LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1223/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 09.03.2021, 14:48:02


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Frist: 10.05.2021

Betreff:
Behandlung von Corona-Patienten in steirischen Spitälern

Laut den von der Landesstatistik Steiermark auf deren Internetseite zur Verfügung gestellten Informationen waren per Stand 7. März 2021 (24 Uhr) 2.929 Personen in der Steiermark aktiv mit Corona infiziert, wobei es bis zu diesem Stichtag steiermarkweit insgesamt 58.032 Infizierte gegeben hat. 1.778 Personen sind in der Steiermark bis zu diesem Zeitpunkt mit bzw. an Covid-19 verstorben. (Quelle: https://www.landesentwicklung.steiermark.at/cms/beitrag/12774508/142970621/) Per 6. März mussten 34 Corona-Patienten auf Intensiv- und 180 auf Normalbetten stationär in den steirischen Spitälern versorgt werden (Quelle: Homepage der „Kleinen Zeitung“, abgerufen am 8. März 2021 um 10.45 Uhr).

Auch wenn eine Covid-19-Erkrankung oft recht harmlos, nicht selten sogar asymptomatisch verläuft, so kann es in manchen Fällen doch zu einem schweren Verlauf kommen. Der „ORF“ berichtete diesbezüglich am 3. März 2021 über eine US-Studie, wonach zwei Drittel jener Menschen, die wegen eines schweren Covid-19-Verlaufs ins Spital müssen, zumindest unter einer der folgenden Vorerkrankungen leiden: Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Herzschwäche. Offensichtlich deckt sich diese Erkenntnis mit österreichischen Erfahrungswerten, wie der „ORF“ unter Bezugnahme auf einen Intensivmediziner des AKH Wien ausführt. Warum Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Diabetes und Herzinsuffizienz einen schweren Verlauf begünstigen, sei noch unklar. Ebenso sei laut dem Bericht nicht geklärt, warum ca. ein Viertel bis ein Drittel ohne Vorerkrankungen – also völlig gesunde Menschen – wegen Covid-19 im Spital behandelt werden müssen. Unabhängig von den Vorerkrankungen bestimme laut dem zitierten Experten aber vor allem das Alter, wie schwer man an einer Infektion erkrankt und wie gut die Überlebenschancen sind.

In dem „ORF“-Bericht wird auch ausgeführt, dass noch keine österreichweite Datenbank vorhanden ist, die angibt, welche Patienten wie lange und womit auf den Intensivstationen behandelt werden. Gerade eine solche wäre laut dem am Tiroler Spital Zams tätigen Intensivmediziner Walter Hasibeder jedoch dringend notwendig. „‚Man darf eines nicht vergessen, die Intensivmedizin ist etwas Teures. Nachdem wir das alle selber zahlen, denke ich, kann man verlangen, dass solche Daten vorhanden sind, sodass man vielleicht Vergleiche anstellen kann und von Stationen, wo es sehr gut läuft, lernen kann.‘ Hasibeder zufolge gibt es für eine solche Intensivmedizindatenbank nun grünes Licht aus dem Gesundheitsministerium.“ (Quelle: https://science.orf.at/stories/3205081/)

Über einen weiteren interessanten Aspekt im Zusammenhang mit der stationären Aufnahme von Covid-19-Infizierten wusste das deutsche Nachrichtenportal „FOCUS online“ am 4. März dieses Jahres zu berichten. Demnach gibt es in Deutschland einen relativ hohen Anteil von Bürgern mit Migrationshintergrund auf Covid-19-Stationen. Aufgekommen war diese Feststellung, nachdem die „Bild“-Zeitung am 3. März 2021 über Details aus einer Telefon-Schaltkonferenz zwischen dem Chef des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler und mehreren Chefärzten vom 14. Februar 2021 berichtet hatte. In dem Gespräch sei es um die hohen Ansteckungszahlen unter Migranten in Deutschland gegangen. RKI-Chef Wieler habe demnach gewarnt, dass das „ein echtes Problem“ sei.

Laut „FOCUS online“ bestätigten bereits in den vergangenen Tagen mehrere Mediziner aus verschiedenen Bundesländern dem Magazin, dass der Migranten-Anteil unter den Corona-Patienten in ihren Kliniken auffällig hoch sei. Konkrete Zahlen konnten sie nicht nennen, da keine entsprechenden statistischen Daten erhoben werden. Allerdings sei die Lage auf ihren Covid-Stationen eindeutig, versicherten sie dem Nachrichtenmagazin.

In Österreich dürfte sich die Lage ähnlich wie in Deutschland darstellen, wie ein bereits am 28. November 2020 veröffentlichtes Interview der „Presse“ mit Intensivmediziner Burkhard Gustorff von der Klinik Ottakring vermuten ließ. Laut dem Mediziner habe man schon von Anfang an beobachtet, dass von jenen Personen, die aufgrund eines schweren Covid-19-Verlaufs stationär versorgt werden müssen, ein verhältnismäßig hoher Anteil einen Migrationshintergrund habe. Konkret betrage der Migrantenanteil laut Gustorff zum Zeitpunkt des Interviews rund 60 Prozent, wobei dieser zu Beginn der zweiten großen Infektionswelle noch höher lag und erst wieder langsam abgenommen habe. Die behandelten Patienten stammten hauptsächlich aus den Balkanstaaten, Südpolen und der Türkei.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie viele Personen sind bis zum Zeitpunkt der Beantwortung der gegenständlichen Anfrage in einer vom Land Steiermark mitorganisierten Teststation auf eine Covid-19-Infektion getestet worden (aufgegliedert nach Bezirken)?

  2. Wie viele dieser Tests waren negativ bzw. positiv?

  3. Wie viele der positiven Schnelltests wurden durch einen anschließenden PCR-Test als richtig positiv bestätigt?

  4. Falls dazu keine Daten vorliegen, warum ist dies nicht der Fall?

  5. Wie viele Personen mussten bis zum Zeitpunkt der Beantwortung der gegenständlichen Anfrage aufgrund einer Covid-19-Infektion in einem steirischen Krankenhaus stationär versorgt werden (aufgegliedert nach den Altersgruppen 0-18 Jahre, 19-29 Jahre, 30-39 Jahre, 40-49 Jahre, 50-59 Jahre, 60-69 Jahre, 70-79 Jahre, 80-89 Jahre, 90+ Jahre sowie nach Spitalsstandorten)?

  6. Wie viel Prozent der stationär versorgten Patienten hatten eine oder mehrere Vorerkrankung(en) wie insbesondere Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Herzschwäche?

  7. Wie viele der stationär versorgten Personen mussten bis zum Zeitpunkt der Beantwortung der gegenständlichen Anfrage (zwischenzeitlich) intensivmedizinisch versorgt werden (aufgegliedert nach den Altersgruppen 0-18 Jahre, 19-29 Jahre, 30-39 Jahre, 40-49 Jahre, 50-59 Jahre, 60-69 Jahre, 70-79 Jahre, 80-89 Jahre, 90+ Jahre und nach Spitalsstandorten)?

  8. Wie viel Prozent der intensivmedizinisch versorgten Patienten hatten eine oder mehrere Vorerkrankung(en) wie insbesondere Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Herzschwäche?

  9. Wie lange war der durchschnittliche stationäre Aufenthalt eines Corona-Patienten (aufgegliedert nach Normalbetten und Intensivbetten)?

  10. Wie viele Patienten sind bis zum Zeitpunkt der Beantwortung der gegenständlichen Anfrage in einem steirischen Krankenhaus mit bzw. an einer Covid-19-Infektion verstorben (aufgegliedert nach den Altersgruppen 0-18 Jahre, 19-29 Jahre, 30-39 Jahre, 40-49 Jahre, 50-59 Jahre, 60-69 Jahre, 70-79 Jahre, 80-89 Jahre, 90+ Jahre und nach Spitalsstandorten)?

  11. Wie viel Prozent der verstorbenen Patienten hatten eine oder mehrere Vorerkrankungen wie insbesondere Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Herzschwäche?

  12. Wie viele der bis zum Zeitpunkt der Beantwortung der gegenständlichen Anfrage aufgrund einer Covid-19-Infektion in einem steirischen Krankenhaus stationär versorgten Patienten hatten einen Migrationshintergrund (aufgegliedert nach den Altersgruppen 0-18 Jahre, 19-29 Jahre, 30-39 Jahre, 40-49 Jahre, 50-59 Jahre, 60-69 Jahre, 70-79 Jahre, 80-89 Jahre, 90+ Jahre und nach Spitalsstandorten)?

  13. Falls dazu keine (validen) Daten vorliegen, welche Erfahrungsberichte – etwa hinsichtlich Prozentsätzen – liegen Ihnen hinsichtlich der Beantwortung dieser Frage insbesondere von behandelnden Ärzten vor?

  14. Falls Ihnen auch keinerlei Erfahrungsberichte vorliegen, warum ist dies angesichts der offensichtlichen Feststellungen von Medizinern etwa in Deutschland oder auch in Wien der Fall?

  15. Wie viele der bis zum Zeitpunkt der Beantwortung der gegenständlichen Anfrage aufgrund einer Covid-19-Infektion in einem steirischen Krankenhaus stationär versorgten Patienten verfügten über keine österreichische Staatsbürgerschaft (aufgegliedert nach den Kategorien EU/EWR-Bürger, Drittstaatsangehörige und davon Asylberechtigte bzw. -werber sowie nach den Altersgruppen 0-18 Jahre, 19-29 Jahre, 30-39 Jahre, 40-49 Jahre, 50-59 Jahre, 60-69 Jahre, 70-79 Jahre, 80-89 Jahre, 90+ Jahre und nach Spitalsstandorten)?

  16. Falls dazu keine (validen) Daten vorliegen, welche Erfahrungsberichte – etwa hinsichtlich Prozentsätzen – liegen Ihnen hinsichtlich der Beantwortung dieser Frage insbesondere von behandelnden Ärzten vor?

  17. Falls Ihnen auch keinerlei Erfahrungsberichte vorliegen, warum ist dies angesichts der offensichtlichen Feststellungen von Medizinern etwa in Deutschland oder auch in Wien der Fall?

  18. Wurden zur Unterstützung von ausländischen Krankenanstalten auch gezielt an Covid-19-Erkrankte in steirischen Spitälern versorgt, beispielsweise aufgrund einer Überlastung der Kapazitäten in benachbarten Ländern?

  19. Falls ja, wie stellten sich diese gezielten Aktionen in der Praxis dar (bspw. aus welchen Gründen konnten diese Patienten nicht in ihren Heimatländern versorgt werden, aus welchen Ländern wurden die Patienten aufgenommen, wie wurden die Patienten transportiert, welche Kosten sind durch Transport und Behandlung angefallen, aufgrund welcher Vereinbarungen erfolgten die Behandlungen, wie viele Patienten waren betroffen, wie lange wurden diese versorgt, wie stellte sich der Rücktransport dar etc.)?

  20. Falls manche der Fragen 1 bis 19 aufgrund fehlender Datenlage nicht vollständig beantwortet werden können, werden Sie Erhebungen veranlassen, um diese Fragestellungen beantworten zu können?

  21. Falls ja, wie stellen sich Ihre diesbezüglichen Pläne dar?

  22. Falls nein, warum halten Sie dies angesichts der medizinischen Relevanz derartiger Daten für nicht notwendig?

  23. Welche Informationen liegen Ihnen hinsichtlich der von Primar Walter Hasibeder gegenüber dem „ORF“ erwähnten Intensivmedizindatenbank vor?

  24. Wie stellt sich die Beteiligung des Landes Steiermark an dieser Intensivmedizindatenbank bisher dar?

  25. Wann ist mit einer Umsetzung der Intensivmedizindatenbank Ihrem Kenntnisstand bzw. Ihrer fachlichen Einschätzung nach zu rechnen?

  26. Welche (zusätzlichen) Kosten sind den steirischen Spitälern aufgrund der zur Bewältigung der Corona-Pandemie gesetzten Maßnahmen im Jahr 2020 erwachsen?

  27. Wofür sind diese Kosten im Konkreten angefallen (etwa für die Wiedereröffnung bzw. den Betrieb von geschlossenen Spitalsstandorten wie des LKH Hörgas als Covid-19-Station, erhöhte Personalkosten, coronabedingte Krankenstände, für die Zuweisung von Stationsbetten, Wartebereiche im Freien vor Krankenhauszugängen etc.)?

  28. Welche (zusätzlichen) budgetären Mittel (etwa erhöhter Gesellschafterzuschuss an die KAGes) sind im Jahr 2020 von Seiten des Landes Steiermark zur Bewältigung der Corona-Pandemie an die steirischen Spitäler bzw. die Spitalsbetreibergesellschaften geflossen (Aufgliederung nach den jeweiligen Spitälern bzw. Spitalsbetreibergesellschaften)?

  29. Welche (zusätzlichen) Kosten sind den steirischen Spitälern im Jahr 2021 aufgrund der zur Bewältigung der Corona-Pandemie gesetzten Maßnahmen bis zum Zeitpunkt der Beantwortung der gegenständlichen Anfrage erwachsen?

  30. Wofür sind diese Kosten im Konkreten angefallen (etwa für die Wiedereröffnung bzw. den Betrieb von geschlossenen Spitalsstandorten wie des LKH Hörgas als Covid-19-Station, erhöhte Personalkosten, coronabedingte Krankenstände, für die Zuweisung von Stationsbetten, Wartebereiche im Freien vor Krankenhauszugängen etc.)?

  31. Welche (zusätzlichen) budgetären Mittel (etwa erhöhter Gesellschafterzuschuss an die KAGes) sind im Jahr 2021 bis zum Zeitpunkt der Beantwortung der gegenständlichen Anfrage von Seiten des Landes Steiermark zur Bewältigung der Corona-Pandemie an die steirischen Spitäler bzw. die Spitalsbetreibergesellschaften geflossen (Aufgliederung nach den jeweiligen Spitälern bzw. Spitalsbetreibergesellschaften)?

  32. Welche Kosten sind im Jahr 2021 für die seitens der steirischen Spitäler zur Bewältigung der Corona-Pandemie gesetzten Maßnahmen budgetiert?

  33. Wofür sind diese Kosten im Konkreten budgetiert (etwa für die Wiedereröffnung bzw. den Betrieb von geschlossenen Spitalsstandorten wie des LKH Hörgas als Covid-19-Station, erhöhte Personalkosten, coronabedingte Krankenstände, für die Zuweisung von Stationsbetten, Wartebereiche im Freien vor Krankenhauszugängen etc.)?

  34. Welche Kosten (etwa erhöhter Gesellschafterzuschuss an die KAGes) sind im Jahr 2021 seitens des Landes Steiermark zur Bewältigung der Corona-Pandemie in den steirischen Spitäler budgetiert?


Unterschrift(en):
LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ)