LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1228/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 11.03.2021, 09:56:13


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Frist: 11.05.2021

Betreff:
Beratung und Unterstützungsleistungen für mentale Gesundheit von Studierenden

Psychische Erkrankungen werden trotz ihrer weiten Verbreitung in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert und betroffene Personen stigmatisiert. So geben rund 48 Prozent aller Studierenden laut der letzten IHS-Studierenden-Sozialerhebung 2019 (http://ww2.sozialerhebung.at/images/Berichte/Studierenden_Sozialerhebung_2019_auf_einen_Blick.pdf) an, an studiumserschwerenden psychischen Problemen zu leiden. Das heißt, von den über 60.000 Studierenden an den steirischen Hochschulen wären rund 30.000 Studierende betroffen.

In einer Studie der Universität Würzburg gaben 57 Prozent der befragten Studierenden an, dass sie durch die Corona-Krise negative oder sehr negative Auswirkungen auf ihre psychische und emotionale Befindlichkeit erleben oder erwarten (https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/einblick/single/news/studieren-in-coronazeiten/). Zudem schätzen die Studierenden ihre Work-Live-Balance deutlich schlechter ein als vor der Pandemie ( https://www.fhsg.ch/fileadmin/Dateiliste/5_fachhochschule/corona_2020/Studierendenbefragung-Covid-19-Bedingungen-Ergebnisse.pdf,).

Auch die Psychologische Studierendenberatung (PSB) in Innsbruck kommt zu ähnlichen Ergebnissen, so wurden in der Studie StudentsCoWeD – Students’ Coping Strategies, Well-Being, and Distress during the Covid-19-Pandemic 1.500 Studierende befragt. Die Ergebnisse sind erschreckend, so gaben 36 Prozent der Studierenden an, dass sie im ersten Lockdown an Ängsten und depressiven Verstimmungen gelitten haben. Das kostenlose Angebot der PSB ist für viele Studierende das einzig leistbare Angebot der psychologischen Beratung. Dies führt zu einer Überlastung dieser Institution. So führt Christian Schröpf von der PSB Innsbruck aus: Es gibt „sehr oft Studierende, die verärgert oder verzweifelt anrufen, weil die Termine sofort weg sind“(https://www.derstandard.at/story/2000124322715/christian-schoepf-vor-allem-erstsemestrige-sind-isoliert)

Auch der Leiter der Psychologischen Studierendenberatung Graz berichtet über eine stärkere Nachfrage nach dem Angebot der Studierendenberatung. „Unsere Nachfrage ist seit Corona um etwa ein Viertel gestiegen“. ( https://www.krone.at/2357864). Zwar wurde von Bildungsminister Fassmann angekündigt die Stellen der Pychologischen Studierendenberatung bundesweit um 15 Vollzeiäquvalente zu erhöhen. Jedoch ist das Aufgrund der derzeitigen Situation nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Es gibt einige Pilotprojekte die mittels Telemedizin niederschwellige psychologische Beratung anbieten. So wurde durch die ÖH der Karl-Franzens-Universität Graz eine App angeboten, die es den Studierenden ermöglicht niederschwellige psychologische Beratung in begrenzten Ausmaß zu erhalten. (https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200916_OTS0189/gratis-studo-pro-fuer-alle-studMierenden-der-uni-graz) Außerdem starten das Rektorat und die ÖH der Karl-Franzens-Universität gemeinsam ein 10.000 Euro starkes Programm um Psychotherapiekosten für Studierende zu übernehmen.(https://futter.kleinezeitung.at/mental-health-topf/)
 

Es braucht nun einen klaren Plan, um diese psychosoziale Krise abzuwenden. Das Land Steiermark muss aktiv werden, damit Studierende bestmöglich in diesen schwierigen Zeiten unterstützt werden.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Hat die Landesregierung Kenntnis darüber, wie viele Studierende in der Steiermark in den letzten fünf Jahren von psychischen Erkankungen betroffen waren?

  2. Hat die Landesregierung Maßnahmen ergriffen, um Studierenden mit psychischen Erkrankungen zu helfen, und wenn ja, welche?

  3. Hat die Landessregierung Maßnahmen ergriffen, um psychischen Erkrankungen bei Studierenden präventiv vorzubeugen, und wenn ja, welche?

  4. Welche konkreten Initiativen haben sie coronabedingt zusätzlich für die psychische Gesundheit von Studierenden geplant? Wie viel wurden für diese Projekte 2021 budgiert?

  5. Welche konkreten niederschwellige Beratungs- und Therapieangebote für Studierende sind coronabedingt zustäzlich geplant? Wie viel wurden für diese Projekte 2021 budgiert?

  6. Sind von Landeseite Pilotprojekte geplant, um mit Telemedizin Studierende mit psychologischen Problemen zu unterstützen?

  7. Ist aufgrund der Ausnahmesitution, in der sich viele Studierende befinden, eine generelle Kostenübernahme der Psychotherapiekosten für steirische Studierende geplant?

  8. Ist aufgrund der prekären Finanzsituation der steirischen Universitäten eine Kostenübernahme für, durch Hochschulen finanzierte, mentale Gesundheitsprojekte - wie die Übernahme der Psychotherapiekosten geplant?

  9. Ist es geplant Landesmittel zu investieren, um die pyschologische Studierendenberatung finanziell zu unterstützen? Wenn nein wieso nicht?

  10. Haltet die Landesregierung die Anzahl der Vollzeitäquivalente der Psychologischen Studierendenberatung in der Steiermark in Relation zu den Studierenden für ausreichend?


Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)