LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 611/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 18.06.2020, 17:49:49


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Mehr Unterstützungspersonal an steirischen Pflichtschulen

Neben den Kernaufgaben der Wissensvermittlung sind Lehrer_innen in verstärktem Ausmaß mit zusätzlichen Aufgaben konfrontiert. Viele Schüler_innen schleppen täglich große Sorgen mit sich in die Schule. Das belastet die Schüler_innen, Lehrkräfte haben meist nicht die Kapazitäten auf die Bedürfnisse aller Schüler_innen einzugehen. Das kann in weiterer folge auch den Unterricht negativ beeinflussen. Damit sich Lehrer_innen auf ihren Bildungsauftrag konzentrieren können und ein gelingender Unterricht gefördert wird, ist pädagogisch Unterstützungspersonal wie Schulsozialarbeiter_innen und Schulpsycholog_innen dringend notwendig. Schüler_innen, Lehrer_innen und Eltern brauchen eine Ansprechperson direkt an den Schulen, um sie bei ihren täglichen Sorgen und Anliegen unterstützen zu können. Vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien waren Leidtragende der Umstellung auf Home-Schooling während der Corona-Krise. Oftmals konnten die Kinder erst verspätet am Heimunterricht teilnehmen und waren für das Lehrpersonal schwer erreichbar, da ihnen die digitale Ausstattung fehlte. Damit erhöht sich der Förderbedarf benachteiligter Kinder in den folgenden Jahren enorm. Damit diese Kinder jetzt den Anschluss nicht verlieren, muss sichergestellt werden, dass an alle steirischen Schulen Unterstützungspersonal bereit steht.

Das MIT (Mobiles Interkulturelles Team) unterstützt Lehrer_innen an Schulen als einzig spezialisiertes Angebot für Kinder mit Migrationshintergrund in der Steiermark. Trotz der Bedeutung, die der pädagogischen Unterstützung an Schulen beigemessen wird, stand das MIT bereits kurz vor dem Aus. Im Dezember 2019 wurde bekannt, dass die Finanzierung des MIT geplatzt sei, da das Land im Herbst 2019 nicht bereit war, diese öffentlich-öffentlichen Partnerschaft mit dem Bund durch Unterzeichnung einer entsprechenden Kooperationsvereinbarung beizutreten, die 23 Mitarbeiter_innen des MIT hätten somit gekündigt werden müssen. (Quelle: Kleine Zeitung 28.12.2019)

Auf Grund des politisch wachsenden Drucks und den Zuspruch der Direktor_innen zur Rettung des MIT, wurde die weitere Beschäftigung der Mitarbeiter_innen durch 23 Lehrerdienststellen mit Sonderverträgen vorerst gesichert. Die Finanzierung läuft allerdings mit Ende des Schuljahres aus, für das kommende Schuljahr ist die Finanzierung noch nicht gesichert. 

Die Äußerung der Bildungslandesrätin Bogner-Strauß, die in diesem Zusammenhang behauptete es ginge der Steiermark mit einem Schulsozialarbeiter_in auf 1.100 Kinder deutlich besser als vielen anderen Bundesländern, wirft zudem etliche Fragen betreffend der Qualität und Priorisierung der Unterstützung benachteiligter Schüler_innen auf. 

Sieht man sich die Bundesländer im Vergleich an, so geht klar heraus, dass die Steiermark Nachholbedarf hat und es sich nicht leisten kann in diesem Bereich auf Unterstützungspersonal  zu verzichten, auch wenn die Landesrätin Bogner-Strauß in der 2. Sitzung des Landtages Steiermark, (XVIII. Gesetzgebungsperiode – 21. Jänner 2020) erklärte, dass die Steiermark österreichweit eine Vorreiterrolle einnimmt und sich auf das beste Verhältnis von Schulsozialarbeiter_innen zu Schüler_innen beruft. Bei den Bildungsdirektionen sind gegenwärtig insgesamt 30 Schulsozialarbeiter_innen (in Vollzeitäquivalenten [VZÄ]) als mobile Unterstützungskräfte tätig. In der Steiermark sind davon 4,87 VZÄ beschäftigt. Damit nimmt die Steiermark keine Vorreiterrolle im Bundeländervergleich ein. Im Personalplan des Bundes werden weiters insgesamt 131 Planstellen für Schulpsycholog_innen in den schulpsychologischen Diensten in den Bundesländern geführt. Auch hier ist die Steiermark mit 18 Planstellen definitiv nicht im obersten Drittel bei der Aufschlüsselung nach Bundesländer. (Quelle: 604/AB XXVII. GP - Anfragebeantwortung, vom 17. März 2020)

Die Steiermark muss endlich Maßnahmen treffen, damit die Schulen nicht nur ihren Bildungsauftrag erfüllen, sondern auch den Bedürfnissen ihrer Schüler_innen gerecht werden und künftig kein Kind mehr zurückbleibt. 


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Vorkehrung zu treffen um künftig sicherzustellen, dass es genügend Unterstützungspersonal an Pflichtschulen gibt und die finanzielle Deckung der Beschäftigung von Unterstützungspersonal langfristig gesichert ist.


Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)