LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 23

EZ/OZ 947/2

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Wirtschaft

Betreff:
Wirtschafts- und Tourismusstrategie 2025

 

zu:
EZ 947/1, Wirtschafts- und Tourismusstrategie 2025 (Regierungsvorlage)

 

Der Ausschuss "Wirtschaft" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 21.06.2016 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Durch die seit 2015 in eine politische Verantwortung zusammengeführten Ressorts Wirtschaft und Tourismus eröffnen sich neue Chancen und Synergien für eine noch nachhaltigere qualitative Entwicklung des Standortes Steiermark.

 

In diesem Sinne sind sowohl der steirischen Wirtschafts- als auch Tourismusstrategie 2025 die folgenden fünf Leitsätze der steirischen Wirtschaftspolitik vorangestellt, welche von den beiden Ressorts gemeinsam erarbeitet wurden und das „Dach“ des neuen Verantwortungsbereichs bilden.

 

  1. Unternehmertum und Selbständigkeit

    Kernzielgruppe aller strategischen und operativen Maßnahmen zur positiven Wirtschaftsentwicklung sind innovative Unternehmen in Wirtschaft und Tourismus.

     

  2. Systematische Stärkung der Innovationskraft

    Nur eine aktive Standortpolitik kann globalen Trends infolge technologischen Fortschritts und gesellschaftlicher Veränderungen frühzeitig Rechnung tragen.

     

  3. Bestmögliche Nutzung der Digitalisierungsdynamik

    Die intellektuelle Software des Standorts braucht laufend Updates. Dazu tragen die Förderschwerpunkte „Smart Production and Services“, sowie ein breites Spektrum an betrieblichen Unterstützungsleistungen im Bereich E-Commerce bei.

     

  4. Internationalisierung von Standort und Unternehmen

    Erfolgreiche Innovationen setzen grenzüberschreitendes Denken und Handeln voraus. Nicht nur Großbetriebe und Konzerne, sondern auch und ganz besonders Klein- und Mittelbetriebe müssen sich verstärkt international vernetzen und ihre Produkte und Leistungen auf neuen Märkten platzieren.

     

  5. Internationale Wahrnehmung der „Marke Steiermark“

    Konsequente Internationalisierung bedingt auch eine konsequente Kommunikation der „Marke Steiermark“. Touristische Markterschließung und Initiativen im Rahmen des Standortmarketing sind im Sinne eines „Region Branding“ bestmöglich aufeinander abzustimmen. Urlaubsgäste, Businessreisende, Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer, aber auch Spitzenkräfte in Wissenschaft und Forschung sowie multinational agierende Unternehmen sollen motiviert werden, vermehrt in die Steiermark zu kommen bzw. ihre hierorts bereits bestehenden Engagements zu intensivieren.

     

 

 

Zur Wirtschaftsstrategie 2025:

Ausgangslage

 

Das erklärte Ziel der steirischen Wirtschaftspolitik ist es, das Land zu einer führenden europäischen Region für den Wandel hin zu einer wissensbasierten Produktionsgesellschaft und zu einer wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft zu machen. „Wachstum durch Innovation“ lautet daher der Leitgedanke der am 17. Mai 2011 im Landtag Steiermark beschlossenen Wirtschaftsstrategie Steiermark 2020 (WIST 2020). Denn nur durch laufende Innovationen ist es möglich, jene Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, die Wachstum und Beschäftigung mit sich bringt.

 

2015 hatte die WIST 2020 die Hälfte ihrer Laufzeit erreicht, sie war daher einer intensiven Reflexion vor dem Hintergrund der geänderten Rahmenbedingungen zu unterziehen. Hierzu zählen neben den weiter bestehenden Megatrends wie demographischer Wandel und Klimawandel insbesondere auch strukturelle Veränderungen in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise, veränderte globalisierte Wertschöpfungsketten, aber auch neue Formen der Innovation (z.B. Open-Innovation und Crowdsourcing) sowie unter den relevanten Technologietrends insbesondere natürlich die Digitalisierung, welche nicht nur das Leben der Menschen beeinflussen, sondern auch Produktionsprozesse und ganze Industrien nachhaltig verändern wird.

 

Wirtschaftsstrategie 2025 (WIST 2025)

 

Die auf dieser Grundlage angepasste Wirtschaftsstrategie des Landes Steiermark 2025 greift diese Herausforderungen auf und wird dazu beitragen, dass die Steiermark einen Weg der konstanten Erneuerung und Anpassung an die sich rasch verändernden Rahmenbedingungen einschlägt.

 

Dabei bleibt auch in der neuen Wirtschaftsstrategie „Steiermark 2025 – Wachstum durch Innovation“ nicht nur der Leitgedanke der Wirtschaftspolitik weiterhin bestehen, auch die Konzentration auf Leitthemen und technologische Kernkompetenzen, Kernstrategien und aktive Standortentwicklung wird fortgesetzt.

 

Konkret setzt die Wirtschaftspolitik auch in Zukunft in der Standortentwicklung auf drei Leitthemen Mobility, Green-Tech sowie Health-Tech und orientiert sich dabei an folgenden fünf Kernstrategien:

 

  • Standortentwicklung und Standortmanagement
  • Innovations- und F&E-Förderung
  • Unternehmertum & Wachstum junger Unternehmen
  • Qualifizierung & Humanpotenzial
  • Internationalisierung von Unternehmen und Standort

 

 

Die wesentlichen Anpassungen der neuen Wirtschaftsstrategie stellen sich wie folgt dar:

  • In der Kernstrategie 1 „Standortentwicklung und -management“ erfolgt eine angepasste Darstellung der technologischen Kernkompetenzen der Steiermark – insbesondere wurde der stark zunehmenden Bedeutung der Digitaltechnologien Rechnung getragen, die Rolle der Kreativwirtschaft im Bereich des Innovationssupport geschärft und die Funktion der dualen Ausbildung umfassender dargestellt.
  • In der Kernstrategie 2 „Innovations- und F&E-Förderung“ wurde insbesondere ein Stufenbau der Innovationsförderung etabliert, der mehr Orientierung bietet und die angestrebte Förderungskette sowie das Instrumentenportfolio nochmals schärft.
  • Die Kernstrategie 3 „Unternehmertum & Wachstum junger Unternehmen“ erfährt insgesamt einen offensiven Ausbau und basiert auf den drei Kernelementen 1. Junge wissensintensive Unternehmen mit Wachstumspotenzial stärken; 2. Förderung von Unternehmertum ganzheitlich denken sowie 3. Unternehmensnachfolge weiterführen.
  • In der Kernstrategie 4 „Qualifizierung und Humanpotential“ erfolgte eine weitere Fokussierung auf den Bereich der bedarfsgerechten Qualifizierung sowie Attraktivierung der dualen Ausbildung und Nachwuchssicherung im technischen/naturwissenschaftlichen Bereich.
  • Deutlich hervorgehoben wurde nunmehr in der Kernstrategie 5 „Internationalisierung von Unternehmen und Standort“ die hohe Bedeutung eines klaren, authentischen und gut kommunizierbaren Profils der Steiermark. Ein weiterer Schwerpunkt bildet die Stärkung der Exportfähigkeit von Unternehmen, welche insbesondere vom Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) getragen wird.
  • Des Weiteren wurde der Bereich der Prozesssteuerung und Erfolgskontrolle zur WIST 2025 um die Elemente der Operationalisierung der Ziele durch geeignete Indikatoren sowie die Verbindung zu den Wirkungszielen des Landeshaushaltes weiter ausgebaut.
  • Insgesamt wurde nochmals über sämtliche Kernstrategien hinweg auf die Bereiche KMU sowie die in der Steiermark vorhandenen regionalen Potentiale ein Schwerpunkt gesetzt. Beide Bereiche werden hier über spezielle Förderungsprogramme bzw. Instrumente und auch durch die Ausnützung beihilfenrechtlicher Spielräume zusätzlich adressiert.

 

Zur Tourismusstrategie 2025:

Ausgangslage

Der Tourismus hat sich mit der Marke „Das Grüne Herz Österreichs“ als zentraler Wirtschaftsfaktor am Standort Steiermark positioniert. Trotz Finanzkrisen, mäßiger Konjunktur und knapper öffentlicher Haushalte kann die steirische Tourismus- und Freizeitwirtschaft in den letzten Jahren auf eine kontinuierlich positive Entwicklung zurückblicken.

 

Die Wertschöpfung des touristischen Kernbereichs (Gastronomie, Hotellerie, Reisebüros etc.) betrug 2014 1,9 Milliarden Euro, was 4,4 % des steirischen Bruttoregionalprodukts (BRP) entspricht. Ergänzt um touristisch induzierte Effekte in anderen Wirtschaftsbereichen kann von einem BRP-Anteil des Tourismus von 6,7 % ausgegangen werden. Dazu kommen Ausgaben der steirischen Bevölkerung für Freizeitaktivitäten in der Höhe von 2 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung all dieser Effekte entfallen somit rund 11,5 % der Bruttowertschöpfung der Steiermark – also rund 4,9 Milliarden Euro – auf den Sektor Tourismus und Freizeitwirtschaft.

 

Im Jahr 2015 beschäftigten die Betriebe der Sparte Tourismus- und Freizeitwirtschaft 45.845 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das entspricht im 10-Jahres-Vergleich zu 2005 einem Plus von 12.130 Arbeitsplätzen bzw. einem Beschäftigtenzuwachs von 36 %.

 

Heruntergebrochen auf den steirischen Tourismus ergeben sich aus den gemeinsamen Leitsätzen der Wirtschaftspolitik folgende Kernstrategien, welche den Rahmen für die Arbeit des Tourismusressorts im Hinblick auf kurz- und mittelfristige Planungen sowie operative Programme bilden. Sie dienen aber auch als Orientierung für externe Leistungsträgerinnen und Leistungsträger und Akteurinnen und Akteure, die sich in die Tourismusentwicklung einbringen und Beiträge dazu leisten wollen.

 

  • Unternehmertum und Selbstständigkeit

Die selbstständigen Unternehmerinnen und Unternehmer in der gesamten Tourismus- und Freizeitwirtschaft  sind die zentralen Leistungsträgerinnen und Leistungsträger des steirischen Tourismus. Die Tourismuspolitik berücksichtigt daher auch insbesondere deren Interessen bei der Entwicklung zukunftsorientierter Strategien und Maßnahmen.

 

  • Stärkung der Innovationskraft

Der Tourismus ist eine Dienstleistungsbranche, in der sich viele Arbeitsabläufe nicht automatisieren lassen. Die menschliche Arbeitskraft ist für persönliche Services unverzichtbar und ihre erlebte Qualität DER entscheidende Faktor für eine langfristige Kunden- bzw. Gästebindung. Qualifikation und Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie die Entwicklung innovativer touristischer Leitprodukte bilden daher eine wesentliche Erfolgsgrundlage für den steirischen Tourismus.

 

  • Optimierte Nutzung der Digitalisierungsdynamik

Kommunikation, Marketing und Vertriebsstrukturen verlagern sich zunehmend ins Internet. Mittels Optimierung des E-Marketing und durch die Schaffung interaktiver Web-Services wird die Wettbewerbsfähigkeit auf allen touristischen Leistungsebenen laufend verbessert.

 

  • Internationalisierung von Standort und Unternehmen

Die Steiermark ist zwar das beliebteste Urlaubs-Bundesland der Österreicherinnen und Österreicher, befindet sich dadurch aber in einer starken Abhängigkeit von diesem Hauptmarkt. Ziel ist daher eine stärkere internationale Diversifikation der Herkunftsländer. In diesem Zusammenhang wird die Kooperation von Steiermark Tourismus, Internationalisierungscenter und Steirischer Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH bei internationalen Standortpräsentationen intensiviert.

 

  • Die Marke „Steiermark“ und ihre Werte

Um international wettbewerbsfähig zu sein, ist es erforderlich, mithilfe der Dachmarke und der Kernwerte des Tourismuslands Steiermark wie etwa Natur und Herzlichkeit, Tradition und Innovation, ausreichend Kommunikationsdruck zu erzeugen.

 

Aus diesen Kernstrategien ergeben sich die konsequent zu verfolgenden strategischen Zielsetzungen:

 

  • Die Marke „Steiermark“ stärken
  • Auslastung und Wertschöpfung erhöhen
  • Internationalisierung vorantreiben
  • Zielgruppenspezifische Angebote entwickeln
  • Elektronische Marktplätze besetzen
  • Lokale und regionale Kräfte bündeln

 

 

Die Kernstrategien und strategischen Zielsetzungen finden ihre praktische Umsetzung durch:

 

  • die Einbindung der Stakeholder in die Tourismusentwicklung

Seit 1992 regelt das steirische Tourismusgesetz die Einbindung der gesamten Wirtschaft in den Tourismus und die Selbstverwaltung der Tourismusverbände. Somit sind alle Beitragspflichtigen als Mitglieder der örtlichen Tourismusverbände direkt in die Entscheidungsprozesse zur Mittelverwendung eingebunden. Zudem engagieren sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer ehrenamtlich in den Gremien der  Tourismusverbände und leisten so unverzichtbare Beiträge zur regionalen Standort- und Tourismusentwicklung.

 

  • die Schaffung effizienter touristischer Einheiten

Von den 287 steirischen Gemeinden sind 142 bereits in 39 mehrgemeindigen Verbänden (Stand 1.2.2016) organisiert und nutzen die daraus entstehenden Synergien. Das Tourismusressort fördert und begrüßt daher auch weiterhin die Gründung und Erweiterung mehrgemeindiger Tourismusverbände, um so noch größere und somit schlagkräftigere touristische Einheiten zu generieren, welche auch im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig sind. Die touristischen Regionalverbände bilden dabei eine wichtige Klammer, welche die Interessen der einzelnen Verbände bündeln und gemeinsam mit Steiermark Tourismus am Markt effizient vertreten können.

 

  • die Berücksichtigung aller Interessengruppen

Eine Marke ist nur so stark wie die Identifikation jener, die sie repräsentieren soll. Organisationen und Institutionen wie Wirtschaftskammer, Regionalverbände, Kooperations- und Angebotsgruppen, alpine Vereine und andere Stakeholder werden daher vom Tourismusressort des Landes laufend in touristische Anpassungsprozesse einbezogen.

 

  • ein verantwortungsvolles Beteiligungsmanagement

Das Land Steiermark hat sich in den letzten Jahren von einem Großteil seiner touristischen Beteiligungen getrennt und strebt in absehbarer Zukunft keine neuen Beteiligungen an. Aufrechterhalten wurden – bis auf Weiteres – jene Beteiligungen, die aus Gründen der Regionalentwicklung sinnvoll erscheinen.

 

  • ein verantwortungsvolles Standortmanagement

Obwohl der steirische Tourismus möglichst wenig bürokratischen Belastungen ausgesetzt sein soll, müssen die institutionalisierten Träger unter Einhaltung gesetzlicher Normen klare gemeinsame Ziele verfolgen, um die touristische Leistungsfähigkeit der Steiermark mittel- und langfristig sicherzustellen und zu steigern.

 

 

  • eine fokussierte Angebotsentwicklung und Vermarktung

Die regionale und überregionale Entwicklung des touristischen Angebots sowie die Unterstützung der Produktentwicklung soll in Zukunft noch stärker in den Erlebnisfeldern „Natur & Bewegung“, „Essen & Trinken“, „Kultur in Stadt & Land“ sowie „Regeneration & Wellness“ erfolgen. Zudem wird am Aufbau zusätzlicher authentischer Leitprodukte und branchenübergreifender Kooperationen gearbeitet, um die Marke Steiermark im internationalen Wettbewerb zu stärken.

 

 

Die Wirtschafts- und Tourismusstrategie 2025 zeigt einen mittelfristigen Rahmen für die künftige Entwicklung in der Steiermark und bildet die Basis für Maßnahmen und Förderprogramme seitens der beiden Ressorts.

 

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht der Steiermärkischen Landesregierung betreffend Wirtschafts- und Tourismusstrategie 2025 wird zur Kenntnis genommen.

 

 

 

Die Obfrau:
Zweite Landtagspräsidentin Manuela Khom