LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2274/1

Schriftliche Anfrage an ein Mitglied der Landesregierung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 20.05.2022, 12:47:26


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Frist: 20.07.2022

Betreff:
Medikamentenmissbrauch in der Steiermark im Jahr 2021

Im seitens der Landesregierung Mitte Dezember des vergangenen Jahres vorgelegten „Suchtbericht Steiermark 2021“ (EZ/OZ: 1870/1) wird dem Bereich Medikamentenmissbrauch in einem eigenen Kapitel umfassend Platz eingeräumt. So werden unter anderem Abhängigkeiten nach Altersgruppen, Geschlechtern und Regionen, Arzneien mit besonders hohem Abhängigkeitspotential wie etwa Benzodiazepinen (sogenannte „Benzos“) sowie Krankenhausaufenthalte aufgrund von Medikamentenmissbrauch näher beleuchtet.

Laut dem Bericht zeige sich im zeitlichen Verlauf, dass die Anzahl der Verordnungen von Benzodiazepinen und Medikamenten mit ähnlichen Wirkstoffen zwar insgesamt zurückgehe, die Abschätzung einer missbräuchlichen Verwendung von Medikamenten durch eine Bevölkerungsbefragung oder durch die Analyse von Medikamentenverschreibungen aber nur mit Einschränkungen möglich sei. Dies vor allem, weil die Einnahme von entsprechenden Medikamenten in vielen Fällen indiziert und daher nicht mit Missbrauch im Sinne eines suchthaften Verhaltens gleichzusetzen sei. Die Erarbeitung einer besseren Datenlage zu suchthaftem Medikamentenkonsum sowohl im High-dose- als auch im Low-dose-Bereich ist laut dem Expertenpapier für die Weiterentwicklung spezifischer Angebote jedenfalls erstrebenswert.

Medikamentensucht als „Sucht im Verborgenen“ scheint sich vor allem bei Frauen und älteren Menschen zu bestätigen. In dem Zusammenhang ist auch der Pflegebereich besonders angesprochen, Kompetenz im Bereich Medikamentensucht aufzubauen bzw. weiterzuentwickeln. Diesbezüglich wird im Bericht auf das Projekt „Die verschwiegene Sucht 2.1 – Medikamentenabhängigkeit kann jeden treffen“ verwiesen, welches dieses Thema aufgreifen und geplanter Weise 2022 starten sollte. Ziel sei dabei unter anderem, den gesellschaftlichen Diskurs zur Medikamentenabhängigkeit anzuregen und Multiplikatoren aus dem Gesundheitsbereich und dem Sozialbereich zu sensibilisieren.

Die erwähnten Vorhaben sind zweifelsohne begrüßenswert, zumal insbesondere die missbräuchliche Verwendung von Benzodiazepinen vermehrt ein Problem darstellt. So berichtete „Vorarlberg Online“ Mitte April dieses Jahres, dass Medikamentenmissbrauch bei Jugendlichen, vor allem als Partydrogen, in Vorarlberg in den letzten Jahren vermehrt aufgetreten sei. „Der ‚Rausch auf Rezept‘, konkret handelt es sich meist um Benzodiazepine (‚Benzos‘) oder sogenannte ‚Z-Drugs‘ erlebt auch angesichts Erwähnungen in zahlreichen Songs aus dem Hip-Hop- oder Trap-Bereich einen traurigen Höhepunkt. Gerade Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Drogen kann aber zu Herz- oder Atemstillstand führen und das tödliche Ende einer Partynacht bedeuten. […]“ (Quelle: https://www.vol.at/benzos-lr-ruescher-warnt-vor-toedlichem-mischkonsum/7376029)

Es ist zu befürchten, dass sich die Situation in den vergangenen Monaten bzw. im Jahr 2021 auch in der Steiermark kaum verbessert hat, zumal die Corona-Krise bzw. monatelange Lockdowns problematisches Suchtverhalten wohl noch weiter gefördert haben. Wie sich die Datenlage aktuell darstellt bzw. welche Trends derzeit zu beobachten sind, soll unter anderem durch die gegenständliche Anfrage geklärt werden.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie viele Menschen sind in der Steiermark nach neuesten Schätzungen von Medikamenten abhängig?
  2. Von wann stammen diese Schätzungen und inwiefern ist geplant, neue Daten hinsichtlich der Gesamtzahl erheben zu lassen?
  3. Inwiefern wurde das bundesweite einheitliche System zur Dokumentation von Klienten in Sucht- und Drogeneinrichtungen (DOKLI) – wie in Ihrer Anfragebeantwortung EZ/OZ: 1301/2 angekündigt – um den Bereich „Medikamente“ erweitert?
  4. Falls dies noch nicht geschehen ist, warum nicht und wann wird die Erweiterung endlich erfolgen?
  5. Inwiefern wurde seit der Veröffentlichung des „Suchtberichts Steiermark 2021“ (EZ/OZ: 1870/1) an der Erarbeitung einer besseren Datenlage zu suchthaftem Medikamentenkonsum sowohl im High-dose- als auch im Low-dose-Bereich für die Weiterentwicklung spezifischer Angebote gearbeitet, zumal dies laut dem Bericht „jedenfalls erstrebenswert“ sei?
  6. Wie stellen sich die bisherigen Ergebnisse dieser Arbeiten konkret dar?
  7. Inwiefern gibt es Erhebungen bzw. Untersuchungen wie sich die Corona-Krise und die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie auf den missbräuchlichen Konsum von Medikamenten ausgewirkt haben?
  8. Werden Sie sich für die Erarbeitung weiterer Studien – entweder durch Ihr Ressort oder durch andere Einrichtungen – einsetzen, die sich mit der Aufarbeitung der Corona-Krise bzw. der zur Bekämpfung der Pandemie ergriffenen Maßnahmen im Hinblick auf konkrete Auswirkungen auf missbräuchlichen Konsum von Medikamenten wissenschaftlich auseinandersetzen?
  9. Falls ja, wie stellen sich Ihre dahingehenden Pläne dar?
  10. Falls nein, warum sehen Sie dazu keine Notwendigkeit?
  11. Wie viele Todesfälle waren in den Jahren 2020 und 2021 in der Steiermark einem missbräuchlichen Konsum von Medikamenten direkt zuordenbar und wie teilten sich diese Fälle auf die steirischen Bezirke in den jeweiligen Jahren auf?
  12. Falls zu 2021 noch keine Zahlen vorliegen, warum nicht und wann wird dies der Fall sein?
  13. Wie viele Fälle einer bleibenden Gesundheitsschädigung (bspw. dauerhafte Einschränkung der kognitiven und/oder der motorischen Fähigkeiten etc.) waren in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2021 in der Steiermark einem missbräuchlichen Konsum von Medikamenten direkt zuordenbar?
  14. Falls dazu keine Zahlen und Daten vorliegen, warum nicht und werden Sie diese erheben lassen?
  15. Wie viele Personen befanden sich in der Steiermark im Jahr 2021 aufgrund ihrer Medikamentenabhängigkeit in einer KAGes-Einrichtung in Behandlung (Aufgeschlüsselt nach ambulanter und stationärer Behandlung)?
  16. Welche Kosten sind im Jahr 2021 aufgrund der Behandlung von Medikamentenabhängigen in KAGes-Einrichtungen erwachsen?
  17. Wie stellt sich die Verteilung nach Alter, Geschlecht und Wohnort von den in der Steiermark in Behandlung befindlichen Personen im Jahr 2021 dar?
  18. Welche Kategorien von Medikamenten wurden von diesem Personenkreis konsumiert?
  19. Welche neuen Suchtpotentiale bzw. neuen „Trends“ im Bereich des Medikamentenmissbrauchs waren in jüngster Vergangenheit zu verzeichnen?
  20. Welche besonderen Problemstellungen gehen mit diesen neuen Suchtpotentialen bzw. neuen „Trends“ einher?
  21. Welche Medikamente bergen in der Steiermark, aus Sicht Ihres Ressorts, nach neuesten Untersuchungen generell das größte Suchtpotential?
  22. Von wann stammen diese Untersuchungen und inwiefern ist geplant, neue Daten erheben zu lassen?
  23. Welche (neuen) Behandlungswege bzw. -therapien stellten sich im Jahr 2021 bei der Behandlung von Medikamentenabhängigen als besonders erfolgreich heraus?
  24. Welche Präventionsmaßnahmen wurden im Jahr 2021 bzw. bisher im Jahr 2022 durch das Land Steiermark und den Gesundheitsfonds Steiermark gesetzt, um Medikamentenmissbrauch vorzubeugen?
  25. Inwiefern wurde dabei ein besonderer Fokus auf Medikamentenmissbrauch bei Jugendlichen – insbesondere durch sogenannte „Partydrogen“ wie „Benzos“ und „Z-Drugs“ – gelegt?
  26. Wie stellt sich der Umsetzungsstand beim Projekt „Die verschwiegene Sucht 2.1 – Medikamentenabhängigkeit kann jeden treffen“ aktuell dar?
  27. Inwiefern haben sich die Umsetzungsplanungen in den vergangenen Monaten geändert?
  28. Welche Vereine, Institutionen und Unternehmen wurden im Jahr 2021 für die Durchführung von Präventionsmaßnahmen vom Land Steiermark subventioniert?
  29. In welcher Höhe wurden Finanzmittel seitens des Landes Steiermark im Jahr 2021 zur Bekämpfung des Medikamentenmissbrauchs zur Verfügung gestellt?
  30. Wofür wurden diese Mittel in welcher Höhe konkret eingesetzt (beispielsweise Personalkosten, Flyer, Seminare etc.)?
  31. Falls dazu keine detaillierte Antwort möglich ist, warum nicht?
  32. Wurden auch im Jahr 2021 Präventionsmaßnahmen und Therapieprogramme in allen steirischen Regionen angeboten?
  33. Falls ja, wie stellten sich diese in den jeweiligen Regionen konkret dar?
  34. Wird die aus dem Jahr 2011 stammende Strategie „Die neue steirische Suchtpolitik“ durch eine moderne und auf die aktuellen Problemstellungen eingehende Strategie abgelöst werden?
  35. Falls ja, wann und inwiefern soll dies geschehen?
  36. Falls nein, warum sehen Sie dazu keine Notwendigkeit?
  37. Inwiefern bzw. in welchem Ausmaß wurden in den steirischen Krankenanstalten in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2021 verschreibungspflichtige Medikamente vorschriftswidrig entwendet (Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Krankenanstalten und den jeweiligen Jahren)?
  38. Um welche Medikamente handelte es sich dabei konkret (Aufgeschlüsselt nach der Anzahl der in den einzelnen Krankenanstalten in den jeweiligen Jahren entwendeten Arzneien, untergliedert nach Medikamentenarten – z.B. Schlafmittel, Schmerzmittel etc.)?
  39. Wie werden derartige Entwendungen üblicherweise festgestellt (bspw. im Rahmen einer täglichen/wöchentlichen Inventur, von speziell geschuldeten Mitarbeitern, zufällig etc.)?
  40. Wie stellt sich das KAGes-interne Prozedere bei derartigen Entwendungen dar (etwa standardisierte Mitarbeiterbefragungen, Verständigung der Polizei, zwingende dienstrechtliche Konsequenzen etc.) und in welchen Dokumenten ist dieses Prozedere verankert?
  41. Inwiefern wurde das KAGes-interne Prozedere bei derartigen Entwendungen in den vergangenen fünf Jahren überarbeitet und aus welchen Gründen geschah dies?
  42. Ist aktuell eine Evaluierung des KAGes-internen Prozedere bei derartigen Entwendungen in Planung und falls ja, wie stellen sich die dahingehenden Überlegungen derzeit dar?
  43. Wird die vorschriftswidrige Entwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten stets zur Anzeige gebracht?
  44. Falls nein, wann war dies in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2021 aus welchen konkreten Gründen nicht der Fall?
  45. Wie viele in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2021 erfolgte vorschriftswidrige Entwendungen von verschreibungspflichtigen Medikamenten konnten aufgeklärt werden (Aufgeschlüsselt nach der Anzahl der in den einzelnen Krankenanstalten in den jeweiligen Jahren entwendeten Arzneien, untergliedert nach Medikamentenarten – z.B. Schlafmittel, Schmerzmittel etc.)?
  46. Durch welche Personengruppen bzw. Berufsgruppen erfolgten diese aufgeklärten vorschriftswidrigen Entwendungen von verschreibungspflichtigen Medikamenten in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2021 (Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Krankenanstalten, den jeweiligen Jahren, nach Medikamentenarten sowie nach den Gruppen Ärzte, Pflegepersonal, sonstiges Krankenhauspersonal, Patienten, Besucher, externe Dienstleister und sonstige Personen)?
  47. Welche dienstrechtlichen Konsequenzen hatten die in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2021 festgestellten vorschriftswidrigen Entwendungen von verschreibungspflichtigen Medikamenten für Spitalsmitarbeiter – etwa Verwarnungen, Versetzungen, Kündigungen, Entlassungen etc. (Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Krankenanstalten, den jeweiligen Jahren sowie nach den Berufsgruppen Ärzte, Pflegepersonal, sonstiges Krankenhauspersonal)?
  48. Wie viele in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2021 erfolgte vorschriftswidrige Entwendungen von verschreibungspflichtigen Medikamenten konnten nicht aufgeklärt werden (Aufgeschlüsselt nach der Anzahl der in den einzelnen Krankenanstalten in den jeweiligen Jahren entwendeten Arzneien, untergliedert nach Medikamentenarten – z.B. Schlafmittel, Schmerzmittel etc.)?

Unterschrift(en):
LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ)