LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 556/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 31.05.2020, 08:32:53


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger
Frist: 31.07.2020

Betreff:
Klimawandel und Wasserversorgung

Die Steiermark ist regional sehr unterschiedlich von der Klimakrise betroffen. Für die Ost- bzw. Südoststeiermark wird die Trockenheit eine große Herausforderung sein bzw. dieses Risiko weiter steigen. Dürreereignisse werden häufiger auftreten, durch das frühere Einsetzen der Vegetationsperiode wird auch der Bodenwasservorrat im Sommer früher aufgebraucht. Dazu kommt die Methode der Frostberegnung, um Schäden durch Spätfrostereignisse so gering wie möglich zu halten. All das erhöht den Bewässerungsbedarf der Landwirtschaft und kann in Folge dazu führen, dass es zu Konflikten rund um die Ressource Wasser kommt. 

Wasser ist ein unendlich wertvolles Gut. Wir haben sorgsam damit umzugehen und alles zu unternehmen, damit es in hoher Qualität zur Verfügung steht. Die Wasserversorgung erfolgt in der Steiermark durch rund 1.300 öffentliche Wasserversorger (287 Gemeindeversorger, 22 Wasserverbände, ca. 570 Wassergenossenschaften und ca. 420 Wassergemeinschaften). Diese Struktur hat sich bestens bewährt. Sie sichert jene Versorgung, die Trinkwasser als Lebensgrundlage für die Gesundheit aller Menschen, für die Wirtschaft, für Betriebe und für den Tourismus zur Verfügung stellt.

Im Mai 2019 wurde eine parlamentarische Enquete des Bundesrates abgehalten zum Thema „Trinkwasser schützen und sichern". Es ging um die zentrale Herausforderung, vorsorgend die kontinuierliche Versorgung mit Trinkwasser zu sichern und dazu die Planung zu unterstützen und die rechtlichen Rahmenbedingungen so anzupassen, dass der Zugang zu Wasser geregelt ist und keine Engpässe bei der Trinkwasserversorgung eintreten.

https://www.parlament.gv.at/ZUSD/PDF/OeP_BR-Enquete_Wasser_ACC.pdf

Um die Trinkwasserversorgung langfristig und nachhaltig sichern zu können, wurden anlässlich dieser Enquete klare Maßnahmen gefordert. So betont man unter anderem die Notwendigkeit, auf regionaler Ebene, „eine Dargebots- und Bedarfsbilanz für alle Grundwasserkörper zur Verfügung zu haben“. Das tatsächlich nachhaltig nutzbare Dargebot sollte den Entnahmen und den bestehenden Wasserrechten gegenübergestellt werden. Es ging aber auch um die neuen Herausforderungen aufgrund der Klimakrise, um Wasserqualität, um die Sicherung der Wasserinfrastruktur bis hin zu Nutzungskonflikten. 

100% des heimischen Trinkwassers stammen aus Grundwasser, die Hälfte davon wird aus den Porengrundwasservorkommen der Tal- und Beckenlagen, die andere Hälfte aus den Karst- und Kluftgrundwasserquellen der Gebirgszüge gewonnen. Anhaltende Dürreperioden führen zu einem Rückgang von Grundwasserneubildung und Quellschüttung, was eine weitere Verschärfung wasserwirtschaftlicher Nutzungskonflikte bedingen kann. Besonders in extrem trockenen und heißen Jahren kommt es zu einer Verknappung der Grund- und Trinkwasserressourcen in bestimmten Regionen, sodass neue Herausforderungen für die langfristige Sicherstellung der Wasserversorgung entstehen. Zudem kann es infolge zunehmender Trockenheit und dem damit verbundenen Wasserdefizit zu einem erhöhten Bewässerungsbedarf von landwirtschaftlichen Flächen, Parks, Gärten, Sportplätzen usw. kommen. Wird dieser Bewässerungsbedarf mit Entnahmen aus dem Grundwasser gedeckt, so kann dies zu einer weiteren Absenkung der Grundwasserstände sowie zu Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit (Nährstoffeinträge) führen und damit quantitative und qualitative Auswirkungen auf unser Trinkwasser nach sich ziehen.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie hat sich die Niederschlagsituation in der Steiermark in den letzten 10 Jahren verändert?
  2. Wie wird sich der Wasserbedarf und das Wasserdargebot in der Steiermark langfristig entwickeln, und in welchen Regionen kommt es verstärkt zu einem Missverhältnis zwischen Dargebot und Bedarf?
  3. Wie haben sich die Trockenperioden in der Steiermark in den letzten 10 Jahren verändert, hinsichtlich Dauer, Häufigkeit, Folgeschäden für die Landwirtschaft etc.?
  4. Welcher Veränderung in der Grundwasserneubildung wurde in den letzten 10 Jahren festgestellt?
  5. Mit welcher Veränderung der Grundwasserneubildung rechnet die Landesregierung für die nächsten Jahre?
  6. Welche Maßnahmen zu Verbesserungen in der Effizienz der Trinkwassernutzung und der Vermeidung von Wasserverlusten werden Sie angesichts der Klimakrise setzen?
  7. Welches Potenzial sehen Sie, gesammeltes Regenwasser als Nutzwasser zu verwenden, um damit ein fortschreitendes Erschließen neuer Trinkwasserressourcen zu begrenzen?
  8. Gibt es Untersuchungen, inwieweit durch die abnehmende Grundwassermenge die Konzentration von Schadstoffen im Grundwasser steigt?
  9. Die in manchen Regionen anhaltend hohe Nitratbelastung zwingt die Wasserversorger bereits heute zu einer aufwendigen Aufbereitung des Trinkwassers durch Maßnahmen wie etwa die Zumischung von einwandfreiem Trinkwasser. Wie hoch sind die durch die Nitratbelastung verursachten Kosten (inkl. Folgekosten) jährlich für die Wasserversorger?
  10. In welchen Regionen liegt der Nitratgehalt im Grundwasser über dem Schwellenwert von 45 mg/l, sodass eine Zumischung von einwandfreiem Trinkwasser notwendig ist?
  11. Hat es hier in diesen Regionen aufgrund der klimabedingten Änderung von Niederschlägen, Temperatur etc. einen weiteren Anstieg des Nitratgehaltes gegeben?
  12. Welche Daten oder Studien bezüglich der Belastung von Grund- und Oberflächengewässern mit Pestiziden sind der Landesregierung bekannt (bitte aufschlüsseln nach Regionen und Gewässern und Erkenntnissen). Wenn ja, welche Maßnahmen wurden davon abgeleitet?
  13. Gibt es zur Feststellung der Belastung durch Pestizide eine spezifische Messstrategie des Landes bzw. der zuständigen Wasserbehörden?

Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)