LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1353/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 03.05.2021, 13:44:19


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Doris Kampus
Frist: 05.07.2021

Betreff:
Inklusive Kinderbildung und -betreuung

Eine vollgesellschaftliche Inklusion beginnt im jüngsten Alter des Menschen und sollte daher bereits in Kinderbetreuungseinrichtungen Alltag sein. Integrative Erziehung bietet gerade im Vorschulalter für alle Kinder eine große Chance, weil Kinder kaum Vorurteile haben und das soziale Lernen in allen Kindergärten eine wichtige Rolle spielt. Derzeit bestehen für Eltern von Kindern mit Behinderungen grundsätzlich die Möglichkeiten, das Kind in einem allgemeinen Kindergarten, einem Kindergarten mit Integrationsgruppen oder einem heilpädagogischen Sonderkindergarten unterzubringen. Bei den sogenannten heilpädagogischen Sonderkindergärten handelt es sich um integrative Einrichtungen, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut und gefördert werden.

Eine Etablierung inklusiver Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen ist deshalb so wichtig, damit dazu beigetragen werden kann, dass es für Kinder im jüngsten Alter bereits zur Selbstverständlichkeit wird, auch Spielgefährt_innen und Freund_innen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen zu haben. So kann Ausgrenzung und Diskriminierung entgegengewirkt werden. Laut der Anfragebeantwortung (EZ/OZ 1092/2) von Landesrätin Bogner-Strauß ist es weder finanziell vertretbar noch personell machbar, dass in jeder Region freie Kinderbetreuungsplätze für Kinder mit Behinderungen zur Verfügung gestellt werden. Mit diesem Grundverständnis für inklusive Kinderbetreuung wird leider die Ausgrenzung von Kindern mit Behinderung verstärkt, anstatt Inklusion bereits im jüngsten Alter zu fördern.

In der Kronen Zeitung war in einem Artikel vom 9. April 2021 (Seite 22-23) die Aussage der Bildungslandesrätin Bogner-Strauß zu lesen, dass an Schulen die Entwicklung hin zu inklusivem Unterricht gebe. Laut der Anfragebeantwortung, welche ebenso durch die Landesrätin beantwortet wurde, sinkt die Integrationsquote in der Steiermark jedoch, was wiederum bedeuten würde, dass die Entwicklung weg von inklusivem Unterricht gehe. Weiters sagte die Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner in ebendiesem Artikel, dass sich 85 % aller Kinder mit sogenanntem sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) in der Steiermark im Regelschulbereich befinden.

Diese Zahlen stimmen aber nicht mit den Werten aus der oben genannten Anfragebeantwortung überein, bei der angegeben wurde, dass von 3.743 Kindern mit SPF lediglich 3.035 eine Regelschule im Schuljahr 2020/21 besuchten. Denn das würde bedeuteten, dass sich nur 80 % der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Steiermark im Regelschulbereich befinden.

Die Angaben aus der Anfragebeantwortung werfen damit weitaus mehr Fragen auf, als sie beantworten. Weiters ist eine Abweichung zwischen den Zahlen aus der Anfragebeantwortung und den Zahlen der Statistik Austria erkennbar (https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bildung/schulen/schulbesuch/029658.html). Laut Statistik Austria gab es im Schuljahr 2019/20 insgesamt 75.282 Pflichtschüler_innen in der Steiermark, laut der Anfragebeantwortung waren es jedoch 76.450 Schüler_innen. Ebenso unterscheiden sich die Zahlen der Schüler_innen mit SPF und welche Schulform diese besuchten, wie folgt:

  • Daten Statistik Austria für das Schuljahr 2019/20: 2.648 Pflichtschüler_innen mit SPF, davon besuchten 534 eine Sonderschule und 2.114 eine Regelschule.
  • Daten aus der Anfragebeantwortung (EZ/OZ 1092/2) für das Schuljahr 2019/20: 3.479 Pflichtschüler_innen mit SPF, davon besuchten 551 eine Sonderschule und 2.928 eine Regelschule.

Nach den Werten aus der Anfragebeantwortung besuchten 85 % der Schüler_innen mit SPF eine Regeschule, laut Daten der Statistik Austria waren es aber nur 80 %. Dies ergibt einen Unterschied von knapp 5 Prozentpunkten, der den Integrationsquotienten in der Steiermark beschönigen würde. Diese Diskrepanz erschwert ein klares Bild auf die Wirkungsabschätzung der Maßnahmen für inklusiven Unterricht. Für wirkungsvolle Maßnahmen braucht es jedoch eine transparente und aktuelle Datenlage, anhand derer die politisch Verantwortlichen ihre Entscheidungen treffen


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie viele Kinder in der Altersgruppe von 0-2 Jahren haben aktuell einen Bescheid nach dem StBHG?
  2. Wie viele Kinder in der Altersgruppe von 3-4 Jahren haben aktuell einen Bescheid nach dem StBHG?
  3. Wie viele Kinder in der Altersgruppe von 5-6 Jahren haben aktuell einen Bescheid nach dem StBHG?
  4. Wie viele Kinder mit BHG-Bescheid besuchen einen heilpädagogischen Kindergarten? (Wir bitten um Aufschlüsselung nach Lebensjahren: 3-4 Jahre, 5-6 Jahre, älter als 6 Jahre)
  5. Wie viele Kinder mit BHG-Bescheid besuchen einen Regelkindergarten? (Wir bitten um Aufschlüsselung nach Lebensjahren: 3-4 Jahre, 5-6 Jahre, älter als 6 Jahre)
  6. Wie viele Kinder mit BHG-Bescheid werden bei Tageseltern betreut? (Wir bitten um Aufschlüsselung nach Lebensjahren: 0-2 Jahre, 3-5 Jahre, 6-9 Jahre und älter als 10 Jahre)
  7. Wie viele Kinder mit BHG-Bescheid besuchen keinen Kindergarten und werden auch nicht von Tageseltern betreut? (Wir bitten um Aufschlüsselung nach Lebensjahren: 3-4 Jahre, 5-6 Jahre)
  8. Wie viele Sonderpädagog_innen arbeiten derzeit in steirischen Kindergärten? (Wir bitten um Aufschlüsselung nach Gesamtanzahl, Anzahl an Springer_innen, Anzahl nach VZÄ, Personen sowie dem Stundenausmaß)
  9. Wie viele Sonderpädagog_innen müssten in der Steiermark arbeiten, um allen Kindern mit Behinderung möglichst nahe dem Wohnort der Eltern einen freien Kinderbetreuungsplatz zur Verfügung stellen zu können?
  10. Wie hoch wären die geschätzten Kosten, wenn man jedem Kind mit Behinderung einen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen würde und um wie viel würde dies das derzeitige Budget übersteigen?
  11. Welche konkreten Maßnahmen werden gesetzt, um die Rahmenbedingungen für inklusive Kindergärten zu verbessern und möglichst allen Kindern mit Behinderungen einen freien Betreuungsplatz bereitzustellen?
  12. Wie viele Studierende, die eine BAFEP besuchen, werden derzeit zu Sonderpädagog_innen ausgebildet?
  13. Wie viele Personen schließen in der Steiermark jährlich den Lehrgang "Inklusive Pädagogik" auf einer BAFEP ab? (Wir bitten um Aufschlüsselung der letzten drei Jahre.)
  14. Wie viele Personen können in der Steiermark pro Jahrgang für diesen Lehrgang aufgenommen werden?
  15. Wie viele Personen bewerben sich in der Steiermark jährlich für diesen Lehrgang? (Wir bitten um Aufschlüsselung der letzten drei Jahre.)
  16. Welche Maßnahmen werden gesetzt, um die Attraktivität für die Ausbildung zum/r Sonderpädagog_in zu steigern?
  17. Wie erklären Sie die Diskrepanz zwischen den Zahlen aus dem Artikel der Kronen Zeitung vom 9.4.2021, die besagen, dass sich 85 % aller Kinder mit sogenanntem sonderpädagogischen Förderbedarf in der Steiermark im Regelschulbereich befinden, und den Zahlen der Anfragebeantwortung, wonach lediglich 80 % der Kinder mit SPF eine Regelschule besuchen?
  18. Wie erklären Sie sich die Diskrepanz zwischen den Zahlen der Statistik Austria und den Zahlen aus der Anfragebeantwortung (EZ/OZ 1092/2) zum Schuljahr 2019/20 betreffend der Summe an Pflichtschüler_innen gesamt, der Anzahl an Pflichtschüler_innen mit SPF und wie viele von diesen eine Sonderschule bzw. Regelschule besuchten?

Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)