LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1996/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 09.11.2017, 09:56:32


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Christopher Drexler
Frist: 09.01.2018

Betreff:
Ausbildungsplätze für Pflegepersonal in der Steiermark

Im Juli des vergangenen Jahres wurde vom Nationalrat die Reform des österreichischen Pflegekräfteausbildungssystems beschlossen. Künftig soll es in diesem Bereich drei Gruppen geben: Die Pflegeassistenz und die Pflegefachassistenz, deren Ausbildung weiterhin an den Krankenpflegeschulen von Statten gehen wird. Zudem wurde das Berufsbild des „gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege“  (kurz: DGKP, bisher die „diplomierte Pflegekraft“) geschaffen, wobei hierfür ausnahmslos eine Fachhochschul-Ausbildung notwendig sein wird. Ob das neue Modell letztlich zu einer Steigerung der Qualität bzw. zur Attraktivierung des Pflegeberufs beitragen kann, oder ob es sich doch als ineffiziente Systemänderung herausstellt, wird die Zukunft weisen. Angesichts aktueller Fallzahlen besteht allerdings zweifelsohne akuter Handlungsbedarf.

So berichtete der „ORF-Steiermark“ am 25. Oktober 2017 auf seiner Online-Plattform, dass sich der Pflegekräftebedarf in der Steiermark innerhalb weniger Jahre vervielfacht hat: „[…] Hatten 2008 gerade 18 Pflegerinnen ein Gewerbe in der Steiermark angemeldet, waren es 2013 schon 7.500 - und bis heute hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt: Rund 15.500 sogenannte ‚selbstständige Personenbetreuer‘ sind derzeit gemeldet. Nicht einmal zwei Prozent von ihnen kommen aus Österreich, sondern vor allem aus Rumänien, der Slowakei oder Kroatien, aber auch aus Ungarn, Polen oder Bulgarien.“ Nachdem Prognosen zufolge im Jahr 2050 jeder dritte Steirer über 65 Jahre alt sein wird, wird diese Entwicklung wohl weiter voranschreiten.

Ähnlich alarmierend liest sich ein Artikel des „Standard“ vom 25. Oktober dieses Jahres, der auf eine Studie des „Forschungszentrums in Laxenburg“ Bezug nimmt: „[…] 2047 werde voraussichtlich mehr als ein Fünftel der Frauen über 65 unter schweren körperlichen Einschränkungen leiden, heißt es in einer Studie des Forschungszentrums in Laxenburg, die nun im Fachblatt ‚BMJ Open‘ erschien. Auch jeder sechste Mann in der Altersgruppe wird betroffen sein.“ Und weiter: „Die Autoren der Studie erwarten dadurch wachsende Herausforderungen für Pflegepersonal und Privathaushalte und erhebliche Auswirkungen auf europäische Gesundheitssysteme. ‚Wir rechnen in den nächsten dreißig Jahren mit mehr Menschen über 65 mit schweren, langfristigen gesundheitlichen Einschränkungen‘, erklärt Daniela Weber, Forscherin des Wittgenstein-Zentrums und eine der Autorinnen der Studie. Durch die allgemein gestiegene Lebenserwartung der Europäer werde der Anteil der älteren Bevölkerung – mit oder ohne Behinderung – ohnehin rasant zunehmen.

Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, ob die Steiermark auf die kommenden Herausforderungen ausreichend gut vorbereitet ist. Fest steht jedenfalls, dass eine entsprechende Anzahl von Ausbildungsplätzen im Bereich der Pflege bereits heute sichergestellt sein muss. Inwiefern dies der Fall ist, soll unter anderem im Rahmen der gegenständlichen Anfrage geklärt werden.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie viele Pflegekräfte waren in den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2016 in KAGes-Einrichtungen beschäftigt (Aufschlüsselung nach den einzelnen Standorten und nach den einzelnen Jahren)?

  2. Welchen Berufsgruppen waren diese Pflegekräfte zuzurechnen (Pflegehilfen, diplomierte Pflegekräfte etc.)?

  3. Wie viele Pflegekräfte sind derzeit in KAGes-Einrichtungen beschäftigt (Aufschlüsselung nach den einzelnen Standorten)?

  4. Welchen Berufsgruppen sind diese Pflegekräfte zuzurechnen (Pflegehilfen, diplomierte Pflegekräfte etc.)?

  5. Wie viele dieser Pflegekräfte verfügen über keine österreichische Staatsbürgerschaft (Aufschlüsselung nach den einzelnen Standorten)?

  6. Wie viele Ausbildungsplätze für angehende Pflegekräfte gibt es derzeit an den steirischen Ausbildungsstandorten (Aufschlüsselung nach den einzelnen Ausbildungsstandorten)?

  7. In welchen Berufsgruppen werden diese Pflegekräfte ausgebildet (Pflegehilfen, diplomierte Pflegekräfte etc.)?

  8. Wie viele Bewerber hatten die steirischen Ausbildungsstandorte in den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2016 (Aufschlüsselung nach den einzelnen Ausbildungsstandorten und nach den einzelnen Jahren)?

  9. Wie viele Ausbildungsplätze für angehende Pflegekräfte gab es in den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2016 an den steirischen Ausbildungsstandorten (Aufschlüsselung nach den einzelnen Ausbildungsstandorten und nach den einzelnen Jahren)?

  10. Wie viele angehende Pflegekräfte haben in den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2016 ihre Pflegeausbildung an einem steirischen Ausbildungsstandort begonnen (Aufschlüsselung nach den einzelnen Ausbildungsstandorten und nach den einzelnen Jahren)?

  11. In welchen Berufsgruppen werden diese Pflegekräfte ausgebildet (Pflegehilfen, diplomierte Pflegekräfte etc.)?

  12. Wie viele Ausbildungsplätze für Pflegekräfte werden ab 2018 an den steirischen Ausbildungsstandorten zur Verfügung stehen (Aufschlüsselung nach den einzelnen Standorten)?

  13. Wie teilen sich diese Ausbildungsplätze auf die verschiedenen Pflegeberufsgruppen auf (Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz, DGKP)?

  14. Nach welchen Parametern wurde die Anzahl der Ausbildungsplätze festgelegt?

  15. Wurden bei der Festlegung auch Überlegungen hinsichtlich des angesichts der demografischen Entwicklung steigenden Bedarfs an Pflegekräften in den kommenden Jahrzehnten angestellt?

  16. Falls ja, inwiefern wurde dies bei der Anzahl der Ausbildungsplätze berücksichtigt?

  17. Wann plant das Land Steiermark, die Anzahl der Ausbildungsplätze in der Steiermark hinsichtlich einer potentiellen Erhöhung der Anzahl zu evaluieren?

  18. Von welchem jährlichen Bedarf an Pflegekräften gehen Sie bis zum Jahr 2020 aus?

  19. Kann dieser Bedarf Ihrer fachlichen Einschätzung nach mit österreichischen und dabei insbesondere mit in der Steiermark ausgebildeten Pflegekräften gedeckt werden?

  20. Falls nein, welche diesbezüglichen Lösungsansätze verfolgt die Landesregierung?

  21. Gibt es seitens des Landes Steiermark Erhebungen hinsichtlich des Bedarfs an Pflegekräften, die über das Jahr 2020 hinausgehen?

  22. Falls ja, wie weit in die Zukunft gehen diese Bedarfserhebungen und von welchem Bedarf geht das Land Steiermark in den kommenden Jahrzehnten aus?

  23. Kann dieser Bedarf ihrer fachlichen Einschätzung nach mit österreichischen und dabei insbesondere mit in der Steiermark ausgebildeten Pflegekräften gedeckt werden?

  24. Falls nein, welche diesbezüglichen Lösungsansätze verfolgt die Landesregierung?

  25. Gab es im Zuge der Umsetzung der GuKG-Novelle Überlegungen, Pflegeschulen bzw. FH-Lehrgänge für die Ausbildung zum DGKP zur Stärkung des ländlichen Raums in sämtlichen steirischen Bezirken anzubieten?

  26. Falls ja, wie stellten sich die diesbezüglichen Überlegungen dar und warum wurden diese wieder verworfen?

  27. Falls nein, warum gab es keine derartigen Überlegungen?

  28. Wann plant das Land Steiermark, die Ausbildungsstandorte in der Steiermark hinsichtlich der potentiellen Schaffung neuer Standorte zu evaluieren?


Unterschrift(en):
LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA (FPÖ)