LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 21

EZ/OZ 728/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Wirtschaft und Wissenschaft

Betreff:
Co-Working-Spaces in den ländlichen Regionen fördern

 

zu:
EZ 728/1, Co-Working-Spaces in den ländlichen Regionen fördern (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Wirtschaft und Wissenschaft" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 12.01.2021 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Wirtschaft und Wissenschaft vom 15.09.2020 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht, eine Stellungnahme zum Selbstständigen Antrag der NEOS "Co-Working-Spaces in den ländlichen Regionen fördern", Einl.Zahl 728/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

CO-Working als „Neue Orte des Arbeitens“

Co-Working Spaces sind eine der Antworten auf die sich durch die Digitalisierung weiter entwickelnden Arbeitsformen. Vor allem im urbanen Bereich ist die Zahl der Co-Working-Angebote in Österreich – ausgehend vom ersten derartigen Angebot 2002, der „Schraubenfabrik“ – in den letzten knapp 20 Jahren rasant gestiegen. Dabei ist es ganz sicher kein Zufall, dass sich die weit überwiegende Mehrzahl der Angebote bisher in den Zentralräumen befindet.

Dies begründet sich unter anderen damit, dass bisher in Österreich Co-Working-Spaces (CWS) vor allem für die Kreativwirtschaft, Ein-Personen-Unternehmen (EPUs), Startups und JungunternehmerInnen im Fokus standen und diese potentielle Klientel vorwiegend in Zentralräumen angesiedelt ist.

Jedoch ist in den letzten Jahren vermehrt eine Weiterentwicklung der Präferenzen zu beobachten, so dass sich auch zunehmend Angebote im ländlichen Raum entwickeln.

Herausragendes Beispiel ist hier sicherlich die Schweiz, wo die 2016 gegründete VillageOffice-Genossenschaft ein schweizweites Netzwerk von Co-Working-Spaces aufbaut. Die Vision hierzu lautet, dass bis zum Jahr 2030 jede Person in der Schweiz den nächsten Coworking Space innerhalb von 15 Minuten per Velo oder Öffentlichem Verkehr erreicht. Aber auch in Österreich sind, z.B. mit „Coworking Eisenstraße“, zuletzt entsprechende Angebote entwickelt worden.

In der Steiermark haben wir neben den landeseigenen Impulszenten in den Regionen auch einige regional verankerte Angebote. So wurde z.B. das Cowerk in Kindberg sowohl aus Mitteln des Landes Steiermark im Rahmen des Regionalentwicklungsgesetzes, als auch aus Mitteln der EU (ELER) unterstützt.

Weiters werden vereinzelt über Mittel nach dem Steiermärkischen Regionalentwicklungsgesetz Projekte umgesetzt. In diesem Kontext darf auf die vom Land Steiermark seit 2018 unterstützte obersteirische Initiative GründerRaum3 (Leoben – Bruck/Mur – Kapfenberg) verwiesen werden. Ziel ist hier, geförderte Geschäftsflächen für GründerInnen bereitzustellen, um auch bestehenden bzw. drohenden Leerstand in Innenstädten und Orstskernen zu vermeiden.

In diesem Zusammenhang wird auch der vom Wirtschafts- und Wissenschaftsressort jüngst unterstützte KAIT – Kapfenberg Accelerator für IT am Institut Internet-Technologien & -Anwendungen der FH JOANNEUM Kapfenberg erwähnt. Studierende, aber auch externe GründerInnen bzw. JungunternehmerInnen, die sich in der Obersteiermark in der IT-Branche selbstständig machen oder wachsen möchten, werden im Impulszentrum KAIT unterstützt und beraten und haben diese die Möglichkeit, die vorhandene Infrastruktur (Besprechungsräume, Seminarräume etc.) entsprechend zu nutzen.

Zentraler Faktor: Regionale Akteure und Angebote

Wesentlich ist, dass regionale Akteure – allen voran Gemeinden und regionale Unternehmen – in die Etablierung und den Betrieb der Angebote eingebunden bzw. oftmals auch die Träger der nachhaltig positionierten Einrichtungen sind. Nicht unerwähnt bleibt an dieser Stelle, dass die Einbindung der regionalen Akteure zumindest auch ein finanzielles Engagement bedeutet.

Folgende Vorteile ergeben sich für Gemeinden

Unterstützung von Startups und Einzelunternehmen durch unbürokratische, flexible und kostengünstige Bereitstellung von Büroinfrastruktur.

Beitrag zur regionalen Wirtschaftsförderung im ländlichen Raum durch Ankurbelung der lokalen Wirtschaft, da am Arbeitsort auch konsumiert wird.

Steigerung der Standortattraktivität des ländlichen Raumes als Arbeitsort durch Etablierung einer modernen Arbeitssituation.

Entwicklung neuer Konzepte, um Leerständen zu begegnen und Ortskerne wiederzubeleben.

Verankerung sozialer Strukturen und Eröffnung neuer Chancen.

Verbesserung der interkommunalen Zusammenarbeit.

Reduzierung des Pendlerverkehrs.

Vorteile für die Coworker sind

Kostengünstige Nutzung von Räumlichkeiten und Büroinfrastruktur

Geschäftsadresse unabhängig vom Homeoffice

Zeitliche und räumliche Flexibilität

Kreative und produktive Arbeitsatmosphäre

Vernetzung mit Gleichgesinnten

Förderung des Austausches von Wissen, Ideen und Netzwerken

Neue Aufträge durch die Zusammenarbeit mit anderen Coworkern

Stärkung des Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühls

Entgegenwirken der „Vereinsamung“ im Homeoffice

Weniger Ablenkungen als bei der Arbeit im Homeoffice

Mehr Lebensqualität durch Vermeidung von Pendeln

Einschätzungen zu einem landesweiten Förderungsmodell

In der Steiermark gibt es dutzende Impulszentren und Gewerbeparks sowie regional verankerte Angebote, welche sowohl aus Mitteln des Landes Steiermark als auch aus Mitteln der EU (ELER) unterstützt wurden. Diese Angebote stehen GründerInnen sowie innovativen UnternehmerInnen zur Verfügung.

Weiters werden Projekte über Mittel nach dem Steiermärkischen Regionalentwicklungsgesetz umgesetzt. Hier wird auf die vom Land Steiermark seit 2018 unterstützte obersteirische Initiative GründerRaum3 (Leoben – Bruck/Mur – Kapfenberg) verwiesen. Ziel ist geförderte Geschäftsflächen für GründerInnen bereitzustellen, um auch bestehenden bzw. drohenden Leerstand in Innenstädten und Orstskernen zu vermeiden.

Aus den jahrelangen Erfahrungen mit dem Betrieb von landeseigenen Impulszenten in den Regionen, stellt sich die Situation vielfach so dar, dass die Nachfrage nach Co-Working-Spaces  in den Regionen gering ist. Das hat seine Ursache weniger im fehlenden Angebot einschlägiger Förderungsaktionen, sondern ist vielmehr darin begründet, dass die geringeren Bürokosten in den Regionen es oftmals erlauben, ein kleines Büro zu mieten. Die dutzenden  regionalen Impulszentren, Gewerbeparks und GründerInnenzentren können zudem bereits vorhandene Besprechungsräume und Infrastruktur kostengünstig anbieten.

Aus den Erfahrungen heraus wären bei einem landesweiten Fördermodell keine ausreichenden Fallzahlen zu erwarten. Im Rahmen des Grazer Fördermodells wurden seit 2014 rd. 240 Förderungen genehmigt, der Großteil davon für NutzerInnen aus der Kreativwirtschaft. Die Förderhöhe bei diesem Modell liegt zudem bei max. 50% der Netto-Nutzungspauschale bzw. max. € 125,-- netto pro Monat, wobei ein Zeitraum von mindestens 6 bis max. 12 Monate gefördert wird. Die Förderungshöhe war geeignet, das Konzept Co-Working-Space zu Beginn zu unterstützen. Diese gedeckelte Förderung der monatlichen Nutzungspauschale in einem Co-Working-Space kann aber aus Sicht des Wirtschaftsressorts keinen substantiellen Anreizeffekt mehr darstellen.

Zusätzlich wird festgehalten, dass das Wirtschaftsressort bereits einen starken Fokus auf das Wachstum junger Unternehmen legt und diese Zielgruppe Unterstützung aus folgenden Förderprogrammen erhalten kann:

Erfolgs!Kurs: Unterstützung für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen für Weiterbildungen in den Themenfeldern Digitalisierung und Internationalisierung

Ideen!Reich: Unterstützung für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen für unternehmerische Innovationstätigkeit einschließlich der Entwicklung von neuen (digitalen) Produkten und Dienstleistungen

Lebens!Nah: Unterstützung für Kleinstbetriebe in den Bereichen Gewerbe und Handwerk, Einzelhandel sowie Dienstleistungen für Investitionen und digitale Kommunikationsmaßnahmen

Start!Klar: Unterstütztung für innovative kleinste, kleine und mittlere Unternehmen für Beratungsleistungen in den Bereichen Betriebswirtschaft, Recht, Innovation, Technologie und Digitalisierung

Welt!Markt: Unterstütztung für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen für Messeauftritte im Ausland

Schlussfolgerung

Regionale Co-Working-Spaces können gewiss als ein Lösungsansatz im Zusammenhang mit der Attraktivierung von kleinregionalen Zentren gesehen werden. Eine zum Angebot der Stadt Graz analoge Ausgestaltung eines eigenen Förderungsmodells für eine befristete Mietenförderung für NutzerInnen von Co-Working-Spaces-Angeboten im ländlichen Raum erscheint jedoch aus dargelegten Gründen nicht zielführend.

Eine Plattform, die Angebot und Nachfrage zusammenführt, ist hilfreich. Diese Idee kann aufgegriffen werden, wenn die Angebotsstruktur eine ausreichend kritische Masse in den Regionen erreicht hat.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Wissenschaft zum Antrag, EZ 728/1, "Co-Working-Spaces in den ländlichen Regionen fördern" der Abgeordneten der NEOS wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Mag. Alexandra Pichler-Jessenko