LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3293/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 28.04.2019, 14:05:10


Landtagsabgeordnete(r): Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Günter Wagner (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Wirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Landesrat Mag. Christopher Drexler

Betreff:
Unterstützung der Volkskultur Steiermark GmbH und Projekt „einfach lebendig“ vor endgültigem Aus bewahren!

Ende des Jahres 2018 brachten die Freiheitlichen einen Antrag (EZ/OZ: 2948/1) mit den Forderungen ein, den von der Landesregierung vor einigen Jahren eingestellten und seitdem nicht mehr aufgelegten steirischen Brauchtumskalender im Jahr 2019 neu herauszugeben und diesen Erzherzog Johann zu widmen beziehungsweise den Kalender fortan jährlich zu erstellen und den Versand an sämtliche steirische Schulen sicher- sowie die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Es ging nicht zuletzt auch darum, gleichzeitig das 160. Todesjahr des „steirischen Prinzen“ entsprechend zu würdigen.

Leider entschloss sich die Landesregierung unter Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer in ihrer Stellungnahme (EZ/OZ: 2948/3), dem freiheitlichen Ansinnen eine Abfuhr zu erteilen. Somit wird zukünftig weder der steirische Brauchtumskalender noch das Jahrbuch der Volkskultur neuerlich aufgelegt werden. Zwar wird der FPÖ Recht gegeben, dass die Aufbereitung und Vermittlung von regional geprägten, historisch gewachsenen und bis in die Gegenwart spür- und lebbaren Traditionen sehr wesentlich für ein Generationenverständnis ist, doch wolle man neue Wege der Vermittlung gehen, weshalb man seit Herbst 2018 an einem neuen Konzept zur „breitenwirksameren Vermittlung“ volkskultureller Inhalte arbeite. Das Projekt mit dem Arbeitstitel Volkskultur - Digital.2020‘: Fragestellung ‚Was ist Steirische Volkskultur?‘“ soll zukünftig Erläuterungen zu brauchtümlichen Handlungen und die Möglichkeit eines Gesamtüberblickes über sämtliche volkskulturelle Vereine und Verbände, deren Leuchtturmprojekte sowie Veranstaltungshinweise zum aktiven Mitgestalten und Miterleben in den einzelnen Regionen der Steiermark bieten, wobei dabei die digitale Aufbereitung entscheidend sei.

Neben diesem geplanten Projekt gibt es bereits ein für Kindergartenkinder und Schüler erdachtes, ähnliches Unterfangen. So verweist man in der Stellungnahme darauf, dass ein Versand eines Brauchtumskalenders nicht notwendig sei, da die Einbindung von Schülern ohnehin passiere: „Wie auch von den Antragstellern gefordert, Schüler stärker in regional geprägte kulturelle Geschehnisse und Entwicklungen einzubinden, wird bereits seit Jahren mit dem Schulprojekt ‚einfach lebendig‘, welches als langjähriges Projekt der Volkskultur Steiermark GmbH unmittelbar von Schülerinnen und Schülern in den Schulen aber auch von Kindergärten in der Steiermark genutzt werden kann, zur Vertiefung von volkskulturellen Inhalten gearbeitet. In Form von Modulen zu Brauchtum, Traditionen und Regionalem mit Interaktionsmöglichkeiten wie singen, tanzen, handwerken, erzählen, etc. aufbereitet, können Schulen und Kindergärten ausgebildete Referentinnen und Referenten für Unterrichtseinheiten in Anspruch nehmen.“

Leider ist zu befürchten, dass auch das neue „Volkskultur - Digital.2020“-Konzept letztlich jene stiefmütterliche Behandlung erfahren wird, wie es bereits dem soeben angeführten Schul- und Kindergartenprojekt „einfach lebendig“ zuteilwurde. Der Verweis auf dieses vom freiheitlichen Landeshauptmann-Stellvertreter a.D. Leopold Schöggl zusammen mit dem „Jahr der Volkskultur“ im Jahr 2005 ins Leben gerufene Projekt (Quelle: „Kleine Zeitung“, 25. September 2005, S. 19) erscheint in einem völlig neuen Licht, wenn man die Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der FPÖ durch Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer vom 3. April 2019 (EZ/OZ: 3077/2) zu ebenjenem Thema näher betrachtet.

Nahmen 2005 noch 32.000 Kindergartenkinder und Schüler daran teil, so pendelte sich diese Zahl in den Folgejahren auf rund 10.000 Teilnehmer ein. Mit dem Jahr 2016 war jedoch ein massiver Rückgang auf 6.500 Kinder zu verzeichnen, 5.500 waren es dann im Jahr 2017 und schließlich noch 3.560 im Folgejahr 2018. Auch bei den teilnehmenden Kindergartengruppen beziehungsweise Schulklassen ist ein ähnliches Bild wahrzunehmen, von rund 500 Gruppen ging die Zahl seit 2016 ständig zurück und lag 2018 bei nur mehr 187. Im gleichen Ausmaß sank auch die Anzahl der wahrgenommenen Module (Grundmodul „einfach lebendig“, „Erzherzog Johann und seine Zeit“ und „Peter Rosegger“).

Interessant sind die Antworten zu den Fragen nach einer Bewerbung des Projekts: „Die Wirkung der Bewerbung zeigt sich unmittelbar in den nachfolgenden Anmeldungen zu den Modulstunden, eine gesonderte Evaluierung erfolgt nicht. Nachdem sich das Schul- und Kindergartenprojekt ‚einfach lebendig‘ mit allen anderen Projekten im Unternehmen ressourcentechnisch gut eingliedern lässt bzw. der Kontakt mit den Schulen regelmäßig gegeben ist, wurde bislang keine Evaluierung zum Wirkungsgrad der Bewerbung vorgenommen. Aufgrund der rückläufigen Nachfrage seit dem Jahr 2016 werden in der Volkskultur Steiermark GmbH aktuell Überlegungen angestellt, worauf diese zurückzuführen ist. Das neue Modul ‚Klangbild:NATUR.KULTUR‘ soll diesen Trend ab dem WS 2019 umkehren.“

Während das zuständige Volkskulturreferat über die Gründe des Rückgangs noch rätselt, kann dieser teilweise sicherlich auf die massive Preiserhöhung für teilnehmende Gruppen zurückgeführt werden. Wurde bis 2009 pro Kind ein Kostenbeitrag von zwei Euro eingehoben, wird seit dem Schuljahr 2016/2017 ein Mindestbetrag von 170 Euro in Rechnung gestellt, was vor allem für kleinere Klassen oder Gruppen eine massive Preiserhöhung bedeutete. Daneben geht aus der Anfragebeantwortung hervor, dass keinerlei budgetäre Mittel für eine Bewerbung zur Verfügung stehen, sondern diese, wie gering sie auch immer sein mögen, im Gesamtbudget der Volkskultur Steiermark GmbH – im Jahr 2017 waren dies insgesamt 600.000 Euro – beinhaltet sind. Erwähnenswert dabei ist, dass derzeit eine Bewerbung lediglich über E-Mail, Post und über Empfehlungen der Bildungsdirektion erfolgt.

Es ist befremdlich, wenn man einerseits das Projekt als Argumentation für den Wegfall eines Brauchtumskalenders und anderer Bemühungen im volkskulturellen Bereich heranzieht, dieses auf der anderen Seite jedoch mit einer stiefmütterlichen Behandlung still und heimlich auslaufen lässt. Auch ein zusätzliches Modul wird hier nicht Abhilfe schaffen. Prinzipiell läge es am zuständigen Referenten für Volkskultur selbst, diesen identitätsstiftenden Bereich durch entsprechende Initiativen mit Leben zu erfüllen. Keinesfalls reicht es aus, alljährlich Förderansuchen durchzuwinken und Besucherrekorde beim – ebenfalls wichtigen – Aufsteirern zu vermelden. Die Steiermark braucht ein klares Bekenntnis zur Volkskultur – dieses darf sich jedoch nicht in Worthülsen erschöpfen, sondern muss auch mit finanziellen Mitteln und Ideen sowie zugkräftigen Projekten unterlegt sein.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. die Volkskultur Steiermark GmbH in einem ersten Schritt auf Kosten der Förderungen für die „freie Szene“ mit weiteren finanziellen Mitteln auszustatten, um das Schul- und Kindergartenprojekt „einfach lebendig“ vor dem Aus zu bewahren sowie

  2. in einem weiteren Schritt sämtliche Maßnahmen und Projekte der Volkskultur Steiermark GmbH einer umfassenden Evaluierung zu unterziehen und daraus folgend neue Schwerpunkte mit entsprechender Reichweite für den volkskulturellen Bereich zu setzen und die finanzielle Aushungerung dieses identitätsstiftenden Bereichs zu beenden.


Unterschrift(en):
Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Günter Wagner (FPÖ)