LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2429/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 05.08.2022, 10:11:18


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß, Landesrätin Mag. Doris Kampus

Betreff:
Finanzielle Unterstützung bei der Inanspruchnahme von Notruftelefonen

Seit Jahrzehnten steigt das Durchschnittsalter der österreichischen Bevölkerung kontinuierlich an und lag per 1. Jänner 2022 bereits bei 43,2 Jahren. Zum Vergleich: Anfang der 2000er Jahre betrug dieses noch 39,7 Jahre, 1971 waren es 36,1 Jahre. Mittlerweile macht der Anteil der „65 und Mehrjährigen“ bereits knapp ein Fünftel aller in Österreich gemeldeten Menschen aus. (vgl. Daten der Statistik Austria, abrufbar unter https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/bevoelkerung/bevoelkerungsstand/bevoelkerung-nach-alter/geschlecht)

Diese demografische Entwicklung stellt unsere Gesellschaft vor zahlreiche ökonomische, sozial- und gesundheitspolitische Problemstellungen, auf die die heimische Politik Antworten finden muss. Zweifelsohne gibt es dabei keine Universallösung. Vielmehr bedarf es zahlreicher Maßnahmen und Schritte, die insgesamt zu einer Steigerung der Resilienz unseres Gesellschaftssystems beitragen können.

Eine der größten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Überalterung besteht wohl darin, Mittel und Wege zu finden, wie der überwiegende Teil der stetig wachsenden Gruppe der hochbetagten Menschen – sprich der Gruppe 80 Jahre und mehr – möglichst lange ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden führen kann. Dabei geht es nicht nur um jene Personen, die Hilfe bei der Bewältigung des Alltags brauchen beziehungsweise mobile Pflegeleistungen in Anspruch nehmen müssen, sondern vor allem auch um ältere Menschen, die zwar weitestgehend gesundheitlich und geistig weitgehend völlig fit sind, jedoch alleine und nicht selten in ländlichen Regionen weit entfernt von ihren jüngeren Familienmitgliedern leben.

Viele dieser Hochbetagten haben berechtigte Sorge, dass in einer Notsituation die Benachrichtigung der Rettungskräfte nicht mehr möglich ist. Schließlich sind Stürze oder Herz- und Kreislaufprobleme gerade in einem gewissen Alter keine Seltenheit, in deren Folge die selbstständige Verwendung eines Telefons oftmals unmöglich wird. Die Furcht vor derartigen Situationen veranlasst nicht wenige Menschen zur Aufgabe ihrer vertrauten Umgebung. Nicht selten wird sogar der eigentlich nicht notwendige Gang ins Pflegeheim beschritten.

Gerade zur Vorbeugung derartiger Konstellationen gibt es sogenannte Notruftelefone, wie sie etwa vom Hilfswerk Steiermark angeboten werden. Das System soll insbesondere alleine lebenden älteren Menschen oder physisch eingeschränkten Personen die Möglichkeit geben, im Notfall Hilfe rufen zu können sowie Angehörigen die Sorge um ihre Liebsten nehmen. Das Hilfswerk Steiermark Notruftelefon verspricht Sicherheit in den eigenen vier Wänden und das rund um die Uhr, verlässlich und auf Knopfdruck.

Konkret wird das System wie folgt beschrieben: „Das Hilfswerk Notruftelefon besteht aus einem Funksender, den Sie wie eine Armbanduhr oder eine Halskette immer bei sich tragen, und einem Basisgerät. Im Ernstfall reicht es, den Knopf auf dem Sender zu drücken und Sie sind sofort mit der Notrufzentrale des Hilfswerks verbunden – und das rund um die Uhr. Der Anschluss ist auch ohne Festnetztelefon möglich.

Das Hilfswerk Notruftelefon ist das Richtige für Sie, wenn Sie:

  • alleine leben oder öfters alleine zu Hause sind,
  • sturzgefährdet sind,
  • aus anderen Gründen Angst haben, zu stürzen oder sich selbst nicht mehr helfen zu können,
  • sich nach einer Operation oder Rehabilitation zu Hause nicht ganz sicher fühlen,
  • sich solche oder ähnliche Sorgen um Ihre/n Angehörige/n machen,
  • das entscheidende Plus an Sicherheit brauchen, um sich wohl zu fühlen,
  • sich gerne im Garten oder in der Natur aufhalten und sportlich aktiv sind.“

Neben einer stationären steht auch eine mobile Version zur Verfügung, die das Sicherheitsgefühl der Kunden auch abseits der eigenen vier Wände erhöhen soll. Das mobile Notruftelefon ermögliche dabei etwa wieder unbeschwert die Natur genießen oder alleine einkaufen gehen zu können und das stets mit dem beruhigenden Gefühl, dass im Notfall sofort und überall geholfen werden könne.

Die Kosten für die Inanspruchnahme der Serviceleistungen betragen je nach gewählter Variante zwischen 25,40 und 37 Euro pro Monat, wobei eine einmalige Anschlussgebühr in Höhe von 30 Euro verrechnet wird. In diesen Kostenbeiträgen sind die 24-Stunden-Erreichbarkeit, das Aufstellen und die Wartung des Geräts, Batterie- und Armbandtausch sowie bei Bedarf Ersatzgeräte inkludiert. (Quelle: https://www.hilfswerk.at/steiermark/pflege-und-betreuung/weitere-angebote/notruftelefon)

Das Notruftelefon des Hilfswerks Steiermark ist zweifelsohne eine hervorragende Möglichkeit, die Sicherheit und Unabhängigkeit älterer Personen wesentlich zu erhöhen und damit auch Familienmitglieder zu entlasten. Insofern muss es im Interesse der politischen Verantwortungsträger sein, derartige Systeme zu unterstützen bzw. deren Inanspruchnahme zu fördern. Offensichtlich gibt es in der Steiermark jedoch keine explizite finanzielle Unterstützung bei den monatlichen Kosten. Im Unterschied dazu haben niederösterreichische Mindestpensionsbezieher und Personen mit Pflegegeldanspruch die Möglichkeit, um Mietkostenzuschuss anzusuchen, wobei in diesen Fällen die monatlichen Kosten vom Land Niederösterreich übernommen werden. (Quelle: https://www.hilfswerk.at/niederoesterreich/hilfe-und-pflege-daheim/service-sicherheit/mobiles-notruftelefon)

Das Land Steiermark sollte sich an Niederösterreich ein Beispiel nehmen und ebenfalls entsprechende Unterstützungsmodelle für die Nutzung von stationären und mobilen Notruftelefonen, wie sie das Hilfswerk zur Verfügung stellt, anbieten. Von Vorteil wären die vermehrte Nutzung derartiger Systeme jedenfalls für alle Seiten: Zahlreiche betagte Personen würden mehr Unabhängigkeit genießen, die Angehörigen hätten ein erhöhtes Sicherheitsgefühl in Hinblick auf das Wohlergehen ihrer Verwandten und die öffentliche Hand würde durch die zu erwartende geringere Inanspruchnahme von Betreuungseinrichtungen finanziell sogar entlastet.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. nach dem Vorbild des Landes Niederösterreich die Inanspruchnahme von stationären und mobilen Notruftelefonen, wie sie etwa das Hilfswerk Steiermark anbietet, finanziell zu fördern und
  2. dem Landtag Steiermark über die dahingehend erfolgten Schritte innerhalb eines halben Jahres zu berichten.

Unterschrift(en):
LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ)