LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 691/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 13.08.2020, 07:45:15


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Frist: 13.10.2020

Betreff:
Direktorenposten der Volksschule Raaba

In Raaba sorgt derzeit der Fall einer umstrittenen Postenbesetzung der dortigen Volksschule für Furore. Bereits 2013 bildete der Elternverein der VS Raaba eine Front gegen jene Bewerberin, die der Schule seit zwei Jahren als provisorische Direktorin vorstand. Aufgebrachte Eltern sprachen trotz Mediationen von "frostigem Klima" an der Schule. Eine Abstimmung im Schulforum ging mit 16 zu 0 gegen die Bewerberin aus. Es wurden sogar Unterschriften für den Gegenkandidaten gesammelt. Mit allen Mitteln wurde versucht, zu verhindern, dass die provisorische Direktorin zum Zug kommt. Die Eltern befürchteten außerdem politische Einflussnahme.  (https://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/grazumgebung/4061106/Raaba_Konflikt-um-Schulleitung-ist-eskaliert)

Danach wurde die Kandidatin an eine andere Volksschule versetzt. Auch dort wurde von Eltern und anderen Lehrer_innen Bedenken geäußert. Nun soll die Frau an die Volksschule in Raaba zurückkehren. Dort sind Eltern nach dieser Ankündigung besorgt, auch die Lehrer_innen der Volksschule versuchten sich zu wehren. Mündlichen Berichten zufolge verließen viele Lehrkräfte unter der Führung der besagten Direktorin die Schule aufgrund eines schlechten Arbeitsklimas, samt angeblichen Mobbings. Auch Burnout-Fälle sollen sich gehäuft und zu vielen Versetzungen geführt haben. Eltern und Beteiligte wollen daher kein Mittel außer Acht lassen, um die anstehende Postenbesetzung zu verhindern.

Besonders verwunderlich ist die Rückkehr der Direktorin auch, da unter der Leitung des "Instituts für Kind, Jugend und Familie" im im Jahr 2019 Einzelgespräche mit Lehrer_innen der VS Raaba geführt und Mobbing-Vorwürfe protokolliert wurden. 

Kinder sind unsere Zukunft, und sollen von den besten und klügsten Köpfen im Land unterrichtet werden. Lehrer_innen üben den wichtigsten Beruf in unserer Gesellschaft aus - sie prägen unsere Kinder und damit die Zukunft. Kinder haben ein Recht auf die beste Bildung, Lehrer_innen die Pflicht und Verantwortung, ihren Dienst bestmöglich zu verrichten. Politische Einflussnahme und Postenschacherei im Bildungsbereich sind schlicht untragbar und verantwortungslos. 


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Stimmt es, dass die besagte Direktorin an die VS in Raaba zurückkehren soll?
    1. Wenn ja, von wem wurde diese Entscheidung getroffen?
    2. Wenn ja, wie wurde sichergestellt, dass es sich dabei um die am besten geeignete Kandidatin handelt?
  2. Ist der Bildungsdirektion bekannt, dass Eltern und Lehrer_innen an der VS Raaba auf Grund von schlechten Erfahrungen mit der Direktorin Bedenken zu ihrer Rückkehr geäußert haben?
  3. Ist Ihnen als Landesrätin bekannt, dass Eltern und Lehrer_innen an der VS Raaba auf Grund von schlechten Erfahrungen mit der Direktorin Bedenken zu ihrer Rückkehr geäußert haben?
  4. Gab es bezüglich dieser Besetzung Einwände seitens der betroffenen Gemeinde oder seitens der Lehrergewerkschaft?
    1. Wenn ja, welche Bedenken wurden von diesen geäußert? 
    2. Wenn ja, welchen Einfluss hatten diese Bedenken auf die Besetzung?
  5. Wann und warum wurde die Direktorin an eine andere Schule versetzt?
  6. Gibt oder gab es seit 2010 Verfahren wegen Dienstverfehlungen oder ähnlichem gegen besagte Rektorin? 
    1. Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt und aus welchen Gründen wurden diese Verfahren eingeleitet?
    2. Wenn ja, mit welcher Konsequenz?
  7. Stimmt es, dass unter der Führung dieser Direktorin Vorwürfe von Mobbing im Raum stehen?
    1. Wenn ja, an welcher Schule, zu welchem Zeitpunkt?
    2. Wenn ja, welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?
    3. Wenn ja, wie ist es möglich, dass die Direktorin noch im Dienst ist?
  8. Liegen Ihnen Protokolle oder Gutachten des "Instituts für Kind, Jugend und Familie" vor?
    1. Wenn ja, an welcher Schule, zu welchem Zeitpunkt?
    2. Wenn ja, welche Aussage treffen diese Protokolle oder Gutachten?
    3. Wenn ja, welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?
    4. Wenn ja, wie ist es möglich, dass die Direktorin noch im Dienst ist?
  9. Wie viele Personen haben unter der Leitung besagter Direktorin an der Volksschule Raaba bzw. an der VS Hitzendorf unterrichtet? (Personalfluktuation)
    1. Bitte um Darstellung der Eintritte und Austritte sowie der durchschnittlichen Beschäftigungsdauer der Lehrkräfte ab dem Jahr 2010.
    2. Bitte um Darstellung von Krankenständen, deren Häufigkeit und deren durchschnittliche Länge an der VS Raaba ab dem Jahr 2010.
    3. Bitte um Darstellung aller Freistellungen, Karenzierungen, Sabbaticals oder sonstigen Abwesenheiten von Lehrpersonal, sowie deren durchschnittlicher Länge ab dem Jahr 2010.
    4. Bitte um Darstellung aller Ansuchen auf Versetzung von Lehrer_innen an der VS Raaba seit 2010.
  10. Wieso verließ besagte Rektorin ihre Stelle als Leiterin der VS Hitzendorf?
    1. Haben Protokolle und Schriften der Lehrer_innen oder Eltern der VS Hitzendorf etwas damit zu tun?
  11. Gab es ein ordentlichen Bewerbungsverfahren für die Direktionsstelle an der VS Raaba?
    1. Wenn ja, wie viele Bewerber_innen gab es auf diese Stelle?
    2. Wenn ja, wie wurde sichergestellt, dass die/der beste Bewerber_in zum Zug kam?
    3. Wenn nein, warum nicht?
    4. Wenn nein, wie wurde sichergestellt, dass die/der beste Bewerber_in zum Zug kam?
  12. Laut Kleiner Zeitung betont die damalige Landeschulrätin Meixner, dass die politische Zugehörigkeit keine Rolle spielen darf.

    1. Führt die Bildungsdirektion (offizielle) Listen über die Parteibücher von Lehrkräften?

    2. Wenn nein, woher bezieht die Landeschulrätin ihre Informationen über politische Zugehörigkeit von Lehrkräften?

  13. Aus welchem Grund wurde die aktuelle provisorische Direktorin der VS Raaba im Schuljahr 2019/20 nicht zur Schulleiterin ernannt? 

Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)