LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 512/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 14.05.2020, 22:22:35


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger
Frist: 14.07.2020

Betreff:
Trockenheit in der Landwirtschaft

Der österreichische (und weltweite) Landwirtschaftssektor ist eng im Ursache-Wirkungsgeflecht des globalen Klimawandels eingebettet. Einerseits werden in der landwirtschaftlichen Produktion relevante Mengen an klimaaktivem C02 (und CO2-Äquivalenten) emittiert (ca. 19 % der steirischen Treibhausgasemissionen im Non-ETS-Bereich), andererseits zählen die BewirtschafterInnen selbst, aufgrund extremwetterbedingter Ernteausfälle, zu den monetär signifikant Geschädigten der sich ändernden Umweltverhältnisse.

In diesem Jahr wurden viele steirische AGRAR-Betriebe durch eine ausgeprägte Dürreperiode und die korrespondierende Knappheit von Grund- und Oberflächenwasserreserven stark belastet. Die relevanten hydrographischen Messstellen weisen, für die ersten Monate des Jahres 2020, deutlich unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen in weiten Teilen der Steiermark aus, was zu sinkenden Grundwasserpegeln geführt hat, die sich bei ausbleibendem Regen weiter manifestieren werden. Die Studie Klimaszenarien für die Steiermark bis 2050 zeigt deutlich, dass die Anzahl der Hitzetage in der Steiermark künftig weiter zunehmen wird, aber voraussichtlich, abgesehen von den Wintermonaten, mit keinem relevanten Anstieg der mittleren Niederschlagsmengen zu rechnen ist.

Die Trockenheit betrifft neben Grünland, Acker-, Wein- und Obstbau auch forst- und teichwirtschaftliche Betriebe: Wassermangel und Hitze sind Mitgründe für hohe Einbußen in der steirischen Süßwasserfischproduktion und heimischen Wälder geraten durch Brände, Borkenkäferbefall sowie diverse Krankheiten zunehmend unter Druck.

Die Landesregierung hat sich durch Vorlage diverser Publikationen, welche Vermeidungs- und Anpassungsstrategien im Kontext des regionalen Klimawandels aufzeigen (Klima- und Energiestrategie Steiermark 2030, Klimawandelanpassung Strategie Steiermark 2050), selbst in die Pflicht genommen, rasch und effektiv gegen Ursachen und negative Folgen der Klimakrise vorzugehen. Das Thema „Trockenheit“ sollte schwerpunktmäßig im Masterplan Klimarisiko Landwirtschaft (2017) behandelt werden. Von den veröffentlichten Fachartikeln kann aber geschlossen werden, dass sich die zuständige Arbeits-/Forschungsgruppe bisher vorrangig mit dem Risikofaktor „Spätfrost“ befasst hat. Konkrete Umsetzungsvorschläge für technische und pflanzenbauliche Maßnahmen in Dürreperioden und einen angebotsorientierten Umgang mit Wasser in der Landwirtschaft sind noch ausständig. Eine zeitnahe Bereitstellung eines solchen Maßnahmenkataloges erscheint vor dem Hintergrund der aktuellen Situation als essentiell.

Fakt ist, dass wirksame Anpassungsmaßnahmen bei Wasserknappheit in der Landwirtschaft (z.B. Förderungen von Anbaupflanzen mit geringem Wasserbedarf und intelligente Bewässerungssysteme) in anderen (Bundes-)Ländern bereits etabliert sind und sich als äußerst effizient erwiesen haben. Auch in den zwölf steirischen KLAR! Modellregionen werden und wurden bereits erfolgreiche Projekte zur Erhöhung der Klimaresilienz in der Landwirtschaft umgesetzt. Auf entsprechendes Know-how und Best-Practice-Methoden könnte in der aktuellen Situation also rasch zugegriffen werden.

Bezüglich eines parlamentarischen Antrags der GRÜNEN aus dem Jahre 2017 (EZ/OZ: 2041/1), in welchem bereits Maßnahmen zu ressourcenschonenden Wassernutzung in der Landwirtschaft gefordert wurden, hat die Landesregierung auf laufende Planungsüberlegungen und Untersuchungen verwiesen, und es stellt sich, nicht nur in Anbetracht der derzeitigen Situation, die Frage nach dem Status Quo dieses Prozesses.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie haben sich die Trockenperioden in der Steiermark bezüglich Intensität und Dauer in den letzten zehn Jahren entwickelt und welche Regionen sind besonders von den Folgen betroffen?
  2. Auf welche Höhe belaufen sich die trockenheitsbedingten Schäden in der steirischen Landwirtschaft innerhalb der letzten 10 Jahre?
  3. Hat die für den Masterplan Klimarisiko Landwirtschaft zuständige Arbeitsgruppe bereits umsetzbare Maßnahmen zum Risikofaktor „Trockenheit“ in der Landwirtschaft erarbeitet? Falls nein, warum nicht und wann ist mit entsprechenden Ergebnissen zu rechnen? Falls ja, können die vorliegenden Ergebnisse positive Impulse in der rezenten Dürreperiode setzen und wie?
  4. Wurde mit den bewusstseinsbildenden Maßnahmen zum Thema „klimafitte Landwirtschaft“, v.a. in Hinblick auf Trockenheit und Hitze, entsprechend des Punktes L-03 im Aktionsplan 2019-2021 der Klima- und Energiestrategie Steiermark, begonnen? Falls ja, welche Maßnahmen wurden gesetzt? Falls nein, wann ist mit entsprechenden Maßnahmen zu rechnen?
  5. Wurden, gemäß den Empfehlungen der Klimawandelanpassung Strategie Steiermark 2050, bereits Maßnahmen zur Klimaanpassung in der Landwirtschaft, v.a. hinsichtlich der Punkte LW-M 5 (Einsatz von standortangepassten Arten), LW-M 9 (Anpassung des Pflanzenbaus an die geänderten Temperatur- und Niederschlagsbedingungen) und LW-M 11 (Saisonale Wettervorhersagen für die Landwirtschaft), umgesetzt? Falls ja, welche?
  6. Zu welchen Veränderungen und Auswirkungen hat die Klimaerwärmung/Trockenheit in den letzten zehn Jahren in den steirischen Wäldern geführt und was sind die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklungen (z.B. Schäden durch Borkenkäfer, Waldbrand und Krankheiten)?
  7. In welcher Höhe stellt die Landesregierung finanzielle Mittel für eine waldbauliche Klimaanpassung bereit und werden diese an die Kriterien einer ökologischen Waldbewirtschaftung geknüpft?
  8. Ist die Erarbeitung eines Masterplan Klimarisiko Forst, als Anleitung für Waldbesitzer und Forstbetriebe zur nachhaltigen und klimafitten Waldbewirtschaftung, zukünftig vorgesehen? Falls nein, warum nicht und welche andere Maßnahmen sind sonst allenfalls geplant, um auf den zunehmenden Klimadruck auf steirische Wälder zu reagieren?
  9. Mit welchen Maßnahmen (z.B. verstärkte Förderung von Keislaufanlagen, Belüftungssystemen oder Verlandungszonen in extensiven Teichwirtschaften) wird die Steiermärkische Landesregierung den trockenheitsbedingten Einbußen in der heimischen Süßwasserfischproduktion begegnen, v.a. vor dem Hintergrund, dass der Aktionsplan Aquakultur 2020 des BMK einen signifikanten Produktionsanstieg innerhalb der nächsten Jahre anstrebt?

Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)