LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 512/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 14.07.2020, 15:58:19


Zu:
512/1 Trockenheit in der Landwirtschaft
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger
Beilagen: 512_Trockenheit in der Landwirtschaft.pdf

Betreff:
Trockenheit in der Landwirtschaft

Die Anfrage vom 14.05.2020, Einl.Zahl 512/1 der Abgeordneten LTAbg. Mag. Alexander Pinter, LTAbg. Sandra Krautwaschl, LTAbg. Lambert Schönleitner, LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck, LTAbg. Georg Schwarzl und LTAbg. Veronika Nitsche, MBA betreffend "Trockenheit in der Landwirtschaft" beantworte ich wie folgt:

Ad 1)

Die Betrachtung der letzten zehn Jahre zeigt ein zeitlich und räumlich unterschiedliches Auftreten von Trockenperioden in der Steiermark, allerdings sind nicht zwangsläufig alle Trockenperioden auch mit Dürreschäden verbunden, da Wasserdefizite ausgeglichen werden konnten und der Zeitpunkt der Trockenphasen für das Ausmaß und die kulturspezifische Betroffenheit ausschlaggebend ist.

Überblick über wichtigste Schadensursachen in der Steiermark 2010-2020, *2020 mit Stand Anfang Juni 2020 und Niederschlagssituation im Vergleich zum Zeitraum 1981-2010.

Jahr

Niederschlagssituation in der Steiermark

Ausmaß von Dürreschäden

2010

Winter: Niederschlagsdefizite in der Obersteiermark; Frühling: Defizit Süd-Ost-Steiermark, Südsteiermark; Sommer keine Defizite; Herbst leicht unterdurchschnittliche Niederschläge in der Obersteiermark.

Dürreschäden in Ackerkulturen in der Steiermark

2011

Winter/Frühling: Defizite in der gesamten Steiermark (Obersteiermark tendenziell am stärksten); Sommer kaum Defizite; Herbst v. a. Süd-Ost-Steiermark und Südsteiermark betroffen

Keine relevanten Dürreschäden

2012

Winter: Defizit im Süden der Steiermark; Frühling in der Obersteiermark; Sommer niederschlagsreich in der Obersteiermark;

Keine Dürreschäden in der Steiermark

2013

Auftreten von Schäden durch Dürre österreichweit, in der Steiermark bestand nur im Sommer ein Niederschlagsdefizit (insb. Weststeiermark, Südoststeiermark), im Winter, Frühling und Herbst wurde überdurchschnittlich viel Niederschlag verzeichnet

Dürreschäden in Ackerkulturen und im Obstbau in der Steiermark

2014

Winter: überdurchschnittliche Niederschläge im südlichen Teil der Steiermark; Frühling/Sommer/Herbst eher ausgeglichen bzw. mehr Niederschlag, im Sommer Defizit in der Obersteiermark; Auftreten von Starkniederschlägen/Überschwemmungen im Mai

Keine relevanten Dürreschäden in der Steiermark

2015

Rekord an Wüstentagen in Österreich, Hitze. In der Steiermark v. a. Niederschlagsdefizite im Sommer im Raum Hartberg-Fürstenfeld und Weiz, Oststeiermark und Obersteiermark

Dürreschäden an Grünland, Ackerkulturen und Obst in der Steiermark

2016

Winter (über)durchschnittliche Niederschläge, Frühling Defizite in Teilen der Obersteiermark, Sommer überdurchschnittliche Niederschläge in der Obersteiermark, normal-leichte Defizite im Süden der Steiermark; Herbst bis auf Süd-Ost-Steiermark unterdurchschnittliche Niederschläge

Keine relevanten Dürreschäden

2017

Winter und Frühjahr deutlich geringere Niederschläge, dabei Süden stärker betroffen; Sommer (über)durchschnittliche Niederschläge in der Obersteiermark, Defizite im Süden. Hagel, Überschwemmungen im August, Herbst bis auf einzelne Gebiete (über)durchschnittliche Niederschläge

Dürreschäden an Grünland und Ackerkulturen in der Steiermark

2018

Alpennordseite mit Niederschlagsdefiziten im Frühling, Sommer und Herbst; Starkniederschläge, Unwetter, Hagel und Überschwemmungen im April/Mai/Juni im Süden der Steiermark, im Herbst unterdurchschnittliche Niederschläge.

Dürreschäden an Grünland und Ackerkulturen in der Steiermark

2019

Im Winter starke Niederschlagsdefizite im Süden, überdurchschnittliche Niederschläge in der Obersteiermark. Frühling weiterhin unterdurchschnittlich in Bruck-Mürzzuschlag und Weiz; Sommer Niederschlagsdefizite in der gesamten Steiermark, sehr warmer Sommer. Herbst normal-überdurchschnittliche Niederschläge

Dürreschäden an Grünland in der Steiermark

2020*

Mit Stand Mitte Juni ist ein Niederschlagsdefizit in der Steiermark vorhanden und zwar im gesamten südlichen Raum

Noch keine Informationen zu Schäden

Quellen: ZAMG, Klimastatusbericht 2018, Zusammenstellung JR-LIFE

Ad 2)

Kosten, die ausschließlich Dürreschäden in der steirischen Landwirtschaft seit 2010 zuzuordnen sind:

[Zahlen vor 2015 enthalten keine Schäden im Grünland und Obstbau (keine Dürreversicherung verfügbar), das angeführte Schadensausmaß betrifft nur versicherbare Kulturen und Flächen, für die im jeweiligen Jahr auch tatsächlich Versicherungsverträge abgeschlossen wurden]:

Jahr

Schadensausmaß

Betroffene Kulturen

2010

5 Mio. €

Ackerkulturen

2011

   

2012

   

2013

7 Mio. €

Ackerkulturen

2014

   

2015

9 Mio. €

Grünland, Ackerkulturen, Obst

2016

   

2017

8 Mio. €

Grünland, Ackerkulturen

2018

9 Mio. €

Grünland, Ackerkulturen

2019

12 Mio. €

Grünland

Quelle: Österreichische Hagelversicherung

Ad 3)

Ausgehend von den Spätfrostereignissen 2016 und 2017 wurde vom Land Steiermark das Projekt „Masterplan Klimarisiko Landwirtschaft“ initiiert. Ziel des Projektes ist, in Abstimmung mit allen relevanten Akteuren ein kosteneffizientes Risikomanagement für Klimarisiken im Bereich Obst-, Wein- und Gemüsebau in der Landwirtschaft zu schaffen. Nachstehend werden die bisher gewonnenen Ergebnisse beschrieben:

Wassermanagement

Aufgrund der wechselnden Bedingungen in der Steiermark besteht eine enge Verknüpfung der Themen Trockenheit (teilweise in Kombination mit Hitze), Starkniederschläge, Oberflächenabfluss, Verschlämmungen und Erosion. Aufgrund der Zusammenhänge der verschiedenen Aspekte wird es daher als wichtig erachtet, auf das übergeordnete Thema Wassermanagement zu fokussieren.

Für den Obstbau liegt ein klarer Schwerpunkt bei der Wasserbereitstellung und Bewässerungs-/Beregnungstechnik, da sowohl für die Spätfrostbekämpfung als auch für die Bewässerung eine entsprechende Wasserverfügbarkeit erforderlich ist. Für die betroffenen Regionen zeigte sich die Notwendigkeit, das bestehende Wassermanagement weiterzuentwickeln und Wasserbereitstellung für Spätfrostbekämpfung gemeinsam mit Dürre zu betrachten. Die wechselnden Bedingungen in der Steiermark führen zu einer engen Verknüpfung der Themen Trockenheit, Starkniederschläge, Oberflächenabfluss, Verschlämmungen und Erosion. Aufgrund der Zusammenhänge der verschiedenen Aspekte wird es daher als wichtig erachtet, auf das übergeordnete Thema Wassermanagement als Gesamtes zu fokussieren. Erosion muss für alle Kulturen, Dauerkulturen als auch einjährige Kulturen als wichtiges Zukunftsthema betrachtet werden.

Hinsichtlich Lösungsansätze sind – neben den bekannten und bereits in der Praxis umgesetzten technischen Maßnahmen – auch grundlegende Änderungen im Management und neue Produktionssysteme oder -ansätze zu berücksichtigen.

Lösungsansätze

Im Wesentlichen lassen sich die Lösungsansätze in drei Bereiche einteilen, wobei die Maßnahmen je nach Kultur unterschiedlich zu wählen sind:

  • Finanzielle Absicherung durch Versicherungen
  • Wasserdefizite ausgleichen
  • Systemische Ansätze

Finanzielle Absicherung durch Versicherungen

Eine finanzielle Absicherung der landwirtschaftlichen Betriebe durch Versicherung ist notwendig. Die Versicherbarkeit ist für das Risiko Hagel für alle Kulturen gegeben. Für die Risiken Sturm und Dürre ist die Versicherbarkeit nicht in allen betroffenen Kulturen gegeben. An der Ausweitung der Versicherungsmöglichkeiten wird stetig gearbeitet. 55% der Versicherungskosten werden von der öffentlichen Hand (Bund und Land) getragen, die restlichen 45% trägt der Landwirt/die Landwirtin selbst.

Versicherbarkeit Dürre (Stand 2020):

Obstbau:

Dürre bei Äpfel und Holunder, in Kombination mit dem Risiko Frost

Weinbau:

nicht versicherbar

Garten-/Gemüsebau:

nicht versicherbar

Ackerbau:

versicherbar über eine Ertragsversicherung für Kartoffeln, Saatmais, Ölkürbis; verischerbar über eine Dürreindexversicherung für Mais/Sojabohne, Wintergetreide und Zuckerrübe

Grünland:

versicherbar über eine Dürreindexversicherung

 

Zu den Dürreindexversicherungen ist anzumerken, dass die Angemessenheit von Entschädigungszahlungen bei Indexversicherungen generell wesentlich von der Genauigkeit der zugrundeliegenden Inputdaten für die Indexbildung abhängt. Kleinräumige Niederschlagsmuster können gegebenenfalls beschränkt berücksichtigt werden.

Entwicklung der versicherten Fläche in der Steiermark von 2000 bis 2020 (Zahlen 2020: Hochrechnung).

Quelle: Österreichische Hagelversicherung, Darstellung JR-LIFE

Die versicherten Flächen in Österreich und der Steiermark haben in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zugenommen. Damit hat sich der Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe, die eine finanzielle Absicherung aufweisen, erhöht. Neben der generellen Zunahme der Wetterextreme stellen für den Obst- und Weinbau vorwiegend die Spätfrostereignisse große Herausforderungen dar. Im Bereich Ackerbau und Grünland sind die neuen Angebote zu Dürreversicherungen treibende Kräfte für die Erhöhung des Durchversicherungsgrades.

Wasserdefizite ausgleichen

In Bezug auf das Ausgleichen von Wasserdefiziten limitiert die Wasserverfügbarkeit, die Bewässerungswürdigkeit von Kulturen und die Wirtschaftlichkeit die Möglichkeiten zur Bewässerung. Für Obst- und Gemüsebau ist in vielen Fällen eine Bewässerungswürdigkeit gegeben, während die Bewässerung von Ackerkulturen oder Grünland in der Steiermark (wirtschaftlich) keine Perspektiven aufweist und für Weinbau nur auf wenigen Flächen eine Notwendigkeit besteht. Für den Obstbau ist die Chance für eine kombinierte Nutzung von Frostberegnung und Bewässerung gegeben. Für Teichbauten ist es möglich, Förderungen zu beantragen, allerdings ist dennoch der Eigenanteil zu finanzieren. Weiters sind als Einschränkungen die Rahmenbedingungen der Standorte (rechtlich, naturräumlich, Verortung etc.) zu berücksichtigen.

Zur Planung von Teichen oder Bewässerungsinfrastruktur ist mit dem Projekt „Steirerteich“ ein Planungstool verfügbar. Damit wird den landwirtschaftlichen Betrieben und der Beratung freier Zugang zu einem professionellen Planungswerkzeug auf Basis der räumlichen Daten des Landes Steiermark ermöglicht.

Systemische Ansätze

Im Rahmen des Projektes „Masterplan Klimarisiko Landwirtschaft“ wurden erfolgversprechende, kulturtechnische Maßnahmen und Ansätze in mehreren Bereichen abgeleitet, die je nach Kultur anwendbar sind:

In Bezug auf landschaftliche Strukturierungen und Landschaftselementen sollten Aspekte der Wasserretention, Erosionsschutz und Biodiversität stärkere Berücksichtigung finden.

Alternative Produktionssysteme wie Agroforstsysteme oder Permakultur bieten interessante Ansätze; es fehlen jedoch die Grundlagen zu Anwendungsmöglichkeiten, Skalierung und Wirtschaftlichkeit.

Kulturmaßnahmen, welche den Wasserspeicher im Boden erhöhen, die Pufferfunktion des Bodens stärken und Wasserverluste reduzieren, sind immens wichtige Bausteine. Diesbezüglich sind insbesondere Humusaufbau, situationsangepasste Kalkungs-Strategien, Bodenbedeckung, Dauerbegrünungen, Untersaaten und Zwischenfrüchte zu nennen.

Wahl der Kultur, Sorte und Unterlage unter Berücksichtigung der Voraussetzungen des Standortes.

Abschließend kann festgehalten werden, dass kurzfristige Reaktionsmöglichkeiten für die landwirtschaftlichen Betriebe eingeschränkt verfügbar sind, dies z. B. in Form von Versicherungen oder kulturtechnischen Maßnahmen. Systemische Ansätze, welche die relevanten und miteinander zusammenhängenden Themenfelder in der Steiermark (Trockenheit, Hitze, Starkniederschläge, Oberflächenabfluss, Verschlämmung und Erosion) gesamthaft adressieren, sind in einem kurz- bis mittelfristigen Horizont umsetzbar, eine positive Wirkung ist jedoch erst in einem mittel- bis langfristigen Zeitraum zu erwarten. Zudem gilt es zu unterscheiden zwischen Maßnahmen, die bereits direkt in die Praxis umgesetzt werden können und Maßnahmen, für diese derzeit eine valide Datengrundlage für eine wirtschaftlich tragbare Praxisanwendung fehlt.

Ad 4)

Im Aktionsplan 2019-21 der Klima- und Energiestrategie Steiermark 2030 sind fünf Maßnahmen für den Sektor Landwirtschaft verankert, welche allesamt bereits gestartet wurden. Insbesondere werden die Schnittstellen zur neuen Programmplanung der gemeinsamen Agrarpolitik und dem damit verbundenen Förderungsprogramm der ländlichen Entwicklung 21-27 aktiv genutzt und die erforderlichen Inhalte zu den Zielsetzungen in die Erstellung des GAP-Strategieplans laufend eingebracht. Die Maßnahmen des Österreichischen Umweltprogrammes (ÖPUL), die Direktzahlungen, als auch die Investitionsförderung in die Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe sind dabei wichtiger und zentraler Schlüssel zur Verbesserung der Resilienz und zur Minderung der Vulnerabilität der Landwirtschaft sowie zum Erhalt und zur Stärkung des ländlichen Raumes. In der Umsetzung der Maßnahmen L-03 Wissens-, Beratungs- und Bildungsangebote für eine klimafitte Landwirtschaft spielen die im Wege der Landwirtschaftskammer Steiermark angesiedelten Instrumente eine zentrale Rolle. Klimafitte Landwirtschaft ist bereits zu einem wichtigen Schwerpunkt der Arbeitskreise in der täglichen Arbeit geworden. Im Rahmen der Maisbautage wurden 1200 größere Maisbaubetriebe über den verbesserten Umgang mit Erosion, humussteigernden Maßnahmen und umweltschonenden Wirtschaftsweisen sensibilisiert. Die Durchführung von Stammtischen zu Erosionsschutz in der Oststeiermark, die Begrünungsoffensive über die Wintermonate, als auch die Erosionsschutzversuche in Zusammenwirken mit dem Bundesamt Petzenkirchen und der HBLFA Raumberg-Gumpenstein stellen realisierte Bausteine dar. Im Rahmen des Bodentages wurden durch verschiedene Akteure, wie der Energieagentur, dem Umweltbildungszentrum, der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und dem Land Steiermark Fact Sheets für Entscheidungsträger und Multiplikatoren über klimarelevante Themen mit Praxisbeispielen präsentiert. Bei allen Beratungsaktivitäten spielt die Senkung der Menge des Stickstoffzukaufes und die Bewusstseinsbildung zur Bodenanalytik zur Bestimmung des N- Gehaltes im Boden eine unabdingbare Rolle. Die Schwerpunktberatung zu klimafittem Ackerbau mit Versuchen zu alternativen Ackerkulturen und zu artenreichen Zwischenfrüchten und Begrünungsmischungen mit dem Ziel Humus aufzubauen und die Wasserspeicherfähigkeit der Böden zu erhöhen, wird aktiv durch die LK Steiermark durchgeführt.

Ad 5)

LW-M 5 Erhöhung der Vielfalt und verstärkter Einsatz von standortangepassten Arten und Sorten bei Kulturpflanzen und Tierrassen:

Die Klimawandelanpassung Strategie Steiermark 2050 enthält 14 Maßnahmen. Die Umsetzung der Maßnahme LW-M5 erfolgt über das laufende Programm zur Förderung der Ländlichen Entwicklung LE 14-20, in welchem vor allem im Agrar-Umweltprogramm ÖPUL Unterstützungsleistungen vorgesehen sind.

 

Agrarumweltmaßnahme

2017

2018

Betriebe

Flächen (ha)

Betriebe

Flächen (ha)

biologische Wirtschaftsweise

3.904

61.826

3.985

63.220

Anbau seltener Kulturpflanzen

150

337

146

339

Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen

641

6.446

622

6.507

Begrünung - Zwischenfruchtanbau

1.756

12.798

1.726

12.941

Quelle: BMNT; Grüner Bericht 2018 und 2019

Unterstützt werden die Aktivitäten durch die Maßnahmen des „Greening“, welche im Ackerbau beispielsweise Anbaudiversifizierung und die Anlage ökologischer Vorrangflächen (brachliegende Flächen, stickstoffbindende Pflanzen etc.) vorsehen.

LW-M 9 Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung des Pflanzenbaues an die geänderten Temperatur- und Niederschlagsbedingungen

Im Wege der Landwirtschaftskammer Steiermark wurde das Kompetenzzentrum für Acker-, Humus- und Erosionsschutz 2019 in Feldbach eingerichtet. Mit Februar 2020 ist das Praktiker-Forum gestartet worden und erfreut sich eines großen Andrangs durch die Landwirte. Fachlich unterstützt wird die Aktivität durch die HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Erste Schritte sind belastbare optimale Bewirtschaftungen (Bio, Grubber, Begrünung, etc.), um damit Best Practice Beispiele zu gewinnen. Im ackerbaulichen Versuchswesen sind verstärkte Aktivitäten gestartet worden, um den Wintergetreideanbau für die landwirtschaftlichen Betriebe attraktiver zu gestalten, und dazu wurde ein intensives Flurbegehungsprogramm auf die Beine gestellt. Dieses wird nunmehr steiermarkweit angeboten und gut angenommen.

Unterstützt werden Qualitätsgetreideinitiativen mit durchwegs Getreideanbau im Herbst, wodurch eine Hauptkulturbegrünung im Winter vorliegt (zum Beispiel Vulkanlandgetreide). Bei einem bewilligten EIP-Projekt im Rahmen der ländlichen Entwicklung 14-20 konnten gemeinsam mit Fachexperten, wissenschaftlichen Einrichtungen wie der BOKU, der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und den Ländern Steiermark, Burgenland und Kärnten Pflanzenarten generiert werden, indem die wassereffiziente Körnerhirse als Alternative zum Mais betreffend die Anbaueigenschaften, Erntetechnik, Lagerungs- und Fütterungseigenschaften getestet wird. Die Saatzucht Gleisdorf arbeitet an einem bundesweiten Projekt zur Züchtung von, an den Klimawandel angepassten, Kultursorten (auch bei alternativen Kulturen wie Speisebohnen) auf Basis der vorhandenen steirischen Genetik.

Maßnahme LW-M 11 Saisonale Wettervorhersagen für die Landwirtschaft

Unter www.warndienst.lko.at wird ein österreichweiter Warndienst für Krankheiten und Schädlinge für die Sparten Acker-, Gemüse-, Obst- und Weinbau sowie die Bienenwirtschaft kulturübergreifend und bundesweit angeboten (Obstbaudaten und Interpretation werden für ganz Österreich bereitgestellt). Dabei werden einerseits rechtzeitige Warnungen für das Auftreten von Schadregen sowie Informationen zu den kritischen Stadien der Ausbreitung von Schadepidemien gegeben. Die Plattform ist immer aktuell gewartet, wird durch neue Themenstellungen regelmäßig weiter ausgebaut und erfreut sich vermehrten Zuspruchs durch die Landwirte.

Im Projekt Masterplan Klimarisikomanagement Landwirtschaft des Landes Steiermark wurde das bestehende Messnetz zur Erstellung von Wetterprognosen analysiert und hinsichtlich einer Nutzung zur Minderung entstehender Risiken bewertet. Ausgangspunkt waren die Spätfrostereignisse vergangener Jahre, welche nunmehr auch auf Ereignisse wie Dürren, auftretenden Schadregen und Stürmen anwendbar sind. Das Projekt Klimarisiko Landwirtschaft ist ein Baustein der Aktivitäten des Klimakabinetts. Ergänzt wird das Prognoseangebot durch einige private Webangebote, welche zwar den Fokus auf das touristische Angebot legen und somit gerade für das Berggebiet durchaus eine hohe Prognosewahrscheinlichkeit aufweisen.

Ad 6)

Zu den größten Schadfaktoren aufgrund der Klimaerwärmung/Trockenheit zählt mit Abstand der Fichtenborkenkäfer/Buchdrucker (Ips typographus). Ein Anstieg der Käferschadholzmengen lässt sich aber nicht erst seit 10 Jahren feststellen, sondern massiv seit den 2000er Jahren. So ergibt sich in den vergangenen 20 Jahren eine Verdreifachung der Waldschäden durch Fichtenborkenkäfer gegenüber dem Vergleichszeitraum 1990 bis 1999 beziehungsweise eine Verzehnfachung der Fichtenborkenkäferschäden seit der Zeit vor 1990. Bei einem geschätzten Schaden von € 30,- pro Festmeter (durchschnittlicher Preisabschlag für Käferholz) ergibt das einen jährlichen Mehrschaden von 9 Millionen Euro im Vergleich zum Zeitraum 1990 bis 1999 bzw. einen jährlichen Mehrschaden von 12 Millionen Euro im Vergleich zum Zeitraum vor 1990.

Andere Baumarten sind nur durch einzelbaumweises Absterben besonders in ihren klimatischen Grenzarealen infolge der Klimaveränderung betroffen. Waldbrände nehmen zwar in ihrer Häufigkeit zu, durchschnittliche Interventionszeiträume von 25 Minuten (gute Feuerwehrinfrastruktur und Walderschließung) halten die betroffene Waldbrandfläche und damit die Schäden aber in Grenzen.

Ad 7)

Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre wurden jährlich rund 4,2 Millionen Euro für direkte Umsetzungsmaßnahmen für eine klimagerechte Waldwirtschaft in der Steiermark bereitgestellt, die an die Grundsätze einer ökologischen Waldbewirtschaftung gebunden sind. Dabei wurden vorrangig Investitionen in klimagerechte Mischwaldaufforstungen, Waldpflegemaßnahmen für strukturierte und stabile Mischwaldbestände, Maßnahmen zur Begünstigung der Naturverjüngung, direkte Waldschutzmaßnahmen insbesondere gegen Borkenkäfer und in den Bereich Forstgenetik vorgenommen. Zusätzlich wurden Maßnahmen zur Habitatverbesserung (insbesondere Raufußhühner) unterstützt sowie eine Vielzahl von ausgewiesenen Totholz-, Specht-, Bruthöhlen- und Veteranenbäumen zur Erhöhung der Biodiversität gefördert.

Ad 8)

Entscheidend für die Waldflächen, um den Herausforderungen durch den Klimawandel bestmöglich gewappnet zu sein, ist die Baumartenwahl. Aus diesem Grund hat die Abteilung 10 – Landesforstdirektion im Auftrag von Herrn Landesrat Ök.-Rat Johann Seitinger im Jahr 2018 in der Steiermark das Forschungsprojekt „Dynamische Waldtypisierung“ gestartet, welches europaweit als Leuchtturmprojekt gilt. Ziel des Projektes ist, für jeden einzelnen Waldstandort eine für die klimatischen Einflüsse angepasste Planungs- und Beratungsgrundlage für die Waldbewirtschaftung in der Steiermark zu schaffen. Damit können die Wälder Klima-fit und zukunftsfähig gestaltet und die Produktionsbedingungen der Forstwirtschaft insgesamt optimiert werden.

Jedem Waldbesitzer, jeder Waldbesitzerin steht dann eine gezielt auf ihren Standort abgestimmte Empfehlung unterschiedlich geeigneter Baumarten zur Verfügung, welche mit einem Betrachtungshorizont bis 2100 die wahrscheinlichsten Klimaszenarien in ihrer Bandbreite (Jahresmitteltemperatur +2°, +4°, +6°) berücksichtigt. Aufbauend auf diese Baumartenempfehlungen kann jeder Waldbesitzer, jede Waldbesitzerin seine Bewirtschaftung – Aufforstung, Pflege, Durchforstung – auf die Klimaentwicklung abstimmen. Die Bereitstellung der Informationen wird sowohl in Papierform als auch digital über das GIS-Steiermark, wo online über die Koordinaten im Wald die Empfehlung für diesen Standort abgerufen werden kann. Zusätzlich soll auch eine Ausscheidung von Risikogebieten möglich sein, wo durch den Ausfall von Baumarten großflächig Waldbestände absterben können. Mit diesem Instrument ist die Steiermark gut gerüstet, um die Waldflächen auf den Klimawandel und dessen Folgen bestmöglich vorzubereiten.

Ad 9)

Wir befinden uns am Ende der Förderungsperiode 2014-2020 des Europäischen Meeres- und Fischereifonds. Die Förderung erfolgt nach einem Bundesprogramm und dazugehöriger Sonderrichtlinie mit EU-, Bundes- und Landesmitteln, die jetzt am Ende der Förderperiode bereits ausgeschöpft sind. Es gibt bezüglich der Trockenheit laut Auskunft des für die Förderungsabwicklung zuständigen Referenten keine Anfragen diesbezüglich aus dem Aquakulturbereich. Die Fischproduzenten wissen mit wenig Wasseraufkommen umzugehen. Es kommen Elektrolüfter oder Sauerstoffanlagen zum Einsatz. Diese Anlagen sind bei der Erstanschaffung förderungsfähig. Für Verlandungszonen in extensiven Teichwirtschaften gibt es eine weitere Förderungsmöglichkeit. Diese Art der Bewirtschaftung dient der Biodiversität - deshalb findet diese Förderung im Sinne des Naturschutzes statt – ist jedoch für die Ausweitung der Produktion nicht geeignet.