LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 502/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 14.05.2020, 11:56:12


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner
Frist: 14.07.2020

Betreff:
Würfelnatter-Monitoring zwischen dem Stauraum Weinzödl und der Wehranlage Sappi (Gratkorn)

In Gratkorn soll nach Plänen von Energie Steiermark und Verbund ein Wasserkraftwerk errichtet werden. Für die Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb des Laufwasserkraftwerks Gratkorn, an der mittleren Mur zwischen den Kraftwerken Weinzödl und Sappi, wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung nach dem UVP-Gesetz durchgeführt. Das Kraftwerk wurde UVP-rechtlich am 10.8.2012 mit einer Ausnahmegenehmigung nach §104a Wasserrechtsgesetz genehmigt und dieser Bescheid durch den Umweltsenat im Juni 2013 bestätigt.

Im Zuge des UVP-Verfahrens haben die von der Gemeinde Gratkorn beauftragten Gutachter zahlreiche Mängel im eingereichten Projekt aufgezeigt. Diese betreffen v.a. den Einfluss des möglichen Kraftwerks auf einen Brunnen, der einen großen Teil der Gratkorner Bevölkerung  mit Trinkwasser versorgt. Durch die Umsetzung des Projekts wäre diese Versorgung nicht mehr sichergestellt. Daher weigert sich die Gemeinde bislang, die für die Realisierung des Projekts notwendigen Grundstücke zur Verfügung zu stellen.

Zusätzlich zu dieser Problematik stellen die Projektflächen vitale Lebensräume der Würfelnatter dar, einer gemäß FFH-Richtlinie und steirischem Naturschutzgesetz geschützten Schlangenart. Diesbezüglich wird, laut Auskunft der Verbund AG, im Zeitraum März -September 2020 ein Würfelnatter-Monitoring zwischen dem Stauraum Weinzödl und der Wehranlage Sappi (Gratkorn) durchgeführt. Neben der Populationsstruktur - es werden Daten zu Alter, Geschlecht und Vitalität der Individuen erhoben - sollen auch strukturell-morphologische Attribute des Lebensraumes (z.B. Durchgängigkeit, Habitatkonnektivität) untersucht werden. Dazu seien Ende März 2020 insgesamt 71 sogenannte „Schlangenplots“ an geeigneten Stellen entlang der Mur ausgebracht worden, welche witterungsabhängig bis Ende September 2020 regelmäßig von Herpetologen kontrolliert werden sollen, so der Verbund.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

1. Ist die Aussage der Verbund AG, dass es sich bei der Ausbringung der Schlangenplots entlang der Mur um ein Würfelnatter-Monitoring im Zusammenhang mit der Laufwasserkraftwerkserrichtung handelt, zutreffend?

2. Unterliegen die Maßnahmen einer naturschutzrechtlichen Bewilligungspflicht (Ausnahmegenehmigung gemäß §17, StNSchG 2017 )? Falls ja, sind die Maßnahmen naturschutzrechtlich genehmigt?

3. Wer wurde mit dem Monitoring beauftragt? Welche HerpetologInnen wurden beigezogen? Werden auch andere Schlangenarten untersucht?

4. Verbleiben die Schlangen nach dem Monitoring in ihrem Lebensraum, oder werden sie abgesammelt und umgesiedelt?

5. Falls eine Umsiedelung zutrifft:

a) Ist diese Umsiedelung naturschutzrechtlich genehmigt?

b) Wohin werden die Schlangen gebracht?


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)