LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2531/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 23.09.2022, 09:31:23


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Steirischer Masterplan für die Wärmegewinnung aus Abwasser

Die derzeitige Energiekrise legt die Versäumnisse der Regierung in Hinblick auf die Diversifizierung des heimischen Energiemarktes schonungslos offen. Viel zu lange wurde auf fossile Energieträger gesetzt und vor allem russisches Gas entgegengenommen. Durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins auf die Ukraine zeigt der Autokrat sein wahres Gesicht und scheut nicht, Europa erpresserisch in eine Energiekrise zu stürzen. Die große Abhängigkeit von russischem Gas verschärft die Situation in Österreich weiter. 

Es ist das Gebot der Stunde, durch die Ausschöpfung aller uns vorhandenen erneuerbaren Energiequellen, möglichst schnell energieunabhängig zu werden. Gerade der Ausstieg aus russischem Gas stellt uns dabei vor eine gewaltige Herausforderung. Eine Möglichkeit, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern, stellt die Wärmegewinnung aus Ab- und Drainagewasser dar. Anstatt es einfach im Boden versickern zu lassen, wird mittels Wärmetauscher ein Teil der Wärmeenergie entnommen. Damit können Gebäude im Sommer gekühlt und im Winter beheizt werden. Bei großen Bauwerken kann dazu Abwasser vor der Einleitung in die Kanalisation abgefangen werden. Alternativ dazu wird die Wärme aus der Kanalisation entnommen. Hier eignen sich besonders Kanalanlagen unter größeren Siedlungen. In der Schweiz macht man davon schon seit Jahrzehnten Gebrauch, wodurch das Land hinsichtlich dieser Form der Energiegewinnung eine Vorreiterrolle einnimmt. (1) Das gleiche Prinzip kann auch bei Drainagewasser von Tunnelanlagen angewendet werden, da auch hier die Temperatur ganzjährig unverändert bleibt. Daher wird auch daran gearbeitet, das Drainagewasser des Brennerbasistunnels dazu zu nutzen, um Innsbrucker Haushalte mit Wärme zu versorgen. (2) An diesem Projekt ist auch die Technische Universität Graz beteiligt.

Wärmegewinnung aus Abwasser ist eine einfache, aber geniale Idee, die kaum Eingriffe in die Umwelt verursacht und uns weiter in Richtung Klimaneutralität bringt. Gerade zum jetzigen Zeitpunkt wäre es deswegen wichtig, rasche Datenerhebungen anzustellen, um Potenzialregionen für den Wärmegewinn aus Abwasser auszumachen und aus dieser Energiequelle zu schöpfen. Mit der Expertise unserer ansässigen Hochschulstandorte haben wir diesbezüglich auch bereits einen entscheidenden Startvorteil. So könnte man den Klima- und Energiezielen des Landes einen großen Schritt näher kommen und die Grüne Mark gleichzeitig energieunabhängiger machen. Es ist begrüßenswert, dass die Landesregierung unserem Vorschlag folgt und die Potenziale der Wärmegewinnung aus Abwasser von landeseigenen Gebäuden prüft. In der Stellungnahme 2181/4 wird diesbezüglich ebenfalls angeführt, dass viel Abwasser-Energie auch durch Kläranlagen gewonnen werden kann. Jedenfalls braucht es hier rasch ein umfassendes Konzept, das über eine einfache Datenerhebung hinaus geht.

(1) https://e5-salzburg.at/downloads/downloads-wissen-service/hf6/infoblatt-abwaerme-abwasser.pdf?m=1360343228&

(2) https://science.apa.at/power-search/17923022491971596050


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, unter Einbindung betroffener Akteur:innen und relevanter Stakeholder:innen wie beispielsweise den Gemeinden, einen Masterplan zur Energiegewinnung aus Ab- und Drainagewasser zu erarbeiten und dem Landtag vorzulegen, welcher zumindest folgende Punkte beinhaltet:

  1. Eine umfassende Datenerhebung dazu, in welchen Landesgebäuden Wärmegewinnung aus Abwasser sinnvoll ist;
  2. Eine umfassende Datenerhebung dazu, in welchen steirischen Regionen Wärmegewinnung aus der Kanalisation sinnvoll ist;
  3. Der Ausbau und die Förderung von laufenden Pilotprojekten;
  4. Eine Prüfung betreffender Landesgesetze, um unnötige Hindernisse für die Energiegewinnung aus Ab- und Drainagewasser zu beseitigen;

Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)