LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 657/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 09.07.2020, 17:02:33


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Doris Kampus
Frist: 09.09.2020

Betreff:
Gewaltschutz von Kindern und Jugendlichen während und nach der Corona-Pandemie

Die Corona-Krise hat uns alle, vor allem aber unsere Kinder und Jugendlichen, stark gefordert. Wir alle wurden aus unserem gewohnten Alltag gerissen und fanden uns plötzlich in der Situation wieder, deutlich mehr Zeit daheim zu verbringen. Die ungewohnten Herausforderungen und Ängste haben nicht nur zu einer vermehrten psychischen Belastung geführt, sondern auch zu einem deutlichen Anstieg von Gewalt innerhalb von Familien. 

Das wird auch seitens der Hotline “Rat auf Draht” bestätigt, die während der Coronakrise rund ein Drittel mehr Anrufe verzeichnete (https://www.sos-kinderdorf.at/aktuelles/themen/familientipps/psychische-problem). Auch die Tatsache, dass es während dieser Zeit in anderen Bundesländern zu vermehrten Betretungsverboten gekommen ist, zeigt, dass das Gewaltpotenzial vor allem in Familien merklich angestiegen ist (https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/mehr-gewalt-in-corona-zeit-deutlich-mehr-betretungsverbote/400944539https://volksblatt.at/coronavirus-mehr-meldungen-ueber-haeusliche-gewalt-in-salzburg/).

Unter anderem ist das darauf zurückzuführen, dass sowohl Eltern als auch Kinder ihre gewohnten Rückzugsmöglichkeiten während den Zeiten des Home-Schoolings und des Home-Office verloren haben. Unsicherheiten und Ängste betreffend die derzeitige Situation führen oftmals dazu, dass Spannungen und Konflikte in Familien eskalieren. Gewalt an Kindern und Jugendlichen wird auch oft von Außenstehenden, wie Lehrer_innen, Bekannten oder Nachbarn, entdeckt. Durch den verringerten Kontakt zu Menschen außerhalb des engen Familienkreises werden aber viele Fälle von physischem oder psychischem Missbrauch an Kindern nicht bemerkt und gemeldet. 


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie viele Gefährdungsmeldungen gingen bei Schutz-und Hilfseinrichtungen des Landes Steiermark seit Beginn des Jahres 2020 monatlich ein und wie verhalten sich die Zahlen verglichen mit jenen des Jahres 2019? Bitte um Auflistung nach Monat, Bezirk und Vergleich mit den jeweiligen Vorjahreszahlen.
    1. Wie viele davon betreffen jeweils Kinder und Jugendliche? 
  2. Um welche Art von Meldungen handelt es sich bei den Gefährdungsmeldungen jeweils? (z.B. Belästigung, Drohung, Körperverletzung) Bitte um Angabe in Prozent und Art der Meldung. 
  3. Welche konkreten Maßnahmen wurden seitens der Landesregierung ergriffen, um die physische und psychische Gesundheit der Kinder während und nach der Krisenzeiten sicherzustellen?
    1. Wie hoch sind die budgetierten Mittel dafür?
    2. Wie hoch waren tatsächlich getätigten Ausgaben dafür?
  4. Gibt es seitens des Landes Steiermark konkrete Maßnahmen bzw. sind konkrete Maßnahmen geplant, um die Kinder in Schulen zusätzlich psychisch zu betreuen?
    1. Wie hoch sind die budgetierten Mittel dafür?
    2. Wie hoch waren tatsächlich getätigten Ausgaben dafür?
  5. Mit Beschluss von 23.04.2020 hat die Landesregierung die Einrichtung von Krisenwohnungen als zusätzliches Gewaltschutzangebot für Frauen und Kinder in Krisensituationen angekündigt.
    1. Wie viele dieser Wohnungen wurden bereits eingerichtet? 
    2. Werden noch weitere Wohnungen eingerichtet?
    3. Wenn ja, wie viele ?
    4. Wenn nein, wieso nicht?
    5. In welchen Bezirken befinden sich diese Wohnungen? Bitte um Auflistung nach Bezirk und Anzahl.
    6. Wie viele Gewaltopfer wurden bereits in diesen Wohnungen untergebracht?
    7. Über welchen Zeitraum bleiben die betroffenen Personen durchschnittlich in diesen Wohnungen?
    8. Wie hoch sind die jährlich dafür aufzuwendenden Gesamtkosten pro Wohnung bzw.  wie viel wurde dafür budgetiert?
  6. Hat das Land Steiermark darüber hinaus seine Angebote bezüglich Schutz- und Hilfseinrichtungen für Kinder und Jugendliche im Zuge der COVID-19 Pandemie erweitert?
  7. In Tirol wird automatisch eine Gefährdungsmeldung an die Kinder- und Jugendhilfe erstattet, wenn Kinder für die Schule unerreichbar sind.
    1. Gibt es so eine Vorgangsweise auch in der Steiermark?
    2. Wenn ja, wie sieht die Vorgehensweise aus?
    3. Wenn nein, wieso nicht?
    4. Wenn nein, ist die Schaffung eines solchen Meldungsmechanismus geplant?
  8. Wie stellt sich die Situation in den sogenannten Krisen-WGs für Jugendliche in der Steiermark dar?
    1. Wie stark waren diese seit Beginn des Jahres 2020 ausgelastet?
    2. Wie verhält sich diese Auslastung im Vergleich zu den Vergleichsmonaten des Jahres 2020?
  9. Gibt es Informationskampagnen des Landes zum Thema Gewalt an Kindern und Jugendlichen?
    1. Wenn ja, wann wurden diese Informationen veröffentlicht und wo bzw. wie werden diese Informationen verbreitet?
    2. Wenn ja, wie hoch waren die Gesamtkosten dafür?
    3. Wenn nein, wieso nicht?
  10. Wie hat die Landesregierung speziell seit Einsetzen der Corona-Krise auf die Thematik "Gewalt an Kindern und Jugendlichen" hingewiesen, auf welchen Kanälen ist das geschehen und um welche Informationen handelt es sich genau?
  11. Ergehen Informationen zu diesem Thema auch an Schulen, Kindergärten und andere Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche?
    1. Wenn ja, auf welche Art und Weise werden Kinder und Jugendliche dort auf Hilfsmöglichkeiten aufmerksam gemacht?
    2. Wenn nein, wieso nicht?
    3. Wenn nein, gibt es konkrete Pläne, in Zukunft vermehrt auch in Betreuungseinrichtungen über Gewaltschutzmöglichkeiten zu informieren?

Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)