LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2535/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 23.09.2022, 09:31:48


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner, Landesrat Johann Seitinger, Landeshauptmann-Stv. Anton Lang, Landeshauptmann Mag. Christopher Drexler

Betreff:
Recyclingbeton für die Steiermark

Die Steiermark ist traurige Europameisterin im Flächenversiegeln. Umso wichtiger wäre es, beim Bauen auch auf nachhaltigere Materialen zu setzen. Nach wie vor spielt Beton - im wahrsten Sinne des Wortes - eine tragende Rolle bei den meisten Bauvorhaben. Das Problem: der Stoff ist alles andere als gut für unser Klima. Denn die Herstellung von Zement, welchen man als Bindemittel braucht, macht rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen aus. (1) Eine bewährte und umweltschonendere Alternative zum herkömmlichen Beton stellt Recyclingbeton (RC-Beton) dar. Bei diesem wird ein großer Teil des Sand- und Kiesanteils durch Recycling-Gesteinskörnungen von angefallenem Bauschutt und Betonbruch ersetzt, was diese Materialien wieder in den Kreislauf integriert. RC-Beton ist nicht nur ressourcenschonender und somit nachhaltiger, sondern genauso qualitativ und ästhetisch wie üblicher Beton.

Durch die Verwendung von RC-Beton spart man wertvolle Rohstoffe, knappe Deponiekapazitäten werden nicht weiter belastet und Transportwege können verkürzt werden. Außerdem liegt der kumulierte Energiebedarf sowie das Treibhauspotenzial für die Herstellung von RC-Beton unter jenem der Primärproduktion.

Die Konsistenz des Endproduktes ist stark von den verwendeten Recyclingmaterialien abhängig. Die Bestandteile des Granulats spielen ebenso eine Rolle wie die Korngrößenverteilung. Wird der Bauschutt ausschließlich gebrochen und ohne Klassierung beigemischt, entsteht RC-Beton mit einer geringen Festigkeit, welcher im Straßenbau als Verfüllung verwendet werden kann. Es ist aber genauso möglich, RC-Beton herzustellen, um ihn im Hochbau einzusetzen. In diesem Fall muss der Bauschutt nach dem Brechen durch Siebklassierung und Sichten in Kornfraktionen sortiert werden.

Zwar fallen beim RC-Beton hohe Aufbereitungskosten an, dafür sind beim Primärbeton die Investitionskosten wesentlich höher. Überall, wo Recyclingbeton bereits in größerem Ausmaß zur Anwendung kommt, liegen die Marktpreise von Recyclingbeton und Primärbeton jedoch schon nahe aneinander. In Österreich wird der nachhaltigere Beton bis dato kaum verwendet. Das liegt einerseits an nach wie vor bestehenden Rohstoffbeständen, doch auch an dem Umstand, dass bestehende Anlagen aufgerüstet werden müssten.

Dass diese Umrüstungen durchaus Sinn machen, zeigt beispielsweise die Schweiz vor, welche den Einsatz des Baustoffs forciert. Beinahe 5.000 Schweizer Bauten weisen mittlerweile schon einen RC-Beton-Anteil auf. In Zürich setzt man bereits seit 2004 bei öffentlichen Bauvorhaben auf Recyclingbeton, so wurde etwa der Anbau des Kunsthauses Zürich zu 90% aus RC-Beton gebaut. Auch im Hunziker Areal, einem neuen Stadtviertel der Schweizer Großstadt, wurde für die Errichtung von 13 Gebäuden der nachhaltige Baustoff mitverwendet. Der Boden des Neubaus im Landesmuseum ist ein weiteres Beispiel für die Präsenz von RC-Beton in Schweizer Bauwerken.

Um die Akzeptanz des Baustoffs zu erhöhen und Bedenken darüber auszuräumen, haben Studierende der ETH Zürich das BAT (Betonrycycling-Aufklärungs-Tool) entwickelt. Um RC-Beton landesweit zu etablieren, bräuchte es genauso einen Schritt in Richtung Bewusstseinsarbeit bei Architekt:innen, Bauherr:innen, Ingeneur:innen und Häuslbauer:innen, um dessen Vorteile bekannt zu machen. Jedoch fehlt in der Steiermark der politische Wille dazu, weswegen der Einsatz von RC-Beton bisher sehr bescheiden ausfällt.

Auch wenn es effektivere Maßnahmen für die Eindämmung von Flächenversiegelung braucht, wird es immer ein gewisses Maß an Bauvorhaben geben. Umso wichtiger ist es aber, den Ressourcenschutz beim Bau in den Vordergrund holen. Auch im KESS-Aktionsplan findet sich auf Seite 12 die Empfehlung, die ReUse- und Recyclingquote im Baubereich zu erhöhen. Es ist jedenfalls erfreulich, dass die Landesregierung das Problem nun wahrnimmt und unsere Forderung aufgreift. Es braucht aber unbedingt ein klares Handlungsbekenntnis und weitergehende Maßnahmen - die Klimakrise wartet nicht auf uns.

(1) https://www.energiezukunft.eu/bauen/zementproduktion-kann-klimafreundlicher-werden/#:~:text=Acht%20Prozent%20der%20anthropogenen%20Treibhausgasemissionen,bis%20zu%2060%20Prozent%20senken.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. das Thema Wiederverwertung und Baustoffrecycling unter Rücksichtnahme auf einen hohen ökologischen Standard voranzutreiben und einen verpflichtenden Einsatz von Recyclingbeton bei öffentlichen Bauvorhaben des Landes festzulegen;
  2. dem Landtag einen Bericht über bereits gewonnene Erkenntnisse des Landes bei der Wiederverwertung von Baustoffen sowie einen Ausblick für weitere Maßnahmen zur Aufklärung vom Einsatz von Recyclingbeton und Förderung bei der Verbauung von Recyclingbeton vorzulegen.

Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)