LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1463/1

Dringliche Anfrage (§ 68 GeoLT)

eingebracht am 13.06.2021, 20:30:07


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Jugendpaket 2021 – Was tun für die „Generation Corona“?

Die Corona-Krise mit all ihren Auswirkungen traf die gesamte Bevölkerung hart. Ob Ausgangsbeschränkungen, empfindliche Einkommenseinbußen, die Unmöglichkeit Freund*innen und Familie zu treffen oder das teils vollständige Erliegen des gesellschaftlichen Lebens – die letzten Monate haben viel von der Bevölkerung abverlangt. Besonders hart getroffen wurde die Jugend, die – auch aus Rücksicht auf ihre Eltern- und Großelterngeneration – die schweren Eingriffe in ihr Leben mittrug, auch wenn sie selbst nicht derart vom Virus gefährdet ist. Wie gravierend die Auswirkungen auf die Psyche junger Menschen ist, zeigt eine Umfrage aus Salzburg, der zufolge die Hälfte der Jugendlichen im Bundesland Salzburg unter depressiven Verstimmungen leidet, ein Drittel schlecht schläft und ein Sechstel der Jugendlichen gar an Suizid denkt. In den Worten eines der Umfrageteilnehmer: „Corona versaut uns unsere Jugend." (Kleine Zeitung, Umfrage unter 1500 Jugendlichen, 09.03.2021).

Unter dem Titel „Warum die ‚Generation Corona‘ keine verlorene, aber eine vergessene Generation ist“ veröffentlichte die Kleine Zeitung im April dieses Jahres einen Essay über die durch die Corona-Krise verursachten Probleme, die dadurch schwer getroffene Gefühlslage der steirischen Jungend, aber auch deren neu gewonnenen „Superkräfte“. Darin schreibt die Autorin also nicht nur über die weitreichenden Einschränkungen, denen sich Jugendliche auf einmal gegenübersahen und die eine „normale“ Jugendzeit verunmöglichten, sowie die dadurch verursachten psychischen Probleme, sondern eben auch über die neu gewonnene Fähigkeit, diesen Schwierigkeiten gemeinsam im Kollektiv zu begegnen (Kleine Zeitung, Warum die "Generation Corona" keine verlorene, aber eine vergessene Generation ist, 24.04.2021).

Nunmehr, da sich die Zeichen für einen fast unbeschwerten Sommer verdichten, ist es an der Zeit, anhand aktueller Erhebungen den durch die Corona-Krise verursachten Problemlagen gegenzusteuern, auf gegenwärtige Entwicklungen einzugehen, die neu gewonnenen „Superkräfte“ der Jugend zu fördern und nicht zuletzt auch Zeichen der Dankbarkeit, Anerkennung und Wertschätzung an die „Generation Corona“ zu senden. Schließlich ist es eine zentrale Aufgabe der Politik, nach erfolgreicher Akutbekämpfung der gesundheitlichen Gefahren auch Maßnahmen zu ergreifen, um die sozialen und psychischen Langzeitfolgen der Corona-Krise auf Kinder und Jugendliche möglichst gering zu halten. Gerade im Hinblick darauf, dass 80 % der befragten Jugendlichen das Treffen mit Freund*innen als ihre liebste Freizeitbeschäftigung nannten, bedarf es eines steirischen Jugendpakets 2021 im Sinne eines vielschichtigen Maßnahmenpakets, um das kollektive Erfahren jugendlichen Lebens in all seinen unterschiedlichen Facetten zu fördern und dafür zu sorgen, dass auch die „Generation Corona“ ihre Jugend endlich unbeschwert in vollen Zügen genießen kann.


Es wird daher folgende

Dringliche Anfrage

gestellt:

  1. Liegen Ihnen Daten über die aktuelle psychosoziale Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in der Steiermark vor? Wenn nein, werden Sie diese erheben?
  2. Sind angesichts der aus anderen Bundesländern bereits bekannten Daten zur Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aufgrund der Corona-Krise Maßnahmen geplant, um die psychische Gesundheit zu fördern und wenn ja, welche?
  3. Sehen Sie einen Bedarf an zusätzlichen Psychotherapie-Kassen-Plätzen? Wenn ja, wie setzen Sie sich für deren Errichtung ein?
  4. Welche Fördermaßnahmen werden Sie als Landesrätin für Jugend und Familie treffen, um nach den Einschränkungen des letzen Jahres insbesondere für Kinder und Jugendliche das kollektive Erfahren jugendlichen Lebens in all seinen unterschiedlichen Facetten zu fördern?
  5. Werden Sie als Landesrätin für Jugend ein Jungendpaket 2021 initiieren und sich gemeinsam mit Ihren Regierungskolleg*innen dafür einsetzen, dass
    1. Kinder und Jugendliche im Sommer 2021 aufgrund eines gemeinsam mit dem Gemeindebund zu erarbeitenden Konzepts gratis die steirischen Freibäder nutzen können,
    2. ein Raus-aufs-Land-Ticket für Kinder und Jugendliche angeboten wird, mit dem diese 2021 die öffentlichen Verkehrsmittel kostengünstig zu steirischen Ausflugszielen nutzen können,
    3. Kinder und Jugendliche für das Jahr 2021 ein Kontingent an Steiermark-weit einlösbaren Kino- und Konzerttickets zur Verfügung gestellt wird,
    4. im Sommer 2021 Steiermark-weit gratis Konzerte für Jugendliche angeboten werden,
    5. im Jahr 2021 Steiermark-weit Tage der offenen Tür an Sportstätten für Jugendliche angeboten werden, bei denen diese – betreut durch Trainer*innen – neue Sportarten für sich entdecken können,
    6. Natur für Kinder und Jugendliche im Jahr 2021 erlebbar gemacht wird, indem organisierte Ausflüge zu steirischen Ausflugszielen angeboten werden?
  6. Liegen Ihnen Daten über durch die Corona-Krise ausgelöste oder verstärkte Lerndefizite von Schüler*innen in der Steiermark vor? Wenn nein, werden Sie diese erheben?
  7. Welche Maßnahmen sind seitens des Landes geplant, um die absehbaren durch die Corona-Krise bedingten Lerndefizite auszugleichen?

Unterschrift(en):
LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)