LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2018/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 14.11.2017, 09:21:11


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Regierungsmitglied(er): Landesrätin MMag. Barbara Eibinger-Miedl
Frist: 15.01.2018

Betreff:
Studie des Joanneum Research zum Klimaschutz

Das Klima ändert sich rasant, mit gravierenden Folgen. Mit dem fortschreitenden Klimawandel geht ein weiterer Temperaturanstieg einher, das hat auch eine weitere Reduktion der Tage mit Naturschneebedeckung zur Folge. Viele Skigebiete sind jetzt schon auf Kunstschneeproduktion, verbunden mit dem hierzu notwendigen Wasser- und Stromeinsatz, angewiesen.

Es wurde eine Untersuchung des Effektes von künstlicher Beschneiung auf das Klima in ausgewählte Skigebieten in Tirol und der Steiermark durchgeführt, laut Studie "ermöglicht durch die Unterstützung des Fachverbandes der Seilbahnen Österreichs ... sowie der vom Land Steiermark finanzierten Eigenforschung der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbh".

Das Ergebnis war genau so, wie es im Interesse des Seilbahnen-Fachverbandes sein dürfte: die künstliche Beschneiung sei als klimaschützende Ausgleichsmaßnahme und somit als positiver Klimaeffekt zu bewerten.

Dieses Ergebnis wird seit einiger Zeiit von einer Innsbrucker Forschergruppe um Univ. Prof. Dr. Georg Kaser nach Überprüfung der Studie massiv kritisiert. Der wissenschaftliche Kodex ist mehrfach verletzt worden:

  • Es sei kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen worden
  • Die von der Studie verwendeten Datengrundlagen und Forschungsmethoden seien nicht nachvollziehbar, somit sei die Studie durch andere ForscherInnen in weiten Teilen auch nicht reproduzierbar.
  • Mehrere wichtige Faktoren seien außer Acht gelassen worden, somit sei eine seriöse Aussage über die Klimabilanz künstlicher Beschneiung gar nicht möglich.
  • Die Vorgangsweise der Autoren der Studie verursache einen großen Schaden für die Glaubwürdigkeit der österreichischen Forschungsgemeinde.

siehe dazu: 

https://www.uibk.ac.at/newsroom/offene-fragen-zum-einfluss-der-beschneiung-auf-das-klima.html.de

Diese Vorwürfe sind so gravierend, dass man sie nicht ignorieren darf. Und es handelt sich zudem um ein zu wichtiges Thema für unsere Zukunft, als das zweifelhafte Studien Ratgeber für politische Entscheidungen sein dürfen. Daher muss es im Interesse des Landes Steiermark als bedeutender Standort von Wissenschaft und Forschung und als 85%-Eigentümer der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbh sein, dass diese Vorwürfe zweifelsfrei geklärt werden.

Joanneum Research ist auch Mitglied der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) und hat sich damit zur Einhaltung der Richtlinien zur guten wissenschaftlichen Praxis verpflichtet.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

1. Wie hoch waren die finanziellen und anderen Mittel, die der Fachverband der Seilbahnen Österreichs einerseits und das Land Steiermark für die Studie zur Verfügung stellten? Gab es weitere Financiers mit welchen Mitteln?

2. Wer formulierte den Untersuchungsgegenstand des Effektes von künstlicher Beschneiung auf das Klima in ausgewählte Skigebieten? Wie lautete der Forschungsgegenstand laut Vertrag?

3. Wie wird vom Land Steiermark als Eigentümer grundsätzlich sichergestellt, dass das Joanneum Research den wissenschaftlichen Kodex bzw. wissenschaftliche Qualitätsstandards einhält?

4. Gibt es Grundsätze, Richtlinien und Mindeststandards des Landes Steiermark, die die Forschung über Drittmittelfinanzierung regeln, etwa betreffend Methodenwahl oder Publikationsverfahren?

5. Wie bewerten Sie die Kritik der Innsbrucker Klimaforscher im allgemeinen?

6. Wie bewerten Sie folgende Kritikpunkte der Innsbrucker Klimaforscher im Einzelnen:

  • Es sei kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen worden
  • Die von der Studie verwendeten Datengrundlagen und Forschungsmethoden seien nicht nachvollziehbar, somit sei die Studie durch andere ForscherInnen in weiten Teilen auch nicht reproduzierbar
  • Mehrere wichtige Faktoren seien außer Acht gelassen worden, somit sei eine seriöse Aussage über die Klimabilanz künstlicher Beschneiung gar nicht möglich
  • Die Vorgangsweise der Autoren der Studie verursache einen großen Schaden für die Glaubwürdigkeit der österreichischen Forschungsgemeinde

7. Welche Schritte werden Sie als zuständige Landesrätin setzen, um die ernsthaften Vorwürfe zu klären (z.B. durch die Beauftragung eines unabhängigen universitären oder außeruniversitären Gutachtens)?

8. Werden Sie die Forschungsgruppe um Univ. Prof. Dr. Georg Kaser einladen, zur Studie offiziell Stellung zu nehmen?

9. Sind sie bereit, ähnlich den Förderungsrichtlinien des Wissenschaftsfonds Österreich (FWF), eine entsprechende Überprüfung bei vermuteten Abweichungen von diesen Standards durch die OeAWI als Richtlinie - auch für drittmittelfinanzierte Forschung - zu setzen?


Unterschrift(en):
LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne)