LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3618/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 16.09.2019, 09:21:21


Landtagsabgeordnete(r): Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Günter Wagner (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Wirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Christopher Drexler, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer

Betreff:
Bekenntnis des Landtags zu zukünftigen Landesausstellungen

Die Freiheitlichen fordern schon seit Jahren die Wiedereinführung von Landesausstellungen, die dem Kulturland Steiermark gerecht werden. Obwohl von ÖVP und SPÖ im Jahr 2015 im Regierungsprogramm die Abhaltung einer „Steiermark-Expo“ in der aktuellen Legislaturperiode angekündigt worden war und der zuständige ÖVP-Landesrat Christopher Drexler Ende 2017 im Landtag noch von überzeugenden Konzepten sprach, soll nun erst 2021 und damit nach den Wahlen ein entsprechendes Projekt durchgeführt werden.

Im Sommer 2018 präsentierte der Kulturlandesrat – nachdem die FPÖ die Abhaltung einer Landesausstellung noch in dieser Legislaturperiode gefordert hatte – sein Vorhaben und präsentierte das Konzept seiner „STEIERMARK SCHAU“, wobei man die Besucher „zum vielseitigen Schauen auffordern“ wolle. In erster Linie dürften hier die Bewohner der Landeshauptstadt – bereits beglückt mit dem „steirischen herbst“ – einmal mehr „schauen“ dürfen und müssen, liegt der Schwerpunkt des Konzepts ganz klar auf der Museumsinfrastruktur der steirischen Landeshauptstadt. So ist geplant, das Konzept über vier Teilprojekte zu verwirklichen, involviert sind dabei das Grazer Kunsthaus, das Grazer Volkskundemuseum und das Grazer Museum für Geschichte und ein „nomadischer Pavillon“, mit dem die Regionen der Steiermark offenbar abgespeist werden sollen. Das Vorhaben, die bereits jetzt mit chronisch unterdotierten Ausstellungsbudgets ausgestatteten Landesmuseen als Hauptträger der Veranstaltung zu beauftragen, muss jedenfalls äußerst kritisch betrachtet werden.

Die Stellungnahme (EZ/OZ: 2247/3) der Landesregierung weiß zum angekündigten Pavillon wie folgt zu berichten: „Ein zentrales Element der STEIERMARK SCHAU 2021 soll eine nomadische Architektur, ein Ausstellungspavillon mit einer Fläche von rund 1.000 m2 sein, der von März bis Oktober 2021 in vier steirischen Regionen, aber vielleicht auch jenseits der Landesgrenze Station machen soll. Der Pavillon soll als eine mobile Expositur des Universalmuseums Joanneum fungieren und erlebnishaft in großformatigen Film- und Soundinstallationen verständlich, sinnlich, emotional und intellektuell ansprechend möglichst verschiedene Facetten der Landesgeschichte sowie Perspektiven der Gegenwart und Zukunft erzählen.“

Die kulturelle Ausdünnung der ländlichen Regionen der Steiermark scheint dem ganzheitlichen schwarz-roten Konzept der generellen Ausdünnung des ländlichen Raumes zu folgen. Ob hier wirklich Inhalte vermittelt werden können, die unter dem Arbeitstitel „Steiermark 21 ff. History. Identity. Utopia“ das „Werden und den Wandel“ der Steiermark aufzeigen sollen, darf bezweifelt werden.

Mit Regierungsbeschluss vom 25. April 2019 wurden Gesellschafterzuschüsse für 2019 und 2020 an das Universalmuseum Joanneum in der Höhe von 612.600 und 2.045.500 Euro für die Umsetzung der „STEIERMARK SCHAU“ beschlossen. Betrachtet man die großen Landesausstellungen vergangener Jahre, so kommt man auf Gesamtkosten in der Höhe von rund 5,5 Millionen Euro. (Quelle: https://derstandard.at/2672575/Steirische-Landesausstellungen-in-neuer-Form)

Als Kulturland ist die Steiermark mittlerweile leider hinter andere Bundesländer zurückgefallen. In Niederösterreich rief die Schallaburg mit der großen Ausstellung „Byzanz und der Westen – tausend vergessene Jahre“ die Geschichte des Frühmittelalters in Erinnerung. Neben Beständen aus dem Land Niederösterreich wurden auch berühmte Sammlungen aus dem Louvre, aber auch Bestände aus der französischen Nationalbibliothek ausgestellt. Und auch heuer präsentierte man in Wiener Neustadt mit „Die Welt in Bewegung“ eine neuerlich profunde Ausstellung. In Oberösterreich lautete voriges Jahr der Titel der großen Landesausstellung „Die Rückkehr der Legion“ – Untertitel „Römisches Erbe in Oberösterreich“. Lauriacum, das alte Militärzentrum Enns, war jahrhundertelang für die römische Weltmacht ein wichtiger Handels- und Militärstützpunkt und stand im Mittelpunkt der Erinnerung. Die Legionäre wurden nicht nur als diszipliniert kämpfende Soldaten gezeigt, auch ihre Lebensumstände, ihr Wohnumfeld, ihre Spielgewohnheiten, aber auch ihre Bewaffnungen wurden dem Publikum sehr realitätsnah vorgestellt. Es ist bedauerlich, dass man die Grüne Mark verlassen muss, um solche Landesausstellungen zu sehen. Das Land Steiermark verzichtet so auch auf die touristische Möglichkeit, sich als kulturelles Zentrum nach Wien im Süden Österreichs zu positionieren.

Die FPÖ hat von Anfang an darauf hingewiesen, dass es eine ausreichende Finanzierung benötigt, um an die Projekte vergangener Tage anschließen zu können. Die bisher bekannten Eckpunkte lassen befürchten, dass dieses Projekt den großen Landesausstellungen der Steiermark nicht gerecht werden kann. Es braucht weder eine Schau noch eine Show, sondern nur genügend Mut, sich auf bewährte Konzepte und Namen zu besinnen.

Eine Neuauflage der überaus erfolgreichen Landesausstellungen wäre jedenfalls wünschenswert gewesen, stattdessen schickt man einen Pavillon auf Reisen. Mit dem Kulturförderungsbericht 2018 zeigte sich einmal mehr die falsche Prioritätensetzung im steirischen Kulturförderwesen. Die Abhaltung einer Landesausstellung könnte man bereits jetzt kostenneutral budgetieren, wenn man auf Kosten der freien Szene und anderer kultureller Experimente, die die Steirer weder brauchen noch wahrnehmen, eine Finanzierung sichert.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Landtag lehnt das Konzept einer „STEIERMARK SCHAU“ ab, bekennt sich zur Wiedereinführung einer alle zwei Jahre stattfindenden Landesausstellung und fordert die Landesregierung auf, die entsprechenden budgetären Mittel auf Kosten der freien Szene bereitzustellen.


Unterschrift(en):
Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Günter Wagner (FPÖ)