwesen (F) von +8,1 % auf € 5,2 Mrd. geprägt. Neben der Gesamtwahrnehmung einer dynamischen Produktionsentwicklung in der Steiermark zeigte die Branchenbetrachtung deutliche Wachstumsbereiche auf. Der Fahrzeugbau, getrieben von der Kapazitätsausweitung beim Automobilkonzern Magna am Standort Graz, konnte die abgesetzte Produktion um +40,7 % auf rund € 6,6 Mrd. ausweiten. Die Bereiche Metallerzeugung und -bearbeitung (+9,1 %), Herstellung von Metallerzeugnissen (+12,2 %), Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten (+11,6 %), Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (16,4 %) sowie Maschinenbau (+10,0 %) erreichten ebenfalls deutliche Produktionsausweitungen. Generell konnten beinahe alle Branchen Produktionssteigerungen vermelden.

  • Beschäftigung und Arbeitsmarkt

Die unselbstständige Aktivbeschäftigung stieg in der Steiermark im Jahresdurchschnitt 2018 um +3,2 % bzw. +15.676 gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2017 auf 512.395 Beschäftigungsverhältnisse (Österreich: +2,5 %). Dies war ein erneuter Höchststand an Beschäftigungsverhältnissen in der Steiermark. Die Steiermark realisierte damit die höchste Beschäftigungsdynamik aller Bundesländer, mit deutlichem Abstand vor Tirol mit +2,6 % sowie Oberösterreich und Vorarlberg, die beide eine Ausweitung von +2,5 % erreichen konnten. Geschlechterspezifisch betrachtet konnten in der Steiermark im Jahresdurchschnitt 2018 Männer (+3,5 %) mehr von der Beschäftigungsausweitung profitieren als Frauen (+2,7 %). Beide Entwicklungen lagen deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von +2,6 % bei den Männern und +2,3 % bei den Frauen. Der produzierende Bereich konnte seine Beschäftigung im Jahr 2018 um +5,2 % bzw. +7.532 Beschäftigungsverhältnisse ausbauen und entwickelte sich damit deutlich dynamischer als der Dienstleistungsbereich (+2,2 % bzw. +7.523). Die Land- und Forstwirtschaft (+13,2 % bzw. +621) verzeichnete einen hohen Beschäftigungsgewinn, durch den sie die Verluste aus dem Jahr 2016 vollständig kompensieren konnte.

In Österreich konnte, getragen von der stabilen Konjunktur, die Zahl der als arbeitslos vorgemerkten Personen im Jahresdurchschnitt 2018 um -8,2 % bzw. -27.868 reduziert werden. Erneut trugen alle Bundesländer zu dieser positiven Entwicklung für Österreich ihren Teil bei – allen voran die Bundesländer Tirol mit -13,9 % und die Steiermark, die einen Rückgang von -12,8 % bzw. -5.153 auf durchschnittlich 35.036 vorgemerkte Arbeitslose realisierte. Im Jahresdurchschnitt 2018 waren steiermarkweit 15.178 Frauen und 19.858 Männer als arbeitslos vorgemerkt. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies einen Rückgang um -11,9 % bzw. -2.052 bei den Frauen und -13,5 % bzw. -3.102 bei den Männern. In Österreich insgesamt (-4,7 %) und in der Steiermark (-1,8 %) kam es zu einer Verringerung der Zahl der Personen in Schulungsmaßnahmen des AMS. Die Arbeitslosenquote sank im Jahresdurchschnitt 2018 in der Steiermark am deutlichsten von allen Bundesländern um -1,1 %-Punkte auf 6,3 % und lag somit erneut unter der nationalen Arbeitslosenquote. In Österreich wurde ein Rückgang von -0,8 %-Punkten auf 7,7 % verzeichnet. In allen Bundesländern kam es zu einer deutlichen Reduktion der Arbeitslosenquote im Vergleich zu 2017.

  • Lehrlinge

Nachdem 2017 erstmals seit 2009 kein Rückgang bei der Zahl der Lehrlinge zu beobachten war, konnte zum 31.12.2018 ein Zuwachs von +1,8 % bzw. +274 Lehrlingen im Vorjahresvergleich in der Steiermark verbucht werden (Österreich +1,2 % bzw. +1.302). So standen Ende Dezember 2018 in der Steiermark 15.603 Lehrlinge aktiv in Ausbildung. Somit konnte der negative Trend in der Lehrlingsausbildung, der vor allem durch den demografischen Wandel und die damit einhergehende sinkende Zahl der jugendlichen Bevölkerung besteht, gestoppt werden. Die Zahl der Lehranfänger im 1. Lehrjahr stieg um +6,0 % bzw. +284 auf 4.980 Lehrlinge in betrieblicher wie auch überbetrieblicher Ausbildung. Bezogen auf die steirische 15-jährige Wohnbevölkerung im Jahresdurchschnitt 2018 wählten 43,8 % dieser Gruppe den Weg der dualen Ausbildung (2017: 41,8 %).

  • Gründungen

In der Steiermark sank die Zahl der registrierten Gründungen auf 5.947 (-4,7 % gegenüber dem Vorjahr). Die Gründungen ohne Personenbetreuer stiegen um +3,2 % bzw. +134 auf ein Allzeithoch von 4.274. Die Zahl der Gründungen bei den selbstständigen Personenbetreuern reduzierte sich um -20,3 % auf 1.673. Hier ist eindeutig ein Sättigungseffekt zu erkennen. Die steirische Gründungsdynamik wurde, wie auch in den vergangenen Jahren, von Einzelunternehmensgründungen dominiert. Mit 5.293 Neugründungen (-5,6 %) entfielen 89,0 % des steirischen Gründungsgeschehens auf diese Gruppe. Die spartenbezogene Analyse des steirischen Gründungsgeschehens 2018 zeigt deutlich, dass die Dynamik von den Sparten Handel (1.209 Gründungen; +7,7 % bzw. +86) sowie Information und Consulting (765 Gründungen; +3,5 % bzw. +36) getragen wurde. Die Sparten Gewerbe und Handwerk (-9,4 % bzw. -358), Tourismus und Freizeitwirtschaft (-5,4 % bzw. -33), Transport und Verkehr (-5,4 % bzw. -12) und Industrie (-9,4 % bzw. -1) verzeichneten hingegen Rückgänge. Der Frauenanteil am (vorläufigen) steirischen Gründungsgeschehen der Einzelunternehmen betrug im Jahr 2018 64,2 % (nach 63,9 % im Jahr 2017). In der Steiermark lag der Frauenanteil erneut deutlich über dem Österreichdurchschnitt von 58,3 %. In der Steiermark nahmen die Neugründungen der Frauen um -5,3 % auf 3.396 ab, während sich bei den Männern eine noch deutlichere negative Dynamik zeigte (-6,2 % auf 1.897 Neugründungen). Das durchschnittliche Gründungsalter in der Steiermark betrug 40,0 Jahre (Österreich: 39,7 Jahre).

  • Export

Für 2018 wird nach einer Schätzung der Abteilung 12 mit einem Warenexportvolumen für die Steiermark von € 25,4 Mrd. (+16,9 % gegenüber dem Vorjahr) gerechnet. Damit werden rund 45 % des gesamtösterreichischen Zuwachses durch die Steiermark realisiert werden. Die geschätzte Warenexportquote für das Jahr 2018 betrug 51 % und lag somit weiter deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 39 %. Genaue Zahlen der STATISTIK AUSTRIA liegen für 2017 vor und weisen für die Steiermark einen Zuwachs der Warenexporte von +12,5 % (Österreich: +8,2 %) auf. Der Anteil der Steiermark an den gesamtösterreichischen Warenexporten erreichte im Jahr 2017 mit 15,3 % nach Oberösterreich und Niederösterreich den dritten Rang im nationalen Vergleich. Insgesamt wies die Steiermark eine positive Warenhandelsbilanz aus. Im Jahr 2017 standen Warenexporte von € 21,7 Mrd. Importen von € 17,0 Mrd. gegenüber. Damit erreichte die Steiermark einen positiven Warenbilanzsaldo von rund € 4,7 Mrd. Zu den wichtigsten Exportgütern der Steiermark zählen Kfz und Kfz-Teile, Maschinen, elektronische und elektrotechnische Erzeugnisse, Waren aus Eisen, Stahl sowie Papier und Waren daraus.

  • Forschung, Entwicklung (F&E) und Innovation

Mit einer F&E-Quote von 5,12 % (auf verfügbarer Datenbasis 2015, Österreich 3,05 %) gemessen am Bruttoregionalprodukt nimmt die Steiermark im Bundesländerranking nach wie vor den ersten Platz ein und zählt damit auch weiterhin zu den europäischen Spitzenreitern. Als wichtige Innovationstreiber sind die Kompetenzzentren nach dem COMET-Programm des Bundes (Competence Centers for Excellent Technologies) einzustufen, deren Ziel in der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft liegt. Aktuell ist die Steiermark an 25 von österreichweit 42 Kompetenzzentren beteiligt. Damit dokumentiert die Steiermark erneut ihre Führungsposition innerhalb Österreichs.

Als aktuelles Beispiel von gelungener F&E-Kooperation kann der Silicon  Alps Cluster – ein Public-Private-Partnership österreichischer Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand – zur Entwicklung und Positionierung der Elektronik- und Mikroelektronikbranche an den Standorten Kärnten  und Steiermark genannt werden. Der Cluster versteht sich dabei als langfristige strategische Allianz und Instrument einer kooperativen, effizienten und unternehmerisch ausgerichteten Standortentwicklung. Übergeordnete Ziele sind die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsleistung der Kooperationspartner, Erhöhung der Wertschöpfung in Kärnten und der Steiermark, Erhöhung der internationalen Sichtbarkeit und Attraktivierung des Standortes für Gründungen und Ansiedelungen. Aktuell sind 117 Partnerunternehmen Mitglied im Silicon Alps Cluster. Für das Jahr 2019 wird ein weiterer Anstieg um +10 % bis +15 % erwartet.

Als weiteres Leit- und Impulsprojekt ist die Gründung einer neuen Forschungseinrichtung in Österreich auf dem Gebiet der Electronic Based Systems (EBS) mit dem Namen „Silicon Austria Labs GmbH (SAL GmbH)“ hervorzuheben. Mit der Gründung der Trägergesellschaft SAL GmbH im Dezember 2018 wurde der operative Betrieb aufgenommen. Silicon Austria ist ein industrie- und innovationspolitisches Investitionsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit), um Österreich zu einem führenden High-Tech Standort für Elektronisch Basierte Systeme (EBS) auszubauen. Dafür werden verschiedene Interventionsinstrumente in einem mehrjährigen Programm konzertiert zusammengebracht, um damit die Rahmenbedingungen für die Forschung, Entwicklung und die industrielle Produktion strategisch bedeutender Produkte, Prozesse und Systeme nachhaltig zu verbessern. In einem neuen Forschungszentrum sollen die Kapazitäten der Forschungsinstitute gebündelt und neue Kompetenzen aufgebaut werden.

Geforscht und entwickelt soll an drei Standorten werden:

  • Villach mit den Forschungsschwerpunkten Sensorik/Sensorsysteme und Leistungselektronik
  • Linz mit dem Forschungsschwerpunkt Hochfrequenz
  • Graz mit den Querschnittsagenden Interoperabilität, Modellierung und Sub-System-Integration

Das Forschungsheadquarter, die Geschäftsführung und die Gesamtkoordination des Silicon Austria Labs ist in Graz angesiedelt, wo durch das neue Zentrum 150 bis 200 hochqualifizierte Arbeitsplätze in der ersten Ausbaustufe entstehen werden.

Breitband in der Steiermark

Ende Mai 2018 wurden die Grundlagen für die Einrichtung der Steirischen Breitband- und Digitalinfrastrukturgesellschaft m.b.H. (SBIDI) in der Landesregierung beschlossen. Die zentralen Aufgaben der Gesellschaft sind vor allem die Errichtung und anschließende Verpachtung von passiver Breitbandinfrastruktur unter bestmöglicher Ausschöpfung aller Kooperationspotenziale mit bestehenden Stakeholdern und den zur Verfügung stehenden Förderungsgeldern aus der Breitbandmilliarde des Bundes (Breitband Austria 2020 – BBA 2020). Die Breitbandgesellschaft konzentriert sich auf Gebiete mit Marktversagen (sogenannte „weiße Flecken“). Die Gesellschaft ist insbesondere in der Detailberatung und Projektplanung tätig, wählt die umzusetzenden Projekte aus, beantragt und rechnet Fördermittel ab, unterstützt die Breitbandkoordination des Landes und ist für eine Vereinheitlichung regionaler Ansätze vor dem Hintergrund der Optimierung des Breitband-Ausbaus in der Steiermark verantwortlich. Die errichtete passive Breitbandinfrastruktur wird für alle potenziellen Anbieter zu gleichen Bedingungen offen sein.

Die finanzielle Ausstattung der Gesellschaft erfolgt durch das Land Steiermark als 100%iger Eigentümer. Zu diesem Zweck werden im Zeitraum 2018 bis 2023 finanzielle Mittel in der Höhe von rund € 40 Mio. (€ 20 Mio. Eigenanteil und € 20 Mio. Bedarfszuweisungsmittel) in die Gesellschaft eingebracht, die der Gesellschaft als Eigenkapital bzw. nicht rückzahlbare Eigentümerzuschüsse zur Verfügung stehen werden. Damit können Förderungsmittel von Bundesebene aus der Breitbandmilliarde in zumindest derselben Höhe gehebelt werden. Das beihilfenrechtliche Notifikationsverfahren für diese Kapitalausstattung wurde Anfang November 2018 abgeschlossen und die Genehmigung durch die Europäische Kommission erteilt.

Die Ausschreibung der Geschäftsführung wurde im Herbst 2018 gestartet, die offizielle Besetzung der Geschäftsführung und der operative Start der Gesellschaft erfolgte mit dem 1. März 2019.

Wirtschaftsförderung in der Steiermark

Die Wirtschaftsförderung in der Steiermark orientiert sich an der „Wirtschaftsstrategie Steiermark 2025 – Wachstum durch Innovation“, die 2016 durch den Landtag Steiermark beschlossen wurde. Sie verfolgt die drei zukunftsfähigen Leitthemen Mobility, Eco-Tech und Health-Tech, fokussiert die Förderungsinstrumente (unternehmensbezogene Förderungen und Finanzierungen) auf eine aktive Standortentwicklung und setzt sie im Rahmen von fünf Kernstrategien um. Die Kernstrategien sind Standortentwicklung und Standortmanagement, Innovations- und F&E-Förderungen, Unternehmertum und Wachstum junger Unternehmen, Qualifizierung und Humanpotenzial sowie Internationalisierung von Unternehmen und Standorten.

Von der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) wurden 2018 nach den fünf Kernstrategien der Wirtschaftsstrategie Steiermark 2.385 Förderungsfälle mit einem Förderungsvolumen von insgesamt rund € 59,1 Mio. abgewickelt. Die damit verbundenen Investitionen erreichten € 294,3 Mio. Durch die Abteilung 12 – Wirtschaft, Tourismus, Sport konnten 89 wirtschaftsbezogene Projekte mit rund € 1,7 Mio. Förderungsvolumen unterstützt werden.

Das Jahr 2018 zeigte erneut die zentrale Fokussierung der Förderungsmittel auf die Kernstrategie 1 (Standortentwicklung und Standortmanagement) mit € 27,3 Mio. bzw. beinahe einer Verdoppelung des Förderungsvolumens (+97,4 %), maßgeblich bedingt durch die Genehmigungen einer weiteren Förderperiode für sieben zwischenevaluierte K1-Zentren und fünf neuen Genehmigungen aus dem 7. COMET-Projekte-Call. Der Anteil am gesamten Förderungsvolumen der SFG betrug 46,2 %. Im Rahmen der Kernstrategie 2 (Innovations- und F&E-Förderung) wurden Förderungsbeschlüsse in Höhe von € 26,9 Mio. bzw. 45,6 % des SFG-Förderungsvolumens getätigt. Der Zuwachs betrug hier +24,2 %. Insgesamt umfasste das Förderungsvolumen dieser beiden Kernstrategien 91,8 % der gesamten steirischen Wirtschaftsförderung von € 59,1 Mio. Bezogen auf die Anzahl der Förderungsfälle hatte die Kernstrategie 3 mit 1.368 Förderungsfällen (2017: 1.259) den größten Zuspruch. Hier stellten die Förderungsaktionen „Lebens!Nah“ (1.273) und „Start!Klar“ (58) die meisten Fälle. An zweiter Stelle lag die Kernstrategie 4 mit 679 Fällen (2017: 731), wobei die Förderungsaktionen „Weiter!Bilden / Erfolgs!Kurs“ mit 344 Fällen und „Winterbau“ mit 329 Fällen am häufigsten vertreten waren.

Die Förderungsaktion Familien!Freundlich, welche Mitte 2018 startete (32 Fälle mit € 481.000 Förderungsvolumen), wird gut am Markt angenommen und hat die Erwartungen getroffen.

Die Steiermark war wie in den Vorjahren bei der Inanspruchnahme von Bundesförderungsmitteln – sowohl bei der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) als auch bei der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) – im Bundesländervergleich erfolgreich. Bei den Förderungsleistungen der AWS lag die Steiermark im Bundesländervergleich an vierter Stelle und im Bereich der Förderungen (Barwert) seitens der FFG nahm die Steiermark, den zweiten Platz im Bundesländerranking nach Oberösterreich und vor Wien ein.

Der Wirtschaftsbericht 2018 wurde von den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungsbeirates im Umlaufwege einstimmig positiv begutachtet.

 

Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 23. Mai 2019.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht der Steiermärkischen Landesregierung betreffend Wirtschaftsbericht 2018 wird zur Kenntnis genommen.