LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1005/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 11.02.2021, 08:44:59


Zu:
1005/1 Wie ist die Lage der Schulsozialarbeiter_innen und Schulpsycholog_innen in der Steiermark?
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Beilagen: 18_1005_2.pdf

Betreff:
Wie ist die Lage der Schulsozialarbeiter_innen und Schulpsycholog_innen in der Steiermark?

Die Anfrage vom 11.12.2020, Einl.Zahl 1005/1 der Abgeordneten LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc und LTAbg. Robert Reif betreffend "Wie ist die Lage der Schulsozialarbeiter_innen und Schulpsycholog_innen in der Steiermark?" beantworte ich wie folgt:

Frage 1

Wie erfolgt die Auswahl, welche Pflichtschulen von Schulsozialarbeiter_innen begleitet werden, wenn sich die Schulsozialarbeit nicht auf eine spezielle Zielgruppe wie Kinder aus sozial schwachen Familien, Schüler_innen mit erhöhten Förderbedarf oder benachteiligte Kinder und Jugendliche konzentriert?

Die Entscheidung, an welchen Schulstandorten der Bildungsregion bzw. im Bezirk und in welchem Stundenausmaß an den jeweiligen Standorten Schulsozialarbeit durchgeführt wird, kommt dem Land Steiermark gemeinsam mit den Leiter_innen der Bezirksverwaltungsbehörden sowie den jeweiligen Sozialhilfeverbänden unter Einbeziehung der Schulqualitätsmanager_innen der Bildungsregion zu.

 

Frage 2

Warum wird davon ausgegangen, dass die anderen Pflichtschulen keinen Bedarf an Schulsozialarbeiter_innen haben?

Als Präventivhilfe gem. StKJHG (Steiermärkisches Kinder- und Jugendhilfegesetz) arbeitet Schulsozialarbeit prinzipiell mit allen Kindern- und Jugendlichen abseits einer Problemfokussierung.  Es liegt in der Natur der Sache, dass der diesbezügliche Betreuungsbedarf je nach Standort variiert – danach richtet sich in der Folge auch die Schwerpunktsetzung.

 

Frage 3

Wie erfolgt die Finanzierung der Schulsozialarbeiter_innen konkret? (Bitte um Aufschlüsselung, wie viele finanziellen Mittel vom Land, von der Stadt, von Gemeinden und wie viel von den Sozialhilfeverbänden kommen)

Die Finanzierung erfolgt gemäß § 41 Abs. 2 StKJHG zu 60% über das Land Steiermark und zu 40% über die Sozialhilfeverbände und die Stadt Graz finanziert.

 

 

Budgetbedarf:

 

Sj. 2018/19

Sj. 2019/20

Sj. 2020/21

Anteil Land

€ 1.656.134,10

€ 1.686.892,90

€ 1.720.221,40

Anteil SHV’s

€ 1.104.089,40

€ 1.124.595.30

€ 1.146.814.30

Gesamt

€ 2.760.223,50

€ 2.811.488,20

€ 2.867.035.70

 

Frage 4

Wie hoch sind die Ausgaben für die Schulsozialarbeiter_innen insgesamt?

Siehe Beantwortung Frage 3.

 

Frage 5

Werden neben Schulsozialarbeiter_innen auch Schulpsycholog_innen über Mittel des Landes, der Stadt, der Gemeinden oder der Sozialhilfeträger finanziert?

Wenn nein, warum nicht?

Wenn nein, wie werden Schulpsycholog_innen dann finanziert?

Ich darf diesbezüglich auf meine Beantwortung der Dringlichen Anfrage im Rahmen der Landtagssitzung vom 2.2.2021 verweisen. Auch wenn es sich um „steirische Schulen“ handelt, so ist die Schulpsychologie gem. Art 14 B-VG in Gesetzgebung und Vollziehung eine Aufgabe des Bundes.  An steirischen Pflicht- und Berufsschulen sind 27 Schulpsychologen und -psychologinnen im Einsatz. Aufgrund der großen Anzahl an BerufsschülerInnen und der spezifischen Anforderungen wurde jedoch in der Steiermark bereits im Jahr 1982 eine eigene psychologische Lehrlingsberatung für die steirischen Landesberufsschulen und Lehrlingsheime eingerichtet. Diese drei Mitarbeiterinnen sind qualifizierte klinische und Gesundheitspsychologinnen. Somit stehen insgesamt 30 Personen in diesem Bereich zur Verfügung. Diese Personen sind an allen Pflicht– und Berufsschulen tätig.

 

Frage 6

Wie viele Schulpsycholog_innen gibt es in der Steiermark? (Bitte um Aufschlüsselung nach VZÄ und Personen)

Siehe Beantwortung Frage 5.

 

Frage 7

Wie viele Schulen werden durch Schulpsycholog_innen begleitet?

Siehe Beantwortung Frage 5.

Frage 8

Wie viele VZÄ/Personen sind bei den in der Bildungsdirektion verankerten psychosozialen und sonderpädagogischen Unterstützungssystemen beschäftigt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Profession, sowie in der Stellungnahme angegeben: Beratungslehrer_innen, Schulpsycholog_innen, Diversitätsmanager_innen, Sonderpädagog_innen)

Auch dieser Bereich obliegt in Gesetzgebung und Vollziehung dem Bund.

  • Beratungslehrer_innen:

    •  in VZÄ: 16

    • Anzahl der Personen: 22

  • Diversitätsmanager_innen:

    • in VZÄ: 14

    • Anzahl der Personen: 14

  • Schulpsycholog_innen

    • in VZÄ: 18 Personen

    • Anzahl der Personen: 21

  • Österreichische Zentrum für psychologische Gesundheitsförderung im Schulbereich (ÖZPGS)

    • VZÄ: 6

    • Anzahl der Personen: 6

 

Frage 9

Wie werden diese Stellen finanziert?

Lehrer_innen mit Sonderfunktion (Beratungslehrer_innen, Sonderpädagog_innen) werden aus dem Stellenplan (Bundesmittel, mit denen die Landeslehrer_innen finanziert werden) bedeckt. Diversitätsmanager_innen und Schulpsycholog_innen sind Bundesbedienstete und werden demgemäß auch über den Bund finanziert.

 

Frage 10

Die aktuelle Ausschreibungsperiode erstreckt sich lt. Stellungnahme bis 2021, eine optionale Verlängerung wäre bis 2023 möglich. Gibt es bereits eine Entscheidung, ob die Periode bis 2023 verlängert wird?

Da aus dieser Fragestellung nicht hervorgeht, für welche der in der Anfrage angesprochenen Strukturen gemeint ist, wird davon ausgegangen, dass sich die Frage auf die Schulsozialarbeit des Landes Steiermark bezieht. Die Option auf Vertragsverlängerung für das Schuljahr 2021/22 wird diesbezüglich gerade geprüft.

Frage 11

Wie viele Kräfte des Unterstützungspersonals sind auf Lehrerdienststellen beschäftigt?

Die 23 ursprünglich beim ÖZPGS angestellten Personen wurden ab dem Sommersemester 2019/20 von der Bildungsdirektion mittels Sonderverträgen angestellt. Die Finanzierung erfolgt aus dem zur Verfügung stehenden LehrerInnenkontingent. Die im Punkt 8 angeführten Beratungslehrer_innen, die als Unterstützungspersonal tätig sind, werden im Rahmen eines Dienstverhältnisses mit einem Sondervertrag als Landeslehrpersonen (Beratungslehrpersonen) beschäftigt.

 

Frage 12

Ist in der Steiermark ebenso Unterstützungspersonal, welches beim ÖZPGS angemeldet ist und für das die Finanzierung mit den Bund geteilt wird, tätig?

Wenn nein, warum nicht?

Siehe Beantwortung Frage 11.

 

Frage 13

Wie viele Sprachförderkräfte sind in der Steiermark im Rahmen der Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und den Ländern über die Elementarpädagogik für die Kindergartenjahre 2018/19 bis 2021/22 tätig? (Bitte um Aufschlüsselung nach VZÄ und Personen)

Im Rahmen der Frühen Sprachförderung in Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen wurden in der Steiermark drei unterschiedliche Modelle implementiert. Alle drei Modelle haben die Frühe Sprachförderung zum Ziel, verfolgen jedoch unterschiedliche Aufgabenschwerpunkte und unterscheiden sich beim Einsatz des zusätzlichen Personals.

Das erste Modell umfasst die Fachberater_innen „Frühe Sprachförderung“, die steiermarkweit in den elementaren Bildungseinrichtungen tätig sind. Das zweite Modell sieht die Unterstützung der Kinder mit spezifischen Sprachförderbedarf durch zusätzliche Sprachförderkräfte unter Einbeziehung von Erhalter_innen/Träger_innen von steirischen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen vor. Hierfür haben Erhalter_innen/Träger_innen von institutionellen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen die Möglichkeit, im Rahmen eines Calls auf Basis der Ergebnisse der zweimal jährlich stattfindenden Sprachstanderhebungen um Zuzahlungen zu den Personalkosten anzusuchen.

Das dritte Modell beinhaltet die Unterstützung von Kindern mit spezifischen Sprachförderbedarf in den Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen durch mobile Sprachförderkräfte, die beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung angesiedelt sind.

In der folgenden Tabelle wird die Anzahl der Förderkräfte angeführt. Die im ersten und dritten Modell tätigen Fachkräfte sind beim Land Steiermark beschäftigt. Fachkräfte im Modell 2 sind über Erhalter_innen/Träger_innen von Kinderbildungs- und –betreuungseinrichtungen beschäftigt, hier werden ebenso Anzahl der Personen und VZÄ (40 Std. pro Woche, 52 Wochen pro Jahr) angeführt:

 

Modell 1

Modell 2

Modell 3

2018/19

14 Personen; 12,85 VZÄ

 

119 Personen;

VZÄ von 28,98*

4 Personen;

2,8 VZÄ

2019/20

16 Personen; 15,75 VZÄ

164 Personen;

VZÄ von 47,94

 

3 Personen;

2,4 VZÄ

2020/21

Stand Dezember 2020: 16 Personen

14,75 VZÄ

Stand Dezember 2020:

125 Personen

Aufgrund der unterschiedlichen Anstellungsvoraussetzungen (Dauer und Stundenausmaß) kann derzeit noch keine Aussage zu den VBÄ getroffen werden. **

 

3 Personen;

2,4 VZÄ

*Das geringere Ausmaß an VZÄ im Modell 2 im Kindergartenjahr 2018/19 ergibt sich dadurch, dass die Vereinbarung nach Art. 15a B-VG über die Elementarpädagogik erst im Dezember des Jahres 2018 abgeschlossen wurde. Dementsprechend war es vielen ErhalterInnen/TrägerInnen erst spät im laufenden Kindergartenjahr möglich, Sprachförderkräfte einzusetzen.

**Für das Kindergartenjahr 2020/21 wurde den Förderungsverträgen entsprechend ein Kontingent an 74,8 VBÄ an FörderungsnehmerInnen vergeben. Inwieweit dieses Kontingent tatsächlich ausgeschöpft wird, kann aktuell noch nicht festgestellt werden.

 

Frage 14

Wie wird die Finanzierung der Sprachförderkräfte mit Ende der Vereinbarung nach 2022 weiterlaufen?

Eine Beantwortung dieser Frage ist derzeit von Seiten der Abteilung 6, Referat Kinderbildung und -betreuung, nicht möglich. Aktuell werden die Maßnahmen zur Frühen Sprachförderung, die primär den Einsatz von Sprachförderkräften umfassen, im Rahmen der Vereinbarung nach Art. 15a B-VG über die Elementarpädagogik finanziert.

 

Frage 15

Gibt es noch weitere Sprachförderungskräfte, die an steirischen Schulen und Kindergärten tätig sind und durch Mittel des Landes finanziert werden?

Wie bereits zu Frage 13 ausgeführt, können hinsichtlich der Frühen Sprachförderung in steirischen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen drei unterschiedliche Modelle differenziert werden. Dabei kommen auch Sprachförderkräfte zum Einsatz, die beim Land Steiermark angesiedelt sind. Darüber hinaus werden keine weiteren Sprachförderkräfte durch Mittel des Landes finanziert.

 

Frage 16

Gibt es bei der Bildungsdirektion auch Stellen für Native Speaker, welche den Fremdsprachenunterricht unterstützen?

Wenn ja, wie viele VZÄ/Personen?

Wenn nein, warum nicht?

Wenn nein, wie werden Native Speaker im Fremdsprachenunterricht finanziert?

Wenn nein, wird angedacht, Stellen für Native Speaker zur Unterstützung im

Fremdsprachenunterricht bei der Bildungsdirektion künftig anzusiedeln?

Auch dieser Bereich obliegt in Gesetzgebung und Vollziehung dem Bund.

  • In VZÄ: 27

  • Anzahl der Personen: 49, davon 32 Personen/20 VZÄ für den muttersprachlichen Unterricht

Zusätzlich werden Native Speaker von Elternvereinen und Sponsoren finanziert. Die Anzahl dieser Personen ist nicht bekannt, da sie nicht im Stellenplan aufscheinen.

 

Frage 17

An welchen Schulen in der Steiermark unterstützen Native Speaker den Unterricht? (Bitte um Aufschlüsselung nach Fremdsprache, Schule und Bezirk)

Siehe Beantwortung Frage 16.

 

Frage 18

Welche anderen Maßnahmen werden gesetzt, um den Schüler_innen möglichst akzentfrei eine Fremdsprache zu vermitteln?

Die gegenständliche Frage betrifft das Schulunterrichtsgesetz, also eine Angelegenheit der Pädagogik. Gemäß Artikel 14 Bundes-Verfassungsgesetz ist die Gesetzgebung und Vollziehung auf dem Gebiet des Schulwesens, insbesondere in Angelegenheiten der Pädagogik, Bundessache. Daher kann seitens der Bildungsdirektion dem Landtag keine Auskunft gegeben werden.

 

 

 

 

Landesrätin Drin Juliane Bogner-Strauß