LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3288/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 25.04.2019, 15:39:49


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger

Betreff:
Vermeidung von Kälber-Langstrecken-Transporten

Tiertransporte mit Kälbern sind besonders problematisch. Die Kälber sind erst wenige Wochen alt, wenn sie auf Tiertransporter verladen werden. Sie vermissen die schützende Nähe ihrer Mutter, wissen nicht, was mit ihnen geschieht, sind schwer verängstigt und begreifen nicht, warum sie von ihrer Mutter getrennt und auf Tiertransporter verladen werden.

Ein Teil der in der Steiermark geborenen Kälber wird ins Ausland verkauft. Tierschutzorganisationen dokumentieren seit Jahren, dass diese Transporte für die in der Regel nur 15 Tage alten Tiere oft mit großen Strapazen bis hin zur Tierquälerei verbunden sind. Für viele Konsumentinnen und Konsumenten ist es in diesem Zusammenhang völlig unverständlich, dass Österreich gleichzeitig große Mengen Kalbfleisch importiert – häufig aus den Niederlanden. Die Ursache dafür ist vor allem, dass das Mästen der Kälber im Ausland billiger ist als in Österreich. Ein weiterer Grund ist die Inlands-Nachfrage nach „weißem“ Kalbfleisch. Da das Fleisch heimischer Kälber etwas dunkler ist und eher eine zartrosa Färbung aufweist, wird es vom Handel und den Konsumentinnen und Konsumenten in der Regel als minderwertiger eingestuft und dafür ein geringerer Preis bezahlt. Umgekehrt wird sehr helles Fleisch als höherwertiger eingestuft und dafür ein höherer Preis bezahlt. Dies ungeachtet der Faktenlage, wonach eigentlich das „weiße“ Kalbfleisch von den weniger gesunden Kälbern stammt, weist doch die Farbe auf den massiven Eisenmangel der Tiere hin. Die derzeitige Fleisch-Klassifizierung nach Fleischfarbe ist damit irreführend. Und sie schafft einen aus Tierschutzsicht falschen Anreiz für Landwirtinnen und Landwirte, Kälber nicht artgerecht zu füttern und dadurch Mangelerscheinungen wie Anämie (Blutarmut) durch Eisenmangel aufgrund Raufutterentzug zu provozieren.

Zahlreich dokumentierte Fälle weisen darauf hin, dass Tiertransporte selbst unter Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen mit Tierleid verbunden sind. Zudem zeigen aktuelle Fälle in Vorarlberg und Salzburg auf, dass als Kurzstreckentransporte deklarierte Kälberlieferungen in Wirklichkeit Langstreckentransporte ohne Einhaltung von ausreichenden Pausenzeiten waren, die Tierleid verursacht haben und nach EU-Recht illegal sind. Ein dichteres Kontrollnetz ist das Gebot der Stunde, langfristig kann jedoch nur das völlige Aus dieser Langstreckentransporte die Lösung sein. Dazu braucht es aber bessere Rahmenbedingungen für den Absatz und die Verwertung der Kälber im Inland.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird ersucht, zur Vermeidung von Kälber-Langstrecken-Transporten und Reduktion von Kalbfleisch-Importen

1. ein Maßnahmenprogramm für die Verwendung von Kalbfleisch aus heimischer Produktion im eigenen Wirkungsbereich des Landes zu erarbeiten (etwa in Küchen und Kantinen von Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen, etc.),

2. daran mitzuwirken, dass das Förderregime im Agrarsektor so umgestaltet wird, dass Kälbertransporte ins Ausland unnötig werden, und

3. verstärkt Aufklärungsarbeit zu leisten, um Kalbfleisch-Importe nach und nach zu reduzieren (z.B. durch Aufklärungsarbeit gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten hinsichtlich von einheimischem „rosa“ Kalbfleisch oder durch Einwirkung auf die AMA Marketing GmbH und die ÖFK-Österreichische Fleisch Kontrolle GmbH, die irreführende Einstufung der Klassifizierung nach Fleischfarbe anhand der Farbkarte der AMA Marketing GmbH zu unterlassen).


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne)