LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3012/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 10.01.2019, 09:09:21


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Umwelt
Regierungsmitglied(er): Landesrat Anton Lang

Betreff:
Schwindende Biodiversität und Insektenpopulationen

Die Erhaltung der Biodiversität ist kein Luxus – sie ist Daseinsvorsorge. Für den Schutz der Biodiversität sprechen zahlreiche ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Gründe. Die Ziele des Biodiversitätsschutzes auf internationaler Ebene sind in der Konvention über die biologische Vielfalt niedergelegt, die vor über 20 Jahren in Rio ausgehandelt wurde.

Die Aktivitäten des Menschen führten bei vielen Arten zu Lebensraumverlusten, insbesondere in den dicht besiedelten Ländern Mitteleuropas. Lebensraumverlust führt zu Populationsrückgängen, Arealverlusten, erhöhtem Aussterbensrisiko und schlussendlich zum lokalen Erlöschen von Populationen und Arten. Der Erhalt der Biodiversität ist auch wesentlich von der Art der landwirtschaftlichen Nutzung abhängig. Deshalb muss die landwirtschaftliche Förderung perspektivisch umgestellt werden und an klare naturschutzfachliche Vorgaben geknüpft werden.

Verschiedenen Quellen, aktuell wieder im Umweltbericht des Landes Steiermark, ist zu entnehmen, dass es um die grundlegende Naturschutz-Datenlage, insbesondere betreffend das fortschreitende Verschwinden unserer Pflanzen- und Tierarten nicht sehr gut bestellt ist. Es wurde etwa eine Überarbeitung der Roten Listen (Listen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten) beauftragt, sowie eine Revision der „kleinen“ Naturschutzgebiete und der Landschaftsschutzgebiete. 

Eine vielfältige Insektenpopulation in ausreichendem Umfang ist für den Naturhaushalt, die Biodiversität sowie für Land- und Forstwirtschaft und Gartenbau von herausragender Bedeutung. Der Erhalt dieser Populationen ist daher äußerst wichtig für unsere Gesellschaft. Weltweit nehmen die Hinweise immer mehr zu, dass Insekten massenhaft verschwinden. ForscherInnen meinen sogar, dass der funktionale Verlust von Insekten so gravierend wie die Klimakrise sein könnte. Gehen diese massenhaft verloren, ändert sich die Umwelt als Ganzes und zeitigt damit dramatische Folgen für uns Menschen und unsere Lebensgrundlagen. Sie sind für das Ökosystem überlebensnotwendig, als Blütenbestäuber, als Nährstofflieferant für Böden und als Nahrungsquelle für andere Tiere. Die Zahlen der im renommierten Wissenschaftsjournal PLOS ONE veröffentlichten Studie (Krefelder Studie) sprechen für sich – die Rückgänge der Insektenbestände und bei den Vogel-Populationen signalisieren dringenden Handlungsbedarf.

In der Beantwortung einer Anfrage der Grünen EZ/OZ 2093/1 teilte die Landesregierung mit, dass in den Jahren 2007/2008 sowie 2017/2018 im Auftrag der Bundesregierung Erhebungen von bestimmten Insekten und Landschaftselementen durchgeführt wurden.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. ein Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt in der Steiermark aufzulegen,

2. die Erhebungen zu einschlägigen Daten in der Steiermark voranzutreiben, insbesondere

  • zu den bedrohten Tier- und Pflanzenarten und zu den Gefährdungsfaktoren bzw. Maßnahmen zu deren Schutz, 
  • zur Entwicklung der Insektenpopulation und zum Insektensterben – bezogen auf die verschiedenen Insektenarten und die Masse an Insekten innerhalb der einzelnen Arten,
  • zu Auswirkungen des Insektensterbens auf die Landwirtschaft und auf die Flora und Fauna der Steiermark (zum Beispiel auf Vögel),

3. Maßnahmen zu ergreifen, um dem Insektensterben in der Steiermark zu begegnen, und

4. dem Landtag darüber Bericht zu erstatten.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne)