LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 557/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 31.05.2020, 08:33:33


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger
Frist: 31.07.2020

Betreff:
Mountainbike-Sport in der Steiermark

Der Mountainbike-Sport zählt global zu einer zunehmend beliebten Freizeit- und Erholungsaktivität, mit weiterhin starkem Wachstumspotential (White et al. 2006; Hardiman & Burgin, 2013). Es handelt sich um eine sogenannte „Lifetime-Sportart“, die in diversen Sub-Kategorien (Downhill, Cross-Country, All-Mountain, Freeride, Dirt-Bike) von vielen Altersschichten betrieben wird, wobei vor allem der Einzug der E-Mobilität zu einer signifikanten Zielgruppenerweiterung beigetragen hat (Wöhrstein, 1998).

Auch in Österreich ist das Mountainbiken zu einem zugkräftigen und dynamischen Wirtschaftsfaktor geworden. Die kontinuierliche Entwicklung vom Trend- zum Breitensport spiegelt sich u.a. in den hohen Verkaufszahlen geländegängiger Radmodelle und einer rasch wachsenden Infrastruktur wieder (Lund-Durlacher und Antonschmidt, 2015). Große „Bikeparks“ (das sind abgegrenzte Sportgelände, meist mit mehreren Abfahrtsmöglichkeiten und Liftunterstützung), samt assoziierter Radgeschäfte, Verleih- und Servicestellen, sind in klassischen Skigebieten (z.B. Brandnertal, Leogang, Sölden) entstanden und tragen wesentlich zur lokalen Arbeitsplatzschaffung und sommertouristischen Wertschöpfung bei (Kurtz, 2015).

Abseits dieser ausgewiesenen Sportstätten ist das freie Befahren von Forststraßen und Waldwegen in Österreich nur mit Zustimmung der GrundbesitzerInnen erlaubt (§33 Abs 3 ForstG). Da sich etwa 80% des österreichischen Waldes in privater Hand befinden und lange Radrouten meist mehrere Grundstücksgrenzen queren, ist der strukturierte Auf- und Ausbau des österreichischen Mountainbike-Streckennetzes eine bürokratische Herausforderung, zumal die GrundbesitzerInnen einer Öffnung Ihrer Wege oftmals skeptisch gegenüberstehen (als Hauptgründe hierfür werden befürchtete wirtschaftliche Einbußen in der Jagd- und Forstwirtschaft sowie höhere Wegerhaltungskosten und Haftungsrisiken genannt; siehe Kurtz, 2015). Aufgrund dieser Tatsachen, und obwohl das BMLRT ein „Vertragsmodell“ zur interessensabgewogenen Freigabe von Forst- und Waldwegen entwickelt hat (https://www.bmlrt.gv.at/forst/wald-gesellschaft/verhalten_wald/radfahrenimwald.html), wird Österreich von mehreren Studien ein defizitäres Angebot an Mountainbike-Strecken, vor allem an „single trails“ (= schmale Wege im natürlichen Gelände, die teilweise ausgeformt und mit künstlichen Bauwerken bestückt werden) attestiert, welches nicht der steigenden nationalen und internationalen Nachfrage entspricht (Kurtz, 2015; Lund-Durlacher und Antonschmidt, 2015). Dies trifft vor allem auf die östlichen Bundesländer, inklusive der Steiermark, zu. Es ist anzumerken, dass die erwähnten Studien bereits fünf Jahre alt sind und keine Aussagen über rezente Entwicklungen in der Steiermark gemacht werden können, da eine zentrale Erfassung/Verwaltung der freigegebenen Mountainbike-Strecken offensichtlich nicht existiert (bzw. nicht öffentlich zugänglich ist). Zwar werden auf diversen Websites ausgewählte Touren präsentiert (z.B.: https://www.steiermark.com, http://www.bikeculture.at/, https://www.regiongraz.at), anhand derer eine quantitative Analyse des tatsächlichen steirischen Streckennetzes aber nicht möglich ist.

Eine Bestandserhebung der legalen Routen erscheint aber fundamental, da man daraus den potentiellen Bedarf an zusätzlichen Strecken ableiten und in einem nächsten Schritt den ökologischen Ausbau des Streckennetzes, vorwiegend über die Legalisierung bestehender Weganlagen unter Einbeziehung aller Interessensgruppen, vorantreiben könnte. Der daraufhin zu erwartende Rückgang an illegalen Fahrten im freien Gelände (z.B. über naturschutzfachlich relevante Grünflächen und in hochwertigen Wildtierlebensräumen) und auf gesperrten Wegen, kann wesentlich zu einer Beruhigung der Nutzungskonflikte (zwischen Radfahrern und Forst/Jagd/Wanderern) sowie einer Entlastung von Natur und Landschaft beitragen.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Liegen der Landesregierung aktuelle Daten vor, wie viele Personen in der Steiermark den Mountainbike-Sport in all seinen Sub-Kategorien (= Downhill, Cross-Country, All-Mountain, Freeride, Dirt-Bike) ausüben? Wie haben sich diese Zahlen in den letzten 5 Jahren verändert?
  2. Welchen Anteil hat der Radsport an der sommertouristischen Wertschöpfung in der Steiermark und wie haben sich diese Zahlen in den letzten 5 Jahren entwickelt (insgesamt und getrennt nach nationalen und internationalen Gästen)? Wie schneidet die Steiermark hier im Bundesländervergleich ab?
  3. Gibt es eine zentrale Erfassung sämtlicher für RadfahrerInnen freigegebenen Forst- und Waldwege in der Steiermark? Falls ja, wo werden diese Daten gesammelt und sind sie in Form einer GIS-Karte verfügbar? Falls nein, teilt die Landesregierung die Auffassung, dass eine solche Erhebung/Veröffentlichung zu einer Reduktion von Nutzungskonflikten zwischen RadfahrernInnen und GrundbesitzerInnen beitragen würde?
  4.  Wie viele km an Forst- und Waldwegen sind in der Steiermark als Mountainbike-Strecken freigegeben (aufgetrennt nach den Kategorien „asphaltiert“, „geschottert“, „single trail“) und wie viele km davon sind als „shared trail“ (d.h. für Wanderer UND Radfahrer geöffnet) zu bezeichnen? Wie ist dieses Angebot im Bundesländervergleich zu bewerten?
  5. Entspricht das aktuelle Mountainbike-Streckennetz in der Steiermark nach Ansicht der Landesregierung der nationalen und internationalen Nachfrage? Falls ja, worauf stützt sich diese Annahme? Falls nein, welche Defizite bestehen?
  6. Ist der Landesregierung bekannt, ob das Vertragsmodell des BMLRT als Grundlage für die Wegfreigabe in der Steiermark genutzt wird? Welche anderen vertraglichen Modelle bzw. Vereinbarungen zur Regelung der Wegbenützung gibt es in der Steiermark bzw. werden angestrebt?
  7. Wie viele Verwaltungsverfahren wegen Übertretungen nach § 33 Abs 3 FostG gab es in den letzten 5 Jahren?
  8. Wie viele dieser Verwaltungsübertretungen nach § 33 Abs 3 FostG der letzten 5 Jahre entfielen dabei auf MountainbikerInnen?
  9. Wieviele Grundeigentümer wurden in Folge von Haftungen seitens Klagen von Mountainbikern gerichtlich verurteilt und wie hoch ist die anteilige Verurteilungsquote von Grundeigentümern auf freigegebenen und versicherten Strecken (offizielle Mountainbikerouten)?

Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne)