LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 511/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 14.05.2020, 22:19:36


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger
Frist: 14.07.2020

Betreff:
Schutz der Rehkitze vor Mähmaschinen

Rund 30.000 Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken, fallen österreichweit jährlich einer Mähmaschine zum Opfer. Rehe sind keine ausgeprägten Fluchttiere. Sie sichern ihr Überleben insbesondere dadurch, dass sie Gefahren durch Wachsamkeit und Verstecken vermeiden. Gerade frisch geborene Rehkitze verstecken sich oft im hohen Gras vor Feinden. Dieses „Drückeverhalten“ zeigen die Rehkitze in den ersten Wochen nach ihrer Geburt und verfallen beim Entdecken sogar in eine Art Schockstarre. Dieses Verhalten hilft ihnen bei Fressfeinden, nicht jedoch gegen Mähmaschinen.

In unserer Kulturlandschaft liegen viele Rehkitze zwangsläufig in landwirtschaftlich intensiv genutzten Wiesen und jedes Jahr kommt es zu vielen Mähunfällen, die für die Rehkitze zumeist tödlich enden. Für alle Beteiligten sind solche Unfälle furchtbar: Das Kitz leidet Qualen und schreit jämmerlich. Die Rehmutter leidet, weil sie nicht helfen kann und sucht ihr verlorenes Kitz manchmal noch tagelang. Der Landwirt fühlt sich ohnmächtig angesichts der Qualen des Tieres, und der Jäger hat die undankbare Pflicht, das Rehkitz von diesen Qualen zu erlösen. Rehkitze, die „vermäht“ wurden, sind aber auch bei der Fütterung von Kühen eine Gefahr. Denn aus Fleischresten im Schnittgras können Leichengifte entweichen, die bei der Fütterung zu tödlichen Vergiftungen beim Vieh führen können.

Es gibt zahlreiche Versuche, die Rehkitze vor dem Tod zu schützen. Unter anderem werden auch sogenannte „Kitzretter“ eingesetzt, Geräte, welche durch akustische Signale die Tiere zum Verlassen der Mähflächen bewegen sollen. Nun gibt es durch den technologischen Fortschritt eine weitere interessante Entwicklung: den Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras, die auf Rehkitze in Wiesen aufmerksam machen. Die Drohnen nutzen die abstrahlende Körpertemperatur der Rehkitze, sodass diese rechtzeitig aufgespürt werden können. Das geschieht vor allem in den Morgenstunden. Die Kitze können dann aus dem Feld geborgen werden und die Bäuerinnen und Bauern können das Feld anschließend problemlos mähen.

Im Schweizer Kanton Innerrhoden wurden mithilfe von vier Drohnen innerhalb von nur sechs Tagen 59 Rehkitze rechtzeitig entdeckt und gerettet. Das Drohnen-Angebot für die Landwirtinnen und Landwirte ist dabei kostenlos und wird von der Jagd- und Fischereiverwaltung koordiniert. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es ein entsprechendes Projekt zur Rettung von Rehkitzen. Dadurch wurden mit einer Drohne von einer Privatperson im vorherigen Jahr 50 Kitze vor dem Tod bei der Grasernte gerettet. Der Einsatz von Drohnen zum Schutz von Rehkitzen vor Mähmaschinen ist daher vielversprechend.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

1. Gibt es eine Statistik über die beim Mähen aus Versehen getöteten bzw. verletzten Rehkitze und andere Tiere in der Steiermark? Falls ja, was sind die Fallzahlen der letzten 5 Jahre? Falls nein, warum gibt es keine solche Statistik und ist künftig geplant eine solche zu führen?

2. Welche Techniken werden derzeit in der Steiermark angewandt, um Rehkitze vor den Mähmaschinen zu schützen? Sind diese Techniken aus ihrer Sicht zufriedenstellend?

3. Unterstützt die Landesregierung LandwirtInnen bei deren Bemühungen, Mähunfälle bestmöglich zu vermeiden? Falls ja, in welcher Form? Falls nein, warum nicht?

4. Sind derzeit Drohnen mit Wärmebildkameras in der Steiermark zur Aufsuche von Rehkitzen im Einsatz? Falls nein, unterstützen sie einen Einsatz, beispielsweise im Zuge eines Pilotprojektes in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer, dem Land und der Jagd?

5. Sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen Einsatz von Drohnen derzeit gegeben? Falls nein, welche gesetzlichen Bestimmungen müssten wie geändert werden?

6. Welche weiteren Schritte sind geplant, um Rehkitze und andere Tiere vor dem Tod bei der Grasernte zu schützen?


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)