LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1224/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 10.03.2021, 10:07:09


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Frist: 10.05.2021

Betreff:
Aufregung um Volksschule Raaba

Wie unlängst medial bekannt wurde, haben fünf Lehrer, die an der Volksschule Raaba unterrichten, zuletzt um Versetzung angesucht. Eine Lehrkraft hat die Schule aufgrund der stetigen Verschlechterung des Arbeitsklimas bereits vergangenen Sommer verlassen. „Da die Arbeitssituation unerträglich geworden ist, haben wir schweren Herzens um Versetzung angesucht. Da uns die Gemeinde, die Kinder, die Schule und auch die Eltern in Raaba sehr am Herzen liegen, sind wir sehr traurig, dass es dazu kommen musste. Am liebsten würden wir an der VS Raaba und somit in der Gemeinde verbleiben, da wir uns dort, bis zum Beginn des aktuellen Schuljahres, so wohl gefühlt haben. Jedoch sehen wir uns gezwungen, diesen Schritt zu machen“, heißt es in einer Stellungnahme, die der „Woche“ vorliegt. (Quelle: „Woche Steiermark“ vom 3. März 2021, S. 8-9)

Auch Eltern sprechen von einem „katastrophalen Schulklima“ und fürchten um die Qualität des Unterrichts, wenn viele Lehrer die Schule wechseln. Ein Elternteil beschreibt die Situation an der Volksschule wie folgt: „Das Schulklima ist katastrophal. Die Lehrer fühlen sich von der Direktorin schikaniert. Es kommt vor, dass sie von ihr angebrüllt werden und sinnlose Aufträge bekommen“, wie die „Kleine Zeitung“ am 2. März 2021 berichtete. Manche Erziehungsberechtigte ziehen sogar einen Schulwechsel ihrer Kinder in Betracht, sollten sich die Umstände nicht bald verbessern. Zudem wird der Bildungsdirektion Untätigkeit vorgeworfen. Immerhin sei es nicht das erste Mal, dass die Direktorin in der Kritik steht. Es gab eine Reihe an Beschwerden, als sie von 2011 bis 2018 schon einmal die Leitung der Volksschule Raaba überhatte. Der Protest der Lehrer war groß, als die Pädagogin in diesem Schuljahr erneut zur Direktorin bestellt wurde, die Enttäuschung der Eltern ebenfalls. (Quelle: „Kleine Zeitung“ vom 2. März 2021, S. 21).

Der Obmann des Elternvereins, Sebastian Berka, wurde nun mit einem Schreiben an die Bildungsdirektion aktiv, wie die „Woche“ in Erfahrung bringen konnte: „‚Wir sehen uns nicht als Arbeitnehmervertretung des pädagogischen Personals, allerdings hat diese Situation mittlerweile unmittelbare Auswirkungen auf unsere Kinder und die Qualität des Unterrichts. Wir fordern die Bildungsdirektion Steiermark daher aufs Schärfste auf, endlich Maßnahmen zu setzen, die die Situation rasch und nachhaltig verbessern‘, heißt es darin.“ Viele Eltern hätten das Vertrauen in die Bildungsdirektion, die Situation nachhaltig zu lösen oder zu verbessern, komplett verloren. Es sei viel versprochen worden, aber wenig passiert, so die Kritik besorgter Eltern.

Die Bildungsdirektion Steiermark teilte auf Anfrage der „Woche“ mit, dass sie „in engem Kontakt und gutem Austausch mit der Gemeinde, dem Elternverein, mit Lehrpersonen und der Schulleiterin“ stehe. Es werde versucht, „in gemeinsamer Arbeit die bestmögliche Schul- und Unterrichtssituation in Raaba herzustellen“. Bernhard Just, Präsidialleiter in der Bildungsdirektion, erklärte gegenüber der „Kleinen Zeitung“: „Es wurde eine Mediation gestartet, Beschwerden wurden untersucht und auch der zuständige Schulqualitätsmanager steht im dauerhaften Austausch mit der Schule. […] Es sind erst fünf Monate vergangen – in einer kompletten Ausnahmesituation. Man muss der Direktorin auch eine Chance geben.“

Die Anzahl der Versetzungsansuchen ist jedenfalls erschreckend, wenn man bedenkt, dass die Volksschule Raaba über lediglich acht Klassen verfügt. Wie sich die Situation an der Bildungseinrichtung derzeit konkret darstellt und wie es um die Unterrichtsqualität bestellt ist, soll unter anderem im Rahmen der gegenständlichen Anfrage in Erfahrung gebracht werden.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Seit wann sind Ihnen die in der Begründung dargestellten Unstimmigkeiten an der Volksschule Raaba bekannt?

  2. Haben Sie als für Pflichtschulen zuständiges Regierungsmitglied Kontakt mit der Bildungsdirektion aufgenommen, um die bestehenden Probleme an der Volksschule Raaba zu klären bzw. eine Besserung der Arbeitssituation für die Lehrkräfte herbeizuführen?

  3. Wurden an Sie Bedenken bzw. Beschwerden seitens besorgter Eltern von Schülern der Volksschule Raaba im Hinblick auf das vermeintlich katastrophale Schulklima oder die abfallende Unterrichtsqualität herangetragen?

  4. Wenn ja, wie viele Beschwerden sind bei Ihnen eingegangen und mit welchem konkreten Inhalt?

  5. Wurden an Sie Beschwerden seitens Lehrkräfte der Volksschule Raaba im Hinblick auf das vermeintlich katastrophale Schulklima oder die abfallende Unterrichtsqualität herangetragen?

  6. Wenn ja, wie viele Beschwerden sind bei Ihnen eingegangen und mit welchem konkreten Inhalt?

  7. Wurden an Sie Beschwerden oder Anliegen seitens der Direktorin der Volksschule Raaba herangetragen?

  8. Wenn ja, mit welchen Anliegen bzw. Bedenken wendete sich die Direktorin an Sie in Ihrer Funktion als für Pflichtschulen zuständiges Regierungsmitglied?

  9. Wie viele Lehrkräfte haben bereits in den Jahren 2011 bis 2018 um Versetzung von der Volksschule Raaba hin zu einer anderen Schule angesucht (Bitte um Angabe nach Anzahl der Versetzungsanträge je Jahr)?

  10. Aus welchen Gründen wurde von den in Frage 9 genannten Lehrkräften um Versetzung angesucht (Bitte um Angabe unter Wahrung des Datenschutzes)?

  11. Haben Sie Kenntnis vom Stand der Versetzungsansuchen der fünf besagten Lehrkräfte?

  12. Wenn ja, werden die fünf Lehrkräfte tatsächlich versetzt?

  13. Wenn ja, wann erfolgt deren Versetzung und können zeitgerecht neue Lehrkräfte angestellt werden?

  14. Gibt es bereits eine offizielle Ausschreibung für die bald vakanten fünf Lehrpositionen?

  15. Welche Auswirkungen hätte die Versetzung der fünf Lehrkräfte auf den Unterricht in der Volksschule Raaba?

  16. Wie kann die Qualität des Unterrichts an der Volksschule Raaba trotz massiver Verstimmungen innerhalb der Lehrer- und Elternschaft sichergestellt werden?

  17. Welche Maßnahmen wurden bisher gesetzt, um die Unstimmigkeiten zwischen der Lehrer- und Elternschaft mit der Direktorin der Volksschule Raaba aus dem Weg zu räumen?

  18. Gab es seitens Ihres Ressorts bzw. der Bildungsdirektion Gespräche bezüglich der bestehenden Unstimmigkeiten mit der Direktorin der Volksschule Raaba?

  19. Wenn ja, welchen konkreten Inhalt hatten die Gespräche und zu welchem Ergebnis führten diese?

  20. Wenn nein, warum nicht?

  21. Gab es seitens Ihres Ressorts bzw. der Bildungsdirektion Gespräche bezüglich der bestehenden Unstimmigkeiten mit Lehrkräften der Volksschule Raaba (insbesondere mit jenen, die um Versetzung angesucht haben)?

  22. Wenn ja, welchen konkreten Inhalt hatten die Gespräche und zu welchen Ergebnissen führten diese?

  23. Wenn nein, warum nicht?

  24. Die betroffene Direktorin hatte bereits von 2011 bis 2018 die Leitung der Volksschule Raaba über – aus welchem Grund war dies im Jahr 2019 bzw. 2020 nicht der Fall?

  25. Warum wurde die Direktorin, die bereits in den Jahren 2011 bis 2018 immer wieder in Kritik gestanden war, überhaupt erneut zur Direktorin bestellt?

  26. Welche fachlichen Gründe sprachen für ihre Wiederbestellung als Direktorin?

  27. Warum wurden die Bedenken der Lehrer- und Elternschaft im Rahmen der Wiederbestellung der Direktorin offensichtlich nicht berücksichtigt?

  28. Wann wurde eine Mediation in der Volksschule Raaba gestartet?

  29. Wie viele Mediationstermine fanden bisher statt und welche Personen (etwa Direktorin, Lehrkräfte, Eltern, sonstige Involvierte etc.) nahmen daran teil?

  30. Konnten im Rahmen der Mediationstermine bereits erste Problemstellungen gelöst werden?

  31. Hat die Schulaufsicht bzw. der zuständige Schulqualitätsmanager die Unstimmigkeiten an der Volksschule Raaba geprüft?

  32. Wenn ja, zu welchen Ergebnissen führte die Prüfung?


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)